Elektromobilität: Alte Smart-Batterien werden zu Stromspeicher

Elektromobilität: Alte Smart-Batterien werden zu Stromspeicher

von Angela Schmid

Alte E-Auto-Batterien landen oft auf dem Müll. Daimler will aus den Systemen nun einen Stromspeicher bauen.

Elektroautos gelten zwar als klimafreundlich. Doch nach dem Gebrauch landen die Lithium-Ionen-Akkus auf dem Müll, auch weil Recycling bislang noch keine wirtschaftliche Alternative ist. Damit gehen nicht nur seltene und teure Rohstoffe verloren, sondern auch Leistung: Die Batteriesysteme wären auch nach ihrem Gebrauch in einem E-Auto noch voll einsatzfähig, sie sind aufgrund ihrer geringeren Reichweite nur für den Autofahrer nicht mehr attraktiv.

Daimler will den ausgedienten Batterien seines Smart-Modells nun ein zweites Leben schenken: Unter dem Motto „Elektromobilität zu Ende gedacht“ wird der Autokonzern gemeinsam mit dem Spezialisten The Mobility House, dem Stromdienstleister Getec und dem Entsorgungsunternehmen Remondis aus den alten Batterien einen Stromspeicher bauen. Im kommenden Jahr wollen die Unternehmen den größten Second-Use-Batteriespeicher der Welt in Lünen in Westfalen aufstellen.

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Zehn Jahre als E-Auto, zehn Jahre als Stromspeicher?Die Systeme aus den Smart-Modellen bündeln die vier Partner zu einem Stationärspeicher mit einer Kapazität von insgesamt 13 Megawattstunden. Dies soll die Umweltbilanz von Elektrofahrzeugen steigern und einen Beitrag zur Wirtschaftlichkeit der E-Mobilität liefern.

Der Stromspeicher löst aber nicht nur das Müllproblem der Batterien, sondern auch ein Problem der Energiewende: Er dient zur Stabilisierung der Stromnetze, die aufgrund der ständig zunehmenden Einspeisung durch Wind- oder Solarkraft schwanken. Das allerdings schadet der Stabilität der Netze, die kontinuierlich 50 Hertz brauchen. Der Strom soll am deutschen Primärregelenergiemarkt vermarktet werden.

Daimler sichert seinen E-Fahrzeugkunden je nach Modell eine Batterieleistung von bis zu zehn Jahren zu. Für den stationären Speicher ist ein wirtschaftlicher Betrieb nach Schätzung des Autokonzerns aber noch mindestens zehn weitere Jahre möglich.

Je länger die Nutzung, desto schneller die AlterungWie lange die Batterien aus zweiter Hand tatsächlich genutzt werden können, weiß niemand genau. Bisher gibt es lediglich Schätzungen. Der Alterungsprozess von Lithium-Ionen-Zellen verläuft nicht linear, sondern beschleunigt sich mit zunehmender Betriebsdauer. Abhängig ist dies auch von Nutzungsintensität, Alter und klimatischen Bedingungen.

Offen ist auch, ob es sinnvoller ist, schwache Batterien zu schonen oder diese während des Betriebs auszuwechseln. Diese Unklarheiten zu beantworten, ist ein Gegenstand des fünfjährigen Pilotprojektes.

Stromspeicher gelten als Kernelement der Energiewende. Sie können Solarstrom am Tag aufnehmen und nachts abgeben – oder Windstrom für die Flaute sichern. So helfen sie dabei, das oft schwankende Angebot der erneuerbaren Energien besser ins Stromnetz zu integrieren.

Auch Bosch, BMW und Vattenfall arbeiten an SpeicherAuch die Elektromobilität kann davon profitieren, etwa wenn die Fahrzeuge nachts mit Solarstrom geladen werden. Zudem kann ein Speicher seine Energie schnell abgeben, um damit Stromnetze zu stabilisieren – etwa als Teil eines sogenannten Virtuellen Kraftwerks.

Die Idee, ausgediente Batterien zu verwerten, hatten auch schon Bosch, BMW und Vattenfall. In der Hafencity in Hamburg werden derzeit 100 Batteriemodule zu einem stationären Speicher verschaltet. Mit einer Leistung von zwei Megawatt und einer installierten Kapazität von 1,6 Megawattstunden kann der Speicher rein rechnerisch 30 Vier-Personen-Haushalte für sieben Tage mit Strom versorgen.

 

 

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