EEG reicht nicht: Deutschland muss für Paris-Ziele Ökostrom-Anteil verdoppeln

EEG reicht nicht: Deutschland muss für Paris-Ziele Ökostrom-Anteil verdoppeln

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Windräder drehen sich vor den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde.

von Angela Schmid

Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, müsste Deutschland die Energiewende beschleunigen. Das zeigt eine neue Studie der HTW Berlin.

Der Ausbau an erneuerbaren Energien reicht nicht aus, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Deutschland muss den regenerativ erzeugten Strom bis 2040 verdoppeln, den Kohleausstieg bis 2030 umsetzen und den raschen Ausbau von Langzeitspeichern vorantreiben. Das zeigt eine Studie der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW Berlin), die erstmals neben dem Stromsektor auch den Energiebedarf von Verkehr, Wärmeversorgung und Industrie einbezog.

Nach Berechnungen der Wissenschaftler braucht Deutschland spätestens im Jahr 2040 jährlich 1320 Terawattstunden an erneuerbarem Strom. Das ist mehr als doppelt so viel wie heute. Denn auch Verkehr, Wärme und Industrie müssen sich zum Erreichen der Klimaschutzziele in Deutschland von fossilen Energieträgern verabschieden.

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"Mit den geringen Zubaukorridoren des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ist ein Einhalten der Paris-Ziele praktisch unmöglich. Entweder fehlt den politisch Verantwortlichen der nötige Sachverstand oder sie beabsichtigen das Klimaschutzabkommen gar nicht einzuhalten", so Studienleiter und Energiesystem-Professor Volker Quaschning.

Bis zu sechsmal schnellerer Erneuerbaren-Ausbau nötig

"Wir müssen die Wind- und Solarenergie drei- bis sechsmal schneller ausbauen als von der Bundesregierung geplant", präzisierte Quaschning die Ergebnisse seiner Forschungsgruppe Solarspeichersysteme an der HTW Berlin: Die Onshore-Windkraft müsse pro Jahr um 6,3 Gigawatt (GW) netto ausgebaut werden statt um 2,8 GW brutto, wie im Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) anvisiert sei. Bei der Photovoltaik seien jährlich sogar 15 GW erforderlich statt der im EEG vorgesehen 2,5 GW, so der Professor.

Damit Deutschland seinen Beitrag zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius leistet, empfiehlt Quaschning bei der Wärmeversorgung einen "zeitnahen" Umstieg von Öl- und Gasheizungen sowie KWK-Anlagen auf effiziente Wärmepumpen. Zudem müsse der Verkehrssektor 2040 fast vollständig elektrifiziert und bis 2030 ein Ausstieg aus der Kohle realisiert worden sein, da sie für den Großteil der CO2-Emissionen aus der Energiewirtschaft verantwortlich ist.

Gibt es keine Atom- und Kohlekraftwerke mehr, muss der Strom gespeichert werden. Nach Ansicht von Greenpeace Energy bietet Power-to-Gas das größte Potential. Dafür wird allerdings bis 2040 eine Elektrolyseurleistung von mindestens 80 Gigawatt benötigt. "Für einen wirksamen Klimaschutz müssen wir jetzt damit beginnen, diese Kapazitäten aufzubauen", fordert Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation von Greenpeace Energy.

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