Elektro-Prototyp: Aachener Entwickler bauen günstigen E-Flitzer für die Stadt

Elektro-Prototyp: Aachener Entwickler bauen günstigen E-Flitzer für die Stadt

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Das bereits funktionsfähige Chassis und die Designstudie. (Foto: Krentz / e.GO Mobile AG)

von Wolfgang Kempkens

Forscher der RWTH Aachen wollen in zwei Jahren einen kleinen Elektro-Zweisitzer für 12.500 Euro auf den Markt bringen.

Aachen mausert sich zur Hauptstadt der Elektroauto-Produktion. Der Streetscooter etwa, entwickelt von Forschern der örtlichen Technischen Hochschule (TH), wird bereits gebaut. Das Modell, das konkret für die Bedürfnisse von Paketdiensten entwickelt wurde, gefiel der Deutschen Post so gut, dass sie das Jungunternehmen kurzerhand kaufte.

Jetzt steht "e.GO Life" in den Startlöchern. Dieses reine Stadtauto hat ein Team um Günther Schuh entwickelt, Professor für Produktionssystematik an der TH Aachen, das auch den Streetscooter entworfen hat. Jetzt hat das eigens für die Entwicklung und den Bau des Fahrzeugs gegründete Unternehmen e.GO Mobile das bereits fahrtüchtige Chassis und eine Design-Studie der Karosserie präsentiert. Spätestens 2018 sollen die ersten Stadtautos gefertigt werden.

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Streetscooter und e.GO Life sind, anders als die Elektroautos der deutschen Fahrzeughersteller, speziell für den Elektroantrieb entwickelt worden. In den auf dem Markt befindlichen Fahrzeugen ist, mit wenigen Ausnahmen, der Verbrennungsmotor durch einen Elektroantrieb ersetzt worden.

Das hat sogar Tradition: Eine ähnliche Strategie verfolgten die ersten Autohersteller. Sie bauten in nur leicht modifizierte Pferdekutschen Motoren und Getriebe ein. Die Entwickler aus Aachen verfolgen nun aber ein anderes Ziel.

Effiziente Entwicklung des E-Autos

Der e.GO Life wird als Zwei- und als Viersitzer gebaut. Die Preise stehen schon fest: 12.500 und 13.900 Euro. Das größere Auto bekommt statt vier gleich sechs Batterien. Es entstand in einem Drittel der üblichen Entwicklungszeit für Neufahrzeuge, so das Unternehmen.

Die Kosten lagen mit weniger als 30 Millionen Euro sogar nur bei einem Zehntel. Das lag daran, dass die Entwickler Hand in Hand mit dem Team arbeitete, das für den Produktionsprozess verantwortlich war. Der erste Entwurf wurde in ein virtuelles dreidimensionales Modell übertragen. Auf der Basis dieser Daten arbeiteten beide Teams mit insgesamt 50 Mitarbeitern weiter. Designideen beispielsweise, deren produktionstechnische Umsetzung zu kompliziert war, wurden dann gleich gestrichen.

Das 48-Volt-Antriebssystem lieferte Bosch. Die Dauerleistung beträgt 15 Kilowatt. Damit kann das Fahrzeug im Stadtverkehr gut mithalten. Innerhalb von 3,9 Sekunden beschleunigt es von Null auf 50 Kilometer pro Stunde. Die kleinere Version hat eine Reichweite von 80, die größere von 120 Kilometern.

Serienproduktion ab 2017

"Wenn unser e.GO Life im Markt ankommt, stellen wir uns eine Serienproduktion von bis zu 10.000 Fahrzeugen pro Jahr im Aachener Industriegebiet vor", so Professor Schuh. 2017 sollen 100 "Primotypen" gebaut werden, also eine Kleinserie von gehobenen Prototypen. 75 davon sollen an Betatester verkauft werden. Die restlichen 25 dienen der unternehmensinternen Erprobung.

Die Karosserie besteht aus einer Art Fachwerk, das mit Kunststoffplatten verkleidet wird. Das sorgt für geringes Gewicht. Ohne Batterien kommt der e.GO Life aus 450 Kilogramm. Zudem spart diese Konstruktion Kosten. "Wir wollen zeigen, dass die Gesamtbetriebskosten eines reinen Elektrofahrzeuges schon heute mit einem traditionellen Verbrennerfahrzeug vergleichbar sind", so Schuh.

Bisher sind 700 Streetscooter bei der Post im Einsatz. Bis zum Ende dieses Jahres sollen 2000 hinzukommen. Die Fahrzeuge, die für die Auslieferung von Paketen eingesetzt werden, haben eine Reichweite von 80 Kilometern. Außer dem Streetscooter baut das Unternehmen noch elektrische Zwei- und Dreiräder für die Briefträger. E.GO Mobile baut derzeit neben dem Stadtauto noch ein Elektro-Kart.

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