Elektroautos: Neun Ideen gegen die Reichweitenangst

Elektroautos: Neun Ideen gegen die Reichweitenangst

von Felix Ehrenfried

Mitten auf der Strecke geht der Saft aus - eine Horrorvorstellung für E-Auto-Besitzer. Doch es gibt Mittel gegen leere Akkus im Stromer.

Es ist eines der Hauptargumente, das für die meisten heute noch gegen den Kauf eines Elektroautos spricht: Irgendwo auf der Strecke mit leeren Batterien stehen zu bleiben, die nächste Ladestation kilometerweit entfernt. Denn Elektroautos haben eine relativ begrenzte Reichweite, im Durchschnitt und wenn die Klimaanlage nicht läuft, liegt sie bei rund 150 Kilometern.

Aber die Reichweitenangst bekämpfen Unternehmen inzwischen weltweit mit neuen Ideen, Techniken und Projekten. Wir stellen die neun spannendsten vor:

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1. Bessere BatterienJe besser und leistungsfähiger der eingebaute Akkublock, desto weiter fährt das Elektromobil. Ansätze für bessere Batterien gibt es bereits. Bei IBM bastelt man an einem Lithium-Luft-Akkublock, der die Reichweite auf beeindruckende 800 Kilometer pro Akkuladung heben soll. Beim Batteriespezialist Phinergy hat man solch eine Spezialbatterie sogar derart modifiziert, dass sie bald Energie für bis zu 1600 Kilometer Fahrstrecke liefern könnte.

Entwicklungen für leichtere Fahrzeuge, wie zum Beispiel mehr Carbon in der Karosserie wie beim BMW i3, verstärken den Effekt der besseren Akkus und sorgen für weitere Kilometer, die mit einer "Tankfüllung" gefahren werden können.

2. Mehr Ladestationen für E-AutosTesla macht es vor, wie ein Ladestationennetz aussehen kann, um Reichweitensorgen zu begegnen. Unternehmenschef Musk erklärte jüngst, dass dieses Netz schnell verdreifacht werden soll, auf rund 200 Stationen in ganz Nordamerika.

Doch nicht nur für Wagen der Edelmarke Tesla sollen bald mehr Stromtankstellen bereit stehen. Experten von IBM schätzen, dass sich die Anzahl der Tankstellen für Stromer von heute rund 135 000 weltweit auf 10,7 Millionen bis 2020 vergrößern wird. Am meisten Zuwächs wird es danach in den USA, China, Japan und auch in Deutschland geben.

Eine Möglichkeit, wie solch ein Ladestationennetz auch unabhängig von einem Hersteller etabliert werden kann, zeigt der kleine baltische Staat Estland. Über das Land verteilt wurden 165 Schnellladestationen aufgestellt, sodass zwischen den einzelnen Stationen jeweils höchstens eine Distanz von 60 Kilometern besteht. Das lässt sich mit jedem Stromer bewältigen.

3. Gegenseitige NutzungsrechteWährend nur Teslafahrer das eigene "Tankstellennetz" nutzen dürfen, kann in Estland jeder Besitzer eines Stromers seinen Wagen laden. Gerade eine Kooperation zwischen Autoherstellern, Betreibern von Ladestationen und Regierungsprogrammen dürfte dafür sorgen, dass die Reichweitensorge abnimmt.

Es gibt bereits Pläne, wie dieses "universelle Nutzungsrecht" umgesetzt werden soll. So koordiniert die Initiative Collaboratev in den USA die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ladestationenbetreiber ECOtality and ChargePoint. Hier kann man die Stationen beider Unternehmen nutzen und mit einem gemeinsamen Abrechnungssystem wird die Bezahlung vereinfacht.

Und wie sieht es in Europa aus? Hier hat die Europäische Union (EU) im Januar bekannt gegeben, einen Standardstecker für Stromer einsetzen zu wollen. Der Type 2 Stecker der deutschen Firma Mennekes soll dafür sorgen, dass sich Elektroautos in ganz Europa einheitlich an die Ladestation anschließen lassen. Damit hofft man bei der EU den Fahrern von Stromern eine größere Auswahl an Ladestationen bieten zu können.

4. Batterien tauschen statt aufladenDoch wieso braucht man Stecker, wenn man einfach die Batterie austauschen könnte?

Das ginge schneller und das Auto hätte schnell wieder die volle Reichweite. Problem an dem Vorschlag: Die Hersteller haben unterschiedliche Batterien und Systeme, wie man diese wechseln kann. Das macht den Vorgang teuer und umständlich, außerdem ist eine Lagerung frisch geladener Batterien unterschiedlicher Typen an der Austauschstation extrem kostspielig. Das musste auch das Unternehmen Better Place feststellen, die mit seinem Ansatz des Batterietauschens gescheitert ist und jüngst Insolvenz anmelden musste.

Bei Tesla ist man hingegen optimistisch, dass diese Variante des Nachladens Zukunft hat. Firmengründer Musk präsentierte erst jüngst, wie sein Model S innerhalb kürzester Zeit mit einem neuen Akkupack ausgerüstet wird.

5. LadetrucksIn Seattle ist sogar die Ladestation mobil. Hier versorgt ein spezieller Truck liegengebliebene Stromer mit genug Saft, um an eine der öffentlichen Ladestationen zu fahren. Damit wurde in der Stadt im US-Bundesstaat Washington sozusagen ein Pannendienst für Stromer ins Leben gerufen. Ein Zeichen, dass die Elektroautos immer stärker im Alltagsverkehr ankommen?

6. Das Handy als FahrhilfeMittels Apps helfen Smartphones mittlerweile dem Fahrer bei der Suche nach dem nächsten Ladepunkt. Außerdem zeigen sie, wie weit man noch fahren kann und wo die optimale Route liegt. Bei Nissans Elektroauto Leaf ist solch ein IT-System bereits verbaut und klärt den Fahrer auf dem Armaturenbrett auf.

7. Benziner für längere StreckenEin interessanter Ansatz: Obwohl die meisten Menschen im Alltag Strecken fahren, die kürzer als 100 Kilometer sind, gibt es auch Zeiten, wie den Urlaub, in denen größere Reichweiten gebraucht werden. Bei BMW und Audi wird derzeit erprobt, ob es sinnvoll ist, den Besitzern von E-Autos für diese Tage einen mit Flüßigtreibstoff betriebenen Wagen zur Verfügung zu stellen.

Diese Wagen seien eine "Ausweichlösung für den Fall, dass man ein Elektroauto kauft aber dann 500 Meilen fahren muss", wie es beim BMW-Vorstand heißt. Im Alltag Stromer, für Ausnahmefälle den Benziner - so könnte man den Ansatz zusammenfassen.

8. Aufladen "on-the-go"Wie wäre es, wenn das Elektroauto quasi "im Vorbeifahren" geladen werden könnte? Das ist technisch möglich und wird derzeit in Korea erprobt. Mittels Induktion, also Ladung durch ein elektromagnetisches Feld, können die Akkus mit frischem Strom versorgt werden. Das Schöne an dem Konzept ist, dass es ohne jeglichen Kontakt zwischen Akku und Ladeeinheit funktioniert, damit also herstellerunabhängig ist.

Beim Weltwirtschaftsforum erklärte man diese Technik zu einer der vielversprechendsten für das Jahr 2013. In Berlin wird aktuell im Rahmen eines Schaufensterprojektes erprobt, wie sich Busse durch diese neuartige Technik aufladen lassen und wie alltagstauglich das Ganze ist.

9. Eine Kombination der Techniken ist der SchlüsselDie hier vorgestellten Ideen haben alle große Vorteile, sind jedoch zum Teil mit großen Kosten sowohl in Entwicklung als auch der Koordination verbunden. Eine Kombination und gemeinsamer Aufbau der unterschiedlichen Techniken könnte dafür sorgen, dass Elektroautos sich in Zukunft schneller, günstiger und an mehr Stationen laden lassen. Und auch die Reichweite sollte steigen. Damit könnte die Sorge um leere Akkus bald passé sein.

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