Elektro-Bus: 415 Kilometer mit einer Akkuladung

Elektro-Bus: 415 Kilometer mit einer Akkuladung

von Sabrina Keßler

Proterra hat einen Elektro-Bus entwickelt, der handelsübliche E-Autos mit seiner Reichweite alt aussehen lässt.

Ryan Popple hat eine ehrgeizige Mission: Der Chef des amerikanischen Unternehmens Proterra will die Busbranche revolutionieren. Schon bald, so seine Vision, sollen alle Busse der USA mit Elektromotoren fahren und damit fossile Brennstoffe endgültig von den Straßen verbannen. Übermütig könnte man ihn nennen - doch Popple weiß genau, was er tut.

Ryan Popple ist kein Unbekannter in der Branche. In der Vergangenheit arbeitete er als Finanzchef des Elektro-Pioniers Tesla, der die Entwicklung umweltfreundlicher Fahrzeuge schon seit Jahren forciert. Mit Proterra will Popple nun das schaffen, was Tesla in der Autobranche erreicht hat: Busse mit enormer Reichweite, ganz ohne Emissionen.

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Reichweitenrekord dank Mini-VerbrauchDer Durchbruch dazu ist ihm bereits gelungen. Anfang September präsentierte Proterra das neueste Modell des Hauses, den Catalyst XR Bus, der nicht nur mit besonderer Effizienz und Leichtigkeit glänzt, sondern vor allem mit seiner Reichweite: 415 Kilometer schafft der Bus mit nur einer Batterieladung, zumindest unter Testbedingungen. Damit schlägt er nicht nur die Reichweitenwerte der meisten Elektro-Autos, sondern auch die bisherige Rekordweite des amerikanischen Bus-Rivalen BYD, dessen Modell maximal 320 Kilometer pro Ladung schafft.

Herzstück des zwölf Meter langen Busses ist eine leistungsstarke Lithium-Ionen Batterie, die 257 kWh an Bord bringt und in weniger als 90 Minuten geladen werden kann. Bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von knapp 50 km/h verbraucht der Bus gerade mal 0,5 kWh pro Kilometer – so viel, wie man für 30 Minuten staubsaugen benötigt. Erstaunlich wenig also.

Auch die niedrigen Betriebskosten können überzeugen. Im Laufe eines Buslebens, etwa zwölf Jahre, sparen Kunden laut Hersteller rund 120.000 Euro Instandhaltungskosten. Hinzu kommen Ersparnisse durch entfallende Brennstoffkosten. Lediglich 0,12 Euro Stromkosten pro Kilometer fallen an.

Preisschreck oder Zukunftsmodell?Rekordverdächtig klingt allerdings auch der Preis des Öko-Wunders - im negativen Sinne. Obwohl der Preis für das neuste Modell noch nicht offiziell bekannt gegeben wurde, kann man erahnen, was auf Städte und Kommunen zukommen könnte: Schon der Vorgänger, der eine maximale Reichweite von mageren 80 Kilometern hatte, kostete umgerechnet knapp 760.000 Euro, hinzu kommen Tanksäulen mit 535.000 Euro pro Stück. Enorme Summen, kostet ein normaler Diesel-Stadtbus in Deutschland gerade mal 250.000 Euro.

Dennoch könnte sich der Einsatz der batteriebetriebenen Busse langfristig auch in Deutschland lohnen. So sollen praktische Ladesysteme in Zukunft nicht nur Zeit sparen, sondern auch effektiveres Elektronen-Tanken ermöglichen. Ein wichtiger Faktor, legen Busse im täglichen Linienverkehr doch bis zu 400 Kilometer zurück.

Auch die Öko-Bilanz des deutschen Nahverkehrs würde sich damit deutlich verbessern. Nicht nur, dass Elektrobusse weitaus weniger Emissionen ausstoßen. Systeme wie der Catalyst XR von Proterra können auch in alten Bussen verbaut werden. Dank des grünen Updates können sich so selbst Umweltsünder zum Öko-Vorbild mausern.

Proterra arbeitet übrigens schon am nächsten Coup: Dank einer noch effizienteren Technologie soll die nächste Batterie einen Bus mit ihren 321 kWh bis zu 500 Kilometer weit bringen - mit einer einzigen Akkuladung, wohlgemerkt.

Das Video zum Reichweiten-Test gibt's übrigens hier:

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