Elektromobilität: In China entsteht größtes Schnellladenetz der Welt

Elektromobilität: In China entsteht größtes Schnellladenetz der Welt

von Pascal Moser

Gleichzeitig mit der Markteinführung des Elektroautos Denza will China sein Netz an Ladestationen massiv ausbauen.

In China ist alles etwas größer. Während Deutschland das Ziel verfolgt, bis 2020 eine Millionen Elektroautos auf den Straßen zu haben, will die Nation in Fernost bis dahin fünf Millionen Stromer schaffen. Die meisten von ihnen sollen am besten im Land selbst hergestellt werden. Einen Anfang macht in diesem Frühjahr der Denza, ein neues Premium-Elektrofahrzeug.

Gebaut wird es von einem Gemeinschaftsunternehmen bestehend aus dem chinesischen Elektroautobauer BYD und Daimler. Auf der Pekinger Autoshow soll im April 2014 das erste Modell, der Denza NEV (New Energy Vehicle), vorgestellt werden. Ab Sommer werden in Peking, Shanghai und Shenzhen die ersten Händler das Auto verkaufen. Der Denza basiert auf der B-Klasse von Mercedes und soll mit einer vollen Batterie mehr als 200 Kilometer weit fahren können.

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Nun ist das nichts Besonderes, könnte man denken, denn E-Autos hat heute fast jeder Hersteller im Angebot. Interessant wird die Sache dadurch, dass BYD und Daimler jetzt eine Partnerschaft mit dem Schweizer Energie- und Automationskonzern ABB eingegangen sind. Mit einem flächendeckenden Netz von Schnellladestationen will ABB zeitgleich zur Markteinführung des Denza dem Auto und der Elektromobilität allgemein in China auf die Sprünge helfen.

Denn ABB will über die nächsten sechs Jahre Gleichstrom-Schnelllader zusammen mit den Denza-Autos an Privatpersonen verkaufen. Außerdem werden öffentliche Stromtankstellen errichtet. Bis Ende nächsten Jahres sollen im ganzen Land schon 2000 Ladestationen verfügbar sein. Wie viel davon ABB baut, gibt das Unternehmen nicht bekannt. China soll aber mit der Hilfe von ABB schon bald das größte Schnellladenetz der Welt haben.

Noch sieht es beim Thema Ladestationen düster aus im Reich der Mitte. Bisher existieren gerade einmal knapp 300 öffentliche Steckdosen für E-Autos, wie eine Studie der auf Asien spezialisierten Beratungsfirma Solidiance aus dem vergangenen Jahr zeigt (Studie als PDF). Auch die Verkäufe von Elektroautos hinken den Erwartungen hinterher.

Voller Akku in weniger als einer StundeABB-Chef Ulrich Spiesshofer ist aber zuversichtlich, dass sich dies mit seinen Ladestationen ändern wird: "Indem die Elektrofahrzeuge zusammen mit Schnellladegeräten verkauft werden, beseitigt der Denza ein zentrales Hindernis für potenzielle Käufer von Elektroautos" - nämlich lange Ladezeiten und zu wenige Ladestationen.

Während der Denza auch an konventionellen Stromanschlüssen aufladbar ist, soll der ABB-Schnelllader die Ladezeit von gegenwärtig fünf Stunden auf eine Stunde verringern. deutlich verringern.

Das Schnellladesystem wird dabei auch Innovationen zur Steigerung der Benutzerfreundlichkeit enthalten. So soll eine cloudbasierte App die Fernüberwachung und Fernsteuerung des Ladevorgangs ermöglichen.

China hat analog zum japanischen CHAdeMO-Standard einen eigenen entwickelt. Der sogenannte GBT soll als chinesischer Gleichstrom-Ladestandard technische Innovationen voranbringen, den Kunden Sicherheit geben und damit die Marktakzeptanz der E-Autos fördern.

Riesiger MarktChina ist inzwischen die größte Autofahrernation der Welt. Im Jahr 2013 wurden 15,2 Millionen Fahrzeuge verkauft. Gleichzeitig hat das Land noch immer ein enormes Wachstumspotential. So fallen auf 1000 Chinesen gerade mal 75 PKWs, während es in Deutschland 562 Fahrzeuge auf gleichviele Einwohner sind.

Das Land leidet aber bereits jetzt an smoggeplagten Städten und verfolgt deshalb seit 2009 einen ehrgeizigen Plan, um nachhaltige Mobilitätsformen zu fördern. Dazu sollte die Elektrofahrzeugindustrie massiv ausgebaut werden. Die Regierung hofft mit Elektromotoren den steigenden Ölbedarf des Landes wenigstens nicht weiter anzuheizen. Ein starker heimischer Absatzmarkt soll außerdem internationale Investoren und Knowhow anziehen und so China zu einem globalen Marktführer in der Elektrofahrzeugindustrie machen.

Inzwischen hat die Regierung viele Hersteller mit Anreizen und Steuerrabatten gefördert, um die Entwicklung von Elektroautos voranzutreiben. Kunden erhalten beim Kauf eines E-Autos einen Preisnachlass von bis zu 7200 Euro. Dennoch sind es bislang vor allem staatliche Taxis und Busse, die auf Watt im Tank setzen.

Privatkunden sind mit Elektrofahrzeugen noch wenig vertraut und fürchten die mangelnde öffentliche Infrastruktur zum Laden der Fahrzeuge. Bis ins Jahr 2015 sollte eigentlich eine halbe Million Elektrofahrzeuge verkauft werden, doch dürften laut der Beratungsfirma Solidiance nur etwa 70 Prozent davon erreicht werden.

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