Elektro-Fähre: Inselhüpfen mit dem Stromer

Elektro-Fähre: Inselhüpfen mit dem Stromer

von Wolfgang Kempkens

Ein elektrisch betriebenes Schiff geht 2017 in Finnland an den Start. Auf der Elektro-Fähre können die Passagiere zwischen Inseln hin und her pendeln.

Die weltweit erste rein elektrisch angetriebene Fähre, die im Mai vergangenen Jahres in Norwegen in Betrieb ging, bekommt eine größere Schwester. Wie die norwegische „Ampere“, soll das neue finnische Schiff während der Fahrt im Normalfall keine Emissionen verursacht. Das Unternehmen FinFerries lässt die Elektro-Fähre von der Christ-Werft im polnischen Danzig bauen. Sie wird im Schärengebiet vor Turku, einer Stadt an der Südwestküste Finnlands, zwischen den Inseln Nauvo und Parainen pendeln. Im Sommer 2017 soll sie in Betrieb gehen.

Die Fähre mit dem vorläufigen Namen P310 ist gut 96 Meter lang und fast 16 Meter breit. Sie bietet 90 Fahrzeugen und 372 Passagieren Platz. Für die 1,6 Kilometer lange Strecke wird sie 15 Minuten brauchen. An den beiden Anlegern befinden sich Hochleistungs-Ladestationen, die die Batterien innerhalb von sieben Minuten mit neuem Strom versorgen. Das Schiff verbindet sich automatisch mit der Ladestation, sobald es angelegt hat. Den Ladebefehl erteilt das Energiemanagementsystem an Bord per Funk.

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Antriebs-, Informations- und Überwachungstechnik liefert Siemens. Die Münchner haben bereits die norwegische Fähre ausgerüstet. Für den Fall, dass sich die Fahrzeit wetterbedingt verlängert, ist ein Dieselgenerator mit an Bord. Der versorgt die Pumpen für die Seitenstrahlruder und die Motoren, die die beiden Propeller antreiben, unterwegs notfalls mit Strom.

Indirekt entstehen doch SchadstoffeNicht nur der Dieselgenerator sorgt dafür, dass die Fähre nicht komplett grün ist. Auch indirekt entstehen Emissionen. Rund 33 Prozent des finnischen Stroms wird in fossilen Kraftwerken erzeugt, die natürlich Schadstoffe ausstoßen. Knapp 37 Prozent des Strommix in Finnland machen erneuerbare Energien aus, mit fast 30 Prozent ist die bei der Erzeugung ebenfalls nahezu CO2-freie Kernenergie beteiligt.

Zahlen zur Ausstattung der finnischen Fähre nennt Siemens nicht. Dafür aber für die norwegische „Ampere“, die mehrmals täglich zwischen den sechs Kilometer auseinander liegenden Anlegern Lavik und Oppedal pendelt. Pro Fahrt verbraucht die 80 Meter lange Fähre 150 Kilowattstunden. Im Jahr macht das für die beiden Elektromotoren mit jeweils 450 Kilowatt zwei Millionen Kilowattstunden. Der Batterieblock wiegt zehn Tonnen.Wäre die Fähre mit Dieselaggregaten ausgestattet, bräuchte sie pro Jahr rund eine Million Liter Treibstoff und würde 570 Tonnen Kohlendioxid emittieren. Die Betriebskosten sinken durch den Elektroantrieb um 60 Prozent.

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