Elektroautos: "Wir brauchen mehr Ladesäulen"

Elektroautos: "Wir brauchen mehr Ladesäulen"

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Heinz-Harald Frentzen und Jutta Kleinschmidt beim Finale der E-Cross Germany. (Foto: Rudolf Wichert Fotografie)

von Lothar Kuhn

Früher siegten sie mit Benzinboliden auf Offroad-Pisten, holten Formel-1-Pokale – heute begeistern sich die Ex-Rennfahrer Jutta Kleinschmidt und Heinz-Harald Frentzen für E-Fahrzeuge. Damit Rennpisten und Alltagsverkehr emissionsfrei werden, fordern sie ein Umdenken von Kunden und Politik.

Vor kurzem kurvten Jutta Kleinschmidt und Heinz-Harald Frentzen gemeinsam in einem Model X von Tesla durchs Bergische Land und das Rheinland rund um Düsseldorf. Kleinschmidt ist die erste und bisher einige Frau, die die Dakar-Rallye gewonnen hat; Frentzen wurde 1997 Vizeweltmeister in der Formel 1. Beide bildeten nun eines von rund 60 Teams der E-Cross Germany, der nationalen Rallye für Elektrofahrzeuge. Am Rande der eher informativen als sportlichen Wettfahrt beantworteten sie Fragen von Wiwo Green.

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Frau Kleinschmidt, Herr Frentzen, eine Rallye-Fahrerin und ein Formel-1-Pilot in einem Auto – kann das gut gehen?

Kleinschmidt: Wir haben eine schöne Arbeitsteilung, der Formel-1-Pilot durfte natürlich fahren (lacht). Ich habe navigiert, das habe ich ganz gut gelernt, als ich noch Motorradrennen fuhr. Und so schwierig war es ja bisher auch nicht.

Frentzen: Wir waren schnell eingespielt, wie ein altes Ehepaar (grinst), Jutta hat gesagt, wo es langgeht und das habe ich dann brav gemacht. Das muss ja auch gelernt sein.

Und Sie haben nichts vermisst: kein Motorendröhnen, keine Vibrationen, immer nur defensiv fahren, um den Akku zu schonen?

Frentzen: Es geht hier ja nicht um Speed, auch wenn der Tesla durchaus Tempo 250 auf der Autobahn schafft…

Kleinschmidt: …sondern darum eine schöne Zeit zu haben, die Menschen zu informieren und für die Elektromobilität zu werben.

Halten sie es für möglich, dass eine echte Rennen wie die Dakar-Rallye einmal mit Elektroautos ausgetragen wird?

Kleinschmidt: Diskutiert wird darüber schon länger. Aber noch ist die Reichweite der Fahrzeuge ein Problem. Ein erster Schritt wäre sicherlich, wie in der Formel 1 mit Hybridantrieben zu arbeiten, die Verbrennungs- und Elektromotor kombinieren. Und ein Team hat bereits versucht, ein E-Auto für Rallyes zu bauen. Es ist aber noch chancenlos. Würden die Organisatoren der Rennen allerdings das Reglement anpassen, könnten auch Elektrofahrzeuge mithalten. Die Etappen der Dakar-Rallye sind heute schon kürzer als früher. Und wenn auf halber Strecke ein Stopp fürs Schnellladen eingerichtet würde, sähe die Sache schon anders aus. Aber da ist noch einiges an Überzeugungsarbeit nötig.

Herr Frentzen, wird die Formula E mit ihrem elektrischen Rennzirkus einmal beliebter werden als die Formel 1?

Frentzen: Bis dahin ist noch ein langer Weg, aber wenn Bernie Eccelston, der Kopf hinter der Formel 1, einmal nicht mehr das Sagen hat, werden andere kommen. Vielleicht bewegt sich dann etwas. Noch spricht die Formula E ein ganz anderes Publikum an. Und die wahren Petrolheads, die eingefleischten Fans, können sich nur sehr schwer mit Elektrorennern identifizieren.

Kleinschmidt: Für die Rennfahrer ist das viel weniger ein Problem. Es gibt viele ehemalige Formel-1-Piloten in der Formula E.

Frentzen: Das Grundprinzip ist ja nun einmal dasselbe: mit vier Rädern möglichst schnell zu fahren. Gas, Bremse, Lenkrad – mehr braucht es nicht.

Herr Frentzen, Sie fahren auch privat Elektroautos. Wann sind sie umgestiegen?

Frentzen: Wir sind eine Familie mit drei Kindern, oft fährt bei uns im Wagen noch ein weiteres Kind mit. Als ich dann – übrigens bei einem Test für die WirtschaftsWoche – gesehen habe, dass es im Model S von Tesla noch eine dritte Sitzbank gibt, war ich begeistert. Es ist für uns das ideale Familienauto. Seitdem fahre ich E-Autos. Auch weil für mich als Technikenthusiast, Elektromobilität ein Teil eines neuen Lebensstil ist. Als wir vor fünf Jahren zurück nach Deutschland kamen, wollte ich uns ein Haus bauen, das sich per Solarenergie komplett selbst mit Strom versorgt. Also haben wir uns reichlich Solarzellen aufs Dach und Speicherakkus in den Keller gepackt, um den Solarstrom auch nachts nutzen können. Und um dann die Elektroautos zu laden, mit denen wir ja meist tagsüber unterwegs sind. Wir leben mittlerweile in dem Haus und es funktioniert alles so, wie ich es konzipiert habe – mit Technik, die es heute bereits auf dem Markt gibt. E-Autos sind dabei für uns ein weiterer wichtiger Baustein für ein energieautarkes Leben.

Frau Kleinschmidt, steht bei Ihnen ein E-Auto in der Garage?

Kleinschmidt: Nein, weil ich privat kein eigenes Auto benötige. Ich bin so viel unterwegs, dass ich ein Fahrzeug miete, wenn ich eins brauche. Und zuhause in Monaco fahre ich Fahrrad, damit komme ich viel besser voran. Allerdings überlege ich mir gerade, ein E-Mountainbike anzuschaffen, um meinen Aktionsradius zu erweitern.

Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit sich die Elektromobilität auf breiter Front durchsetzt?

Frentzen: Seit wir wieder in Deutschland leben, ist mir klar geworden: Die Deutschen werden E-Autos erst kaufen, wenn sie von der Technik überzeugt sind und die Fahrzeuge ähnlich viel kosten wie vergleichbare Verbrenner. Ein deutscher Kunde ist immer vorsichtig und hinterfragend. Sie müssen ihm auch bei den Elektroautos etwas Bezahlbares und Ausgereiftes bieten.

Kleinschmidt: Die Menschen müssen mehr Gelegenheit bekommen, E-Autos ausprobieren zu können. Schauen sie Heinz-Harald und mich an: Als wir zum ersten Mal ein Elektrofahrzeug gefahren haben, waren wir begeistert. Klar, der höhere Anschaffungspreis schreckt noch viele. Aber auf der anderen Seite sind die Unterhaltskosten deutlich günstiger. Sie müssen nie wieder Öl wechseln, es geht weniger kaputt und auch der Verschleiß der Bremsen ist geringer. Der Strom ist auch günstiger im Vergleich zum Sprit, bei manchen Geschäften und Autoherstellern können sie mittlerweile sogar umsonst laden.

Was ist ihre Forderung an Politik oder Unternehmen, was sollten sie tun?

Kleinschmidt: Wir brauchen dringend eine bessere Ladeinfrastruktur, da muss der Staat investieren.

Frentzen: Das stimmt. Und die Entwicklung von Technologien sollte gefördert werden, um das Laden effizienter und bequemer zu machen, etwa durch berührungsloses, induktives Laden. Damit der ganze Kabelsalat ein Ende hat. Aber auch das Abrechnen des geladenen Stroms muss einfacher werden, durch Apps oder andere Lösungen per Smartphone.

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