Elektrische Fähre: Schifffahrt in Grün

Elektrische Fähre: Schifffahrt in Grün

von Lisa Hegemann

Kein Ölverbrauch, keine Emissionen: Die Fähre „Ampere“ bewegt sich in norwegischen Gewässern auf komplett elektrischer Basis.

Äußerlich gleicht die norwegische „Ampere“ jeder anderen Fähre. Doch ihre inneren Werte unterscheiden sie massiv von gewöhnlichen Schiffen: Die „Ampere“ fährt komplett elektrisch – ohne Öl zu verbrauchen und ohne schmutzige Abgase auszustoßen.

Das Schiff soll die erste Fähre der Welt sein, die ihre Energie aus Batterien bezieht. Trotz der zehn Tonnen schweren Batterien bringt die „Ampere“ nur die Hälfte einer Standardfähre auf die Waage. Der Grund: Für den Bau des 80 Meter langen und 20 Meter breiten Schiffskörpers verwendeten die Hersteller – Fjellstrand Shipyard, Siemens und Norled – ausschließlich Aluminium.

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Angetrieben wird die Fähre von zwei elektrischen Motoren mit einer Leistung von 450 Kilowatt. Die Batterien liefern dabei etwa so viel Strom wie 1600 Autobattieren. Insgesamt kann die „Ampere“ 120 Autos und 360 Passagiere beherbergen und mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Knoten fahren.

Aufladen binnen zehn MinutenMitgetüftelt an der Fähre hat auch der deutsche Konzern Siemens. Von dem Konzern stammt die Batterietechnik. Man sei gespannt, wie die Technik „die Zukunft der umweltfreundlichen maritimen Technologie“ mitgestalten werde, sagte Mario Azar, der Geschäftsführer des Bereichs Öl, Gas und Marine, in einer Pressemitteilung. Der Bau des Schiffes habe sich sehr stark von der Herstellung anderer elektrischer Fahrzeuge unterschieden, erklärt Siemens: Die „Ampere“ sei von Grund auf neu geplant worden.

Damit die Fähre immer genügend Energie hat, haben Siemens und der Besitzer Norled je eine Lithium-Ionen-Batterie an jedem Hafen stationiert. Eine weitere befindet sich an Bord der Fähre. Sobald das Schiff an einem Hafen ankommt, kann es seine Energiequellen so wieder aufladen – binnen zehn Minuten. Eine solch schnelle Aufladezeit würde sich wohl auch so mancher Elektroautobesitzer wünschen. Pro Route verbraucht die Fähre etwa 150 Kilowattstunden an Strom, damit käme in Deutschland ein Ein-Personen-Haushalt ungefähr für einen Monat aus.

Zehn-Jahres-Lizenz erhaltenEigentlich sollte die „Ampere“ nur als Wettbewerbsbeitrag auf der SMM Handelsshow im September 2014 dienen. Doch die Fähre gewann nicht nur den Titel „Schiff des Jahres“, sondern erhielt auch eine zehnjährige Lizenz des norwegischen Verkehrsministeriums für die Fährverbindung zwischen Lavik und Oppedal im Süden des Landes. Bereits seit Anfang 2015 dreht die „Ampere“ nun dort ihre Runden.

Ob sie allerdings wirklich die erste elektrische Fähre ist, bleibt zumindest diskussionswürdig. Zwar scheint sie die erste Fähre zu sein, die tatsächlich von Grund auf elektrisch entwickelt wurde. Eine schwedische Fähre wurde allerdings schon im Mai 2014 umgebaut und mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet.

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