Elektroautos: Schaffen sie den Durchbruch in den Firmenflotten?

Elektroautos: Schaffen sie den Durchbruch in den Firmenflotten?

von Felix Ehrenfried

Der Verkauf von Stromern dümpelt vor sich hin. In Firmenflotten dagegen könnten sie schon bald Erfolge feiern.

Mit der E-Mobilität geht es in Deutschland schleppend voran. Die Batterieleistungen sind schwach und ermöglichen nur geringe Reichweiten, die Anschaffungskosten, selbst für kleine Stromer, sind hoch. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Millionen Elektrofahrzeuge auf den Straßen zu haben, scheint in weiter Ferne, wie auch eine aktuelle Studie feststellt.

Deshalb hat auch die Bundesregierung inzwischen erkannt, dass die Stromer mehr Förderung brauchen. So hat sie kürzlich die steuerliche Benachteiligung von E-Autos in Firmenflotten abgemildert, die wegen der hohen Anschaffungspreise entstand.

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WiWo Green sprach aus diesem Anlass mit Gerhard Fischer - Vorstand der LeaseTrend AG, die eine Fahrzeugflotte von rund 15.000 Autos an Mittelständler verleast - über die aktuelle Situation am Markt für Geschäftswagen und darüber, wie Unternehmensflotten der E-Mobilität zum Durchbruch verhelfen können.

Herr Fischer, Sie behaupten, dass sich Unternehmensflotten in einem Wandel befinden, haben in ihrer eigenen Flotte von rund 15 000 Fahrzeugen aber nur einen einzigen Wagen, der ausschließlich mit Strom fährt.

Gerhard Fischer: Das Problem mit den Stromern ist, dass ihr Preis-Leistungsverhältnis einfach nicht stimmt. Sie sind zu teuer für das, was sie leisten. Das sieht man ja auch an den Zulassungszahlen. Monatlich werden rund 250 000 Fahrzeuge zugelassen, Elektroautos machen davon vielleicht einige hundert aus. Wieso sollte das bei Unternehmensflotten anders sein?

Und wo findet der Wandel nun tatsächlich statt?

Gerhard Fischer: Seit ein bis zwei Jahren bemerken wir in den Flotten einen Trend zum Downsizing, einen Trend zu kleineren Wagen. In einer aktuellen Studie, die wir unter 100 Flottenmanagern durchgeführt haben (hier als PDF), erklärten mehr als die Hälfte der Befragten, dass sie in Zukunft viel mehr kleinere Autos in den Unternehmensflotten sehen. Die Kunden achten heute mehr auf den Benzinverbrauch als früher und setzen deshalb eher auf Fahrzeuge mit kleinerem Motor. Mittlerweile werden Klein- und Mittelklassewagen wesentlich stärker nachgefragt als Fahrzeuge der Oberklasse.

Also ist vor allem der Spritpreis ein entscheidender Faktor, wenn es um die Anschaffung neuer Wagen geht?

Fischer: So einfach ist das nicht. Bei der Neuanschaffung von Firmenwagen geht es vor allem darum, das individuelle Mobilitätsbedürfnis der Unternehmen zu befriedigen. Jedoch merken wir schon, dass umweltbezogene Aspekte die Fahrzeugkosten immer stärker beeinflussen.

Stromer sind ökologischer als klassische Autos mit Ottomotor. Was müsste sich denn ändern, damit mehr Elektrofahrzeuge den Weg in die Unternehmensflotten schaffen?

Fischer: Dazu müssen zwei Dinge geschehen: Zum einen müssen die Hersteller mehr über ihre Elektrofahrzeuge aufklären, was diese können und wo die Vorteile liegen. Außerdem müssten sie auch das Angebot verbessern und Stromer attraktiver machen, indem sie leistungsfähiger werden. Zum anderen denke ich aber auch, dass die Politik entschlossener handeln muss. Ich glaube, dass es ohne eine Förderung von Seiten der Politik nicht geht. Solange das Preis-Leistungsverhältnis nicht stimmt, werden es alternativ angetriebene Fahrzeuge sehr schwer haben, hierzulande Fuß zu fassen.

Und wann stimmt das Preis-Leistungsverhältnis?

Fischer: Wenn sie heute ein Elektroauto kaufen wollen, landen sie selbst bei einem Kleinwagen mit E-Antrieb in Preisklassen um die 40 000 Euro. Das kann man sich einfach nicht leisten. Es muss irgendwann mal so sein, dass man die Auswahl hat zwischen einem Wagen, der mit Strom betrieben wird, einem mit Gasantrieb und einem Fahrzeug mit klassischem Ottomotor und diese ähnlich teuer sind.

Ist dieser Wunsch nicht utopisch?

Fischer: Wenn man heute die Autohersteller sieht, stellt man fest, dass diese die Elektromobilität ernst nehmen. Vor einigen Jahren war das anders. Und auch Kommunen überlegen sich zunehmend, vielleicht doch mal eine Elektrotankstelle zu installieren. Das zeigt mir: Es bewegt sich etwas.

Könnten sich die Stromer eher in Firmenflotten als bei Privatpersonen durchsetzen? 

Fischer: Ich denke schon. Bei einer Fahrzeugflotte kann man sagen: Wir nutzen diesen Wagen jetzt nur für Fahrten in der Stadt mit dementsprechend kurzen Strecken. Da gibt es das Reichweitenproblem nicht. Daher glaube ich, dass sich E-Cars dort viel schneller etablieren lassen als bei Privatpersonen.

Rentiert sich ein Elektrofahrzeug in einer Firmenflotte nicht schneller, da es dort relativ viel gefahren wird und die Betriebskosten, also Strom, im Gegensatz zu Benzin sehr günstig sind?

Gerhard Fischer: Laut dem Magazin Auto, Motor und Sport kam der Smart Fortwo ED (Electric Drive, Anm. d. Red.) bei einem Test unter harten winterlichen Bedingungen mit einer Batterieladung rund 100 Kilometer weit. Dabei beliefen sich die Energiekosten auf 4,48 Euro – und lagen damit nur unwesentlich unter denen der herkömmlichen Diesel-Modelle. Dass sich solch ein Wagen gegenüber klassischen Autos mit Verbrennungsmotoren also durch günstigere Betriebskosten irgendwann rentiert, ist nahezu ausgeschlossen. Dennoch: Wenn die Preise für Elektroautos fallen, könnten sie für gewisse Strecken in Unternehmensflotten durchaus Sinn ergeben.

Also könnte der Firmenwagen eine Art "Königsweg" für mehr Stromer auf deutschen Straßen sein?

Fischer: Mit Sicherheit. Jedoch darf man gerade in Deutschland, dem Land der Autobauer nicht vergessen: Der eigene Wagen ist ein sehr emotionales Thema, die Leute sind damit sehr verbunden. Da spielt manchmal die Sonderausstattung und die Wagenfarbe eine größere Rolle als das, was aus dem Auspuff herauskommt. Bevor sich hier nichts geändert hat wird es auch schwer, neue Fahrzeugkonzepte wirklich durchzusetzen.

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