Eigenheim: Tausende Kellerbatterien helfen der Energiewende

Eigenheim: Tausende Kellerbatterien helfen der Energiewende

von Benjamin Reuter

Neue Berechnungen zeigen: Ein Boom bei Kellerakkus könnte die Stromversorgung sichern.

Es war lange Jahre der Traum vieler Besitzer einer Fotovoltaikanlage: Ihren Strom nicht nur ins Netz einzuspeisen, sondern ihn zu 100 Prozent selbst zu verbrauchen. Bisher fehlten aber die dafür nötigen Batterien, um den Strom zu speichern. Das ändert sich jetzt, denn immer mehr Unternehmen wie zum Beispiel der Energieversorger RWE bringen Kellerakkus auf den Markt.

Hinzu kommt, dass es sich zunehmend auch finanziell lohnt, den Strom vollständig selbst zu nutzen – derzeit allerdings nur, wenn die Bank einem günstigen Kredit gewährt. In ein paar Jahren, wenn die Preise für Akkus und Solarzellen weiter sinken, könnten sich aber hunderttausende Hausbesitzer mit diesem Duo weitgehend energieautark machen.

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Das hat auch Auswirkungen auf die Energiewende. Jeder einzelne der Kellerakkus speichert zwar nur geringe Mengen Energie, alle zusammen ergeben aber einen riesigen Speicherpark. Das ist deshalb von Bedeutung, weil bei viel Sonne und Wind auch Strom aus dem öffentlichen Netz in den Akkus zwischengelagert werden könnte. Mangelt es an Strom, so jedenfalls ein Szenario, entlädt sich der Akkuschwarm wieder.

Bisher werden Grünstromanlagen bei Netzüberlastung abgeregelt – ein, Phänomen das bei einem weiteren Ausbau der Erneuerbaren in Zukunft öfter vorkommen wird.

Potenzial, ein Drittel des Solarstroms zwischenzuspeichernWie die Kellerspeicher in Zukunft beim Umbau der Energieversorgung helfen und das Stromnetz stabilisieren können, hat jetzt das Fraunhofer‐Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg im Auftrag des Bundesverbandes Solarwirtschaft untersucht (hier gibt es die Studie als PDF). Grundlage der Berechnungen: 100.000 Kellerbatterien in Deutschland mit einer Kapazität zwischen zwei und zehn Kilowattstunden.

Und das sind die Ergebnisse:

- gäbe es 100.000 Kellerspeicher in Deutschland, könnten damit an einem sehr sonnigen Tag rund ein Drittel der Solarstromleistung im Land zwischengespeichert und abgepuffert werden. Vorraussetzung: Der Hausbesitzer nutzt den Speicher nicht für den eigenen Strom. (Bei deutschlandweit 350 Megawatt installierter Solar-Leistung). Außerdem würden die Speicher die Stromschwankungen an der Börse glätten, weil sie Angebot und Nachfrage besser in Übereinstimmung bringen. Sprich, statt den Strom Mittags zu Spitzenzeiten billig zu verkaufen, ist er Abends bei hoher Nachfrage mehr wert.

- Will der Hausbesitzer in Spitzenzeiten den Stromspeicher für den Eigenbedarf aber laden und wieder entladen, entfällt der größte Teil dieser positiven Effekte. Zitat der Forscher: „Photovoltaik‐Batteriesysteme, die lediglich auf die Maximierung des Eigenverbrauchs hin betrieben werden, haben kaum positive Effekte für die Netze oder die Systemintegration der fluktuierenden Erzeugung.“

Was ist also zu tun und gibt es ein Ausweg aus diesem Dilemma? Durchaus, sagt Christof Wittwer, der die Studie geleitet hat. Auch wenn Hausbesitzer oder Dorfgemeinschaften die Speicher nur lokal nutzen, können sie teilweise einen Ausbau der Netze ersetzen. Denn bisher geht die Rechnung so: Gibt es in einem Vorort oder einem Dorf viele Mini-Stromproduzenten, die Energie via Solar gewinnen, muss deren Strom ins öffentliche Netz abtransportiert werden. Dafür müssen die Netze wachsen, das kostet Geld. Speichern die Solarbesitzer ihren Strom zwischen, um ihn später selbst zu nutzen, entfällt der Ausbau. Vor allem, wenn in Deutschland in einigen Jahren, der Ökostromanteil auf über 40 Prozent steigt, werden große und kleine Speicher unverzichtbar, sagt Wittwer.

Doch auch bei diesem Szenario gibt es ein Problem: Noch ist es billiger, die Netze auszubauen, statt tausende Speicher anzuschaffen oder deren Anschaffung mit einer öffentlichen Umlage auf die Strompreise zu unterstützen - vor allem, weil damit wieder einseitig die Besitzer der Speicher profitieren; wie derzeit schon bei Solaranlagen. Allerdings: Wenn die Preise für die Speicher um ein Drittel sinken würden, wäre der Netzausbau teurer. Ganz unwahrscheinlich ist das nicht: Denn die Speicher werden auch von der Autoindustrie für die Elektrofahrzeuge gebraucht. Die Großproduktion könnte die Preise rasch purzeln lassen.

 

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