Elektroautos: Wie das Millionenziel doch noch zu knacken ist

Elektroautos: Wie das Millionenziel doch noch zu knacken ist

von Jürgen Klöckner

Die meisten öffentlichen Fahrzeuge ließen sich elektrifizieren. Damit wäre das Millionenziel der Regierung geknackt.

Bis 2020 sollen eine Millionen E-Autos auf deutschen Straßen fahren, so will es die Bundesregierung. Bis heute sind es aber nicht einmal 10.000, also weniger als ein Prozent. Dennoch ist die Millionen-Marke noch machbar - und zwar alleine schon dann, wenn Kommunen, Länder und Bund auf Elektroautos umsteigen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungsunternehmens ÖPP Deutschland, die diese Woche veröffentlicht wird und Wiwo Green exklusiv vorliegt. Bis zu 80 Prozent der öffentlichen Flotte ließe sich durch Elektroautos ersetzen. Dazu zählen etwa zwei Millionen PKWs und eine Millionen Nutzfahrzeuge wie Mülltransporter und Schneepflüge.

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„Öffentlichen Auftraggebern kann als Marktnachfragern einen Schlüsselposition für den künftigen Erfolg von Elektromobiltät zukommen“, heißt es in der Studie. Läge sie richtig, würden alleine unter öffentlicher Fahne bis zu 2,4 Millionen Elektroautos durch deutsche Straßen fahren. Das Millionenziel wäre dann gleich doppelt geknackt.

Das Potential ist also riesig - doch noch sind die Hürden denkbar hoch. E-Autos kosten vergleichsweise mehr, Ladesäulen sind kaum vorhanden und viele Städte leiden unter prekären Haushalten. Die Studie befragte deswegen Automobilhersteller, Kommunen, Stadtwerke und Anbieter von Ladestationen, unter welchen Voraussetzungen sie tatsächlich umrüsten würden. Daraus entwickelten die Autoren ein Partnerschaftsmodell  (Private Public Partnership).

Wie das aussehen könnte, lässt sich derzeit in Dortmund beobachten. Noch tankt dort, wie vielerorts, ein Großteil der Flotte konventionellen Kraftstoff. Ein vergleichsweiser kleiner Teil fährt allerdings elektrisch, darunter zehn Autos und ebenso viele Pedelecs. Dafür kooperiert die Stadt mit dem lokalen Energieversorger RWE.

Denn so einfach umstellen kann man einen städtischen Fuhrpark nicht. Ein Knackpunkt ist ein dichtes Netz an Ladesäulen. Für den kleinen E-Fuhrpark in Dortmund stellte man alleine fast 60 Ladepunkte auf, darunter auch Schnellladestationen.

Riesiges E-InfrastrukturprogrammWürden Kommunen tatsächlich auf Stromer umstellen, wäre das ein riesiges Investitionsprogramm in die E-Infrastruktur, von dem auch private Autofahrer profitieren würden. Die Mehrheit der Befragten gab an, Ladesäulen auch für private Autofahrer freizugeben - beispielsweise in Parkhäusern oder auf Parkplätzen.

Doch wo soll das Geld dafür herkommen? Elektroautos kosten immer noch mehr als Autos mit herkömmlichen Antrieben. Das schmerzt besonders dann, wenn die Finanzen knapp sind. Wieso sollte eine Stadt vergleichsweise teure Elektroautos fahren, wenn das Geld bei Schulen, Kindergärten und Straßen fehlt?  

Ohne Hilfe von Bund und Ländern, heißt es in der Studie, sei die Umstellung deswegen nicht zu machen. Ein Großteil der Befragten nannte eine sogenannte Deltapreisförderung als Voraussetzung, dass man überhaupt auf Stromer umstelle. So soll der höhere Preis für Elektroautos durch Fördermittel ausgeglichen werden - nur so lange natürlich, wie sie tatsächlich teurer sind.

Das klingt nach Staatswirtschaft. Nach dem Motto: Wenn es die E-Autos nicht alleine zum Durchbruch schaffen, muss von oben eben nachgeholfen werden. Doch städtische Flottenmanager müssen sich nach Jahresabständen ohnehin die Frage stellen, wie sie ihren Fuhrpark erneuern. Die meisten PKWs sind geleast - also quasi gemietet. Solche Verträge laufen in der Regel nach wenigen Jahren aus, danach kann ein neuer Wagen her. Und wieso soll der nicht elektrisch laufen?

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