Elektroautos: Das Millionen-Ziel ist noch erreichbar

Elektroautos: Das Millionen-Ziel ist noch erreichbar

von Jürgen Klöckner

Eine Studie zeigt: Mit Kaufprämien könnten bis 2020 knapp 700.000 E-Autos fahren. Mit Forschungsförderung sind aber auch drei Millionen Stromer möglich.

Elektromobilität ist in Deutschland Chefsache. Bis 2020 sollen eine Millionen Elektroautos fahren, bis 2030 sollen es gar sechs Millionen sein, so hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich das Ziel der Regierung definiert. „Deutschland soll Leitmarkt für Elektrofahrzeuge werden“, sagte sie noch im Oktober 2012 nach dem Autogipfel im Kanzleramt mit Deutschlands Autobossen - die allerdings Merkels Euphorie nicht unbedingt teilen.

„Das Ziel ist nicht ganz einfach zu erreichen“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche damals. Nur mit Kaufprämien sei es machbar, das sehen seine Kollegen in den Vorständen ähnlich. Davon wollen zumindest Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) nichts wissen. Beide nehmen die Autoindustrie in die Pflicht. „Das Produkt muss aus sich heraus überzeugen“, sagte etwa Ramsauer in einem Interview mit der Bild-Zeitung.

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Dem hatte die Autoindustrie außer Gejammer bislang wenig entgegenzusetzen. Konkrete Vorschläge, wie hoch etwa eine solche Kaufprämie sein müsste, blieben aus. Daimler hat nun zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Studie veröffentlicht - und die liefert Zetsche und Co. zumindest konkrete Zahlen.

Das Ergebnis ist auf den ersten Blick wenig überraschend: Bleibt alles beim alten, sieht es laut Studie mit Merkels Millionen-Ziel eher düster aus. Bleiben Ölpreis, CO2-Ziele der EU, die Kosten für Batterien und Elektroautos auf aktuellem Niveau und würde die Regierung kein Geld in die Hand nehmen, werden bis 2020 nur 189.000 Stromer verkauft. Die Studie nimmt auch Hybridfahrzeuge in die Verkaufsprognose - so, glauben viele, wird auch Merkel bald rechnen.

Mehr Erfolg könnten Elektroautos haben, wenn sich etwas ändert: Ein zweites Szenario geht davon aus, dass der Ölpreis bis 2020 nicht auf 100 Euro pro Barrel wie im „business-as-usual“, sondern auf 120 Euro pro Barrel steigt, die CO2-Ziele der EU für Neuwagen bis 2030 auf 60 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer angezogen werden und die Bundesregierung jeden Neuwagen mit alternativem Antrieb mit 5000 Euro subventioniert.

Elektroflitzer alleine genügen nichtSo würden sich Elektrofahrzeuge vor allem im mittleren Segment stärker gegen Diesel- und Benzinfahrzeuge durchsetzen. Doch selbst dann wäre das Millionen-Ziel nicht ganz erreicht: Bis 2020 würden nur 727.000 Stromer auf Deutschlands Straßen fahren. Und das auch nur, weil die Forscher hierzu auch Autos mit Brennstoffzelle rechnen, die laut Bundesregierung aber nicht zu den Elektroautos zählen, aber mindestens genauso klimafreundlich sind. Sie würden sich auch bei Limousinen und Sportautos durchsetzen. Dort also, wo Elektrofahrzeuge bislang eher keine Rolle spielen. Wasserstoffrenner würden sich demnach fast doppelt so gut verkaufen wie Elektro- und Hybridfahrzeuge.

Ein drittes Szenario lässt die externen Faktoren wie den Ölpreis und CO2-Ziele konstant und geht davon aus, dass die Preise für Batterien, Elektromotoren und Brennstoffzellen enorm sinken, sodass sie für Hersteller und Kunden nicht teurer sind als Benziner und Dieselfahrzeuge.

Dies ist nur mit enormen Subventionen zu erreichen - würde aber für den Durchbruch der alternativen Antriebe sorgen. Das Millionen-Ziel der Bundesregierung wäre im Handstreich erreicht: Bis 2020 würden 1,9 Millionen Elektro- und Hybridfahrzeuge in Deutschland fahren. Rechnet man auch Autos mit Brennstoffzelle mit ein, würden sogar 3,3 Millionen Fahrzeuge mit alternativem Antrieb unterwegs sein.

Die Studie lässt also zwei interessante Schlüsse zu: Zum einen haben alternative Antriebe nur Erfolg, wenn die Regierung Geld in die Hand nimmt. Das Ergebnis verliert natürlich an Gewicht, da Daimler die Studie in Auftrag gegeben hat und selbst auch Kaufprämien fordert. Doch bislang haben sich Elektroautos nur schleppend verkauft (2012 waren es nur 4500 Fahrzeuge) und das mag auch daran liegen, dass Stromer einfach noch zu teuer sind.

Das zweite Ergebnis ist schon interessanter: Die Brennstoffzelle wird gehörigen Anteil an alternativen Antrieben haben, auch wenn sie noch sehr teuer ist. Sie hat aber enorme Vorteile: Eine Tankfüllung Wasserstoff reicht etwa 400 Kilometer weit - also weiter als die Batterieladung eines Elektroautos. Außerdem lassen sich Autos ähnlich wie Benziner schnell betanken und müssen nicht mehrere Stunden an der Steckdose hängen. Sicher aber ist: Alleine können die Elektroflitzer das Millionen-Ziel höchstwahrscheinlich nicht erreichen.

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