Elektroautos: 300 Kilometer Reichweite schon in fünf Jahren?

Elektroautos: 300 Kilometer Reichweite schon in fünf Jahren?

von Felix Ehrenfried

Fortschritte bei Akkus für Elektroautos: Eins scheint sicher, ihr Preis sinkt. Aber werden sie auch leistungsstärker?

Als BMW jüngst verkündete, dass E-Autos in fünf Jahren ohne Nachladen die heutige Reichweite von 150-180 Kilometern verdoppeln könnten, sorgte das für große Diskussionen in der Branche. Viele vermuteten hinter der Mitteilung lediglich eine PR-Maßnahme um den Verkausstart des Elektrowagens i3 des bayerischen Autobauers ordentlich in Schwung zu bringen.

Würde BMW Recht behalten, könnte das die Reichweitenangst, bisher eines der Hauptargumente gegen den Kauf eines Stromers, bedeutend verkleinern. Doch sind wir wirklich in fünf Jahren schon so weit, dass Elektroautos frühestens nach 300 Kilometer an der Zapfsäule laden?

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Die kalifornische Edelstromerschmiede Tesla macht mit seinem Model S vor, dass es möglich ist, auch mehr als 200 Kilometer ausschließlich mit Strom zu fahren. Der Wagen hat eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern, kostet allerdings auch mindestens 71 400 Euro. Damit sind lange Strecken mit Elektroautos zwar möglich, bisher jedoch nur im Premiumsegment. Wer sich einen Wagen im günstigeren Bereich zulegt, muss mit weniger Distanz Vorlieb nehmen.

Markus Fendt ist Geschäftsführer bei The Mobility House, einem Dienstleister der Elektrobranche. Er glaubt, dass große Reichweitensprünge in naher Zukunft möglich sind "und das gar nicht mit neuen Superbatterien a lá Lithium-Luft, sondern mit aktuellen Lithium-Ionen-Akkus". Aber vorher wird noch eine andere Entwicklung greifen: Nämlich ein gehöriger Preissturz bei Akkus. Schon in den vergangenen zwei Jahren seien die Preise für Stromer-Batterien um 40 Prozent gesunken, berichtete der Blog Cleantechnica kürzlich.

Glaubt man Markus Fendt, wird das auch so weitergehen. Weitere Kostenreduzierungen seien möglich durch bessere Fertigungsstechniken, die den Materialausstoß verringern und die Produktionskapazitäten erhöhen. Batterien werden bei gleichbleibender Leistung also günstiger - das senkt die Preise für Elektroautos insgesamt. Finden die Autos dann im Massenmarkt Absatz, fallen die Preise weiter.

Zwei Parameter: Preis und ReichweiteBei der Reichweite, also der Energiedichte der Batterien werden die Fortschritte aber zäher sein, meint Fendt: "Es wird leichter sein, den Preis zu halbieren, als die Leistung zu verdoppeln." Und beides gleichzeitig zu erreichen, wird noch schwieriger.

Ganz ähnlich argumentiert auch Wolfgang Bernhart. Bernhart ist Automobilexperte beim Beratungsunternehmen Roland Berger. Er glaubt, dass eine Reichweitenverdopplung in der Stromerbranche in den nächsten fünf Jahren unwahrscheinlich ist: "50-70 Prozent mehr Reichweite ist schon eher möglich." Jedoch würden bei diesen Leistungssprüngen die Kosten für die Batterien um mindestens die Hälfte steigen, so seine Einschätzung.

Bernhart erklärt: "Ich glaube, dass ein vernünftiger Preis aus Kundensicht wesentlich mehr Sinn macht als mehr Reichweite." Das dürften auch die meisten Automobilhersteller so sehen, sagt er.

Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen beurteilt die Lage etwas anders. "Wir werden deutliche Reichweitenerhöhungen bis 2020 durch Optimierung im Produktionsverfahren sehen." Die von BMW angegebene Verdopplung sei in fünf Jahren und mit aktuellen Lithium-Ionen-Akkus "durchaus machbar."

Dudenhöffer erklärt allerdings auch, dass es nicht nur um mehr Reichweite, sondern auch eine stabilere Distanz, die mit einer Batterieladung gefahren werden kann, gehe. Denn heute kann die Reichweite bedingt durch Einflüsse wie Temperatur und Straßenverhältnis stark schwanken. "Da sollte es in Zukunft einen sichereren Grundstock an Distanz, die zurückgelegt werden kann, geben", sagt Dudenhöffer.

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