Elektro-Motorrad: Hier dreht der Motor rückwärts

Elektro-Motorrad: Hier dreht der Motor rückwärts

von Wolfgang Kempkens

Der Motor im Elektro-Motorrad TORR hat so einen Zug, dass sich die Erbauer für Kurven einen Trick ausdenken mussten

TORR ist das vielleicht ungewöhnlichste Elektro-Motorrad der Welt. Denn wenn es vorwärts fahren soll, dreht sich der Motor rückwärts.

Trotzdem bringt es das Drehmoment von stolzen 240 Newtonmetern innerhalb des Bruchteils einer Sekunde auf die Straße. Die daraus resultierende Beschleunigung lässt jeden konventionellen Biker erblassen.

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Das Motorrad entstand im Rahmen des Programms „globalDrive“, das Mobilitätstechniken der Zukunft entwickelt. Angesiedelt ist es am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der Technischen Universität München (TUM). Entwickler des Elektromotorrads sind sechs Studenten der TUM und der Pekinger Tsinghua University.

Der rückwärtslaufende Motor soll die Trägheit in den Kurven verringern und für mehr Dynamik sorgen. Denn ein Motorrad bleibt nur in der Senkrechten, wenn sich die Räder drehen, genauso wie ein Fahrrad. Je größer die rotierende Masse ist und je schneller das Motorrad fährt, desto schlechter lässt es sich in eine Kurve steuern. Stets strebt es zur aufrechten Position zurück - das bedeutet dann auch geradeaus.

Der rückwärts drehende Rotor des Elektromotors, der immerhin rund sechs Kilogramm wiegt, reduziert die Rückstellkraft bei flotten Kurvenfahrten. Und das ist auch nötig: Bei 136 PS kommt TORR auf eine Spitzengeschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde. Übrigens komplett mit Strom, umweltverträglich also, sofern Wind, Sonne oder Wasser die Energie liefert.

Hochleistungsakkus für Sekunden-BeschleunigungUm unmittelbar nach dem Start das volle Drehmoment nutzen zu können, entschieden sich die Studenten für Hochleistungsakkus, die Strom verzögerungsfrei zur Verfügung stellen. Beim Racing Academy Motorradtraining am 10. und 11. Oktober in Oschersleben südwestlich von Magdeburg wollen die Studenten am Qualifying für das dort ausgetragene semiprofessionelle Rennen teilnehmen.

Sie sind sicher, dass sie die konventionellen Flitzer schlagen werden. Fürs Rennen selbst ist die Maschine allerdings nicht geeignet. Die Kapazität der Batterien ist zu gering.

Technik, die für Auto- und Motorradrennen entwickelt wird, fließt teilweise in die Serienproduktion von Fahrzeugen ein. Außerdem gilt es, das Image des Elektroantriebs zu verbessern. Das war auch das Ziel von Studenten aus Stuttgart, die das beschleunigungsstärkste Elektro-Motorrad im Rahmen der internationalen Rennserie „Formula Student“ gebaut haben. Innerhalb von 1,779 Sekunden beschleunigt es aus dem Stand auf Tempo 100. Ob TORR eine Beschleunigung vorweisen kann, wird sich auf der Rennstrecke von Oschersleben zeigen.

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