Elektromobilitätsgesetz = 200.000 Stromer mehr auf deutschen Straßen

Tech: Elektromobilitätsgesetz = 200.000 Stromer mehr auf deutschen Straßen

von Felix Ehrenfried

Eine Unternehmensberatung hat den Effekt berechnet, den das neue E-Mobilitätsgesetz auf den Absatz von Stromern haben könnte.

Erst wenige Tage ist es her, dass das Kabinett ein neues Elektromobilitätsgesetz verabschiedet hat. Mit diesem Gesetz sollen Kommunen die Möglichkeit bekommen, Elektroautos mit besonderen Privilegien auszustatten, wie der Nutzung von Busspuren oder eigenen Parkplätzen für Stromer zum Beispiel.

Viele Kritiker tun die Vorgaben als Papiertiger ab. Aber das Gesetz, das im Frühjahr 2015 in Kraft treten soll, könnte tatsächlich die Verkaufszahlen von E-Autos in Deutschland stark ankurbeln, wie die Unternehmensberatung Kienbaum berechnet hat. In Summe könnte das Gesetz für den Verkauf von 200.000 zusätzlichen Elektroautos bis 2020 sorgen, glauben die Berater.

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Mit dem Verkaufsschub wären bis 2020 insgesamt rund 950.000 E-Autos hierzulande unterwegs. Damit wäre das Ziel der Bundesregierung fast erfüllt, bis dahin eine Million Stromer auf der Straße zu haben.

Ein Hauptgrund für den durch das Gesetz ausgelösten E-Auto-Boom sei die Nachfrage bei den Firmenwagen und gewerblichen Kunden, heißt es bei Kienbaum: "Sie werden mögliche Kosteneinsparungen schneller aufgreifen als die zunächst zurückhaltenden privaten Kunden."

Denn gerade Unternehmen dürften von den Zeiteinsparungen profitieren, die das neue Gesetz in Aussicht stellt. Statt im Verkehrsstau zu stehen und Zeit mit der Parkplatzsuche zu vergeuden, könnten E-Auto-Fahrer im Optimalfall auf der Busspur schnell vorankommen und ihren Wagen auf speziellen Parkplätzen abstellen.

Jedoch glaubt man bei Kienbaum auch, dass der Absatz von E-Autos mit weiteren Anreizen noch wesentlich stärker angekurbelt werden könnte. "Zum Beispiel wären Sonderabschreibungen für die Aufwendungen der Ladeinfrastruktur gerade für die noch zurückhaltenden Privatkunden eine attraktive Option“, heißt es. Wer sich also eine Ladestation in die Garage setzt, könnte damit Geld sparen.

In die Kienbaum-Analyse eingeflossen sind die Befragungen von rund 450 Branchenexperten aus den vergangenen Jahren, unter ihnen Zulieferer und Hersteller aus der Autobranche, aber auch Politiker und Wissenschaftler. Auch in ihren bisherigen Studien sehen die Analysten die Entwicklung der Elektromobilität eher positiv.

Interessanterweise glaubt man bei Kienbaum, dass eine direkte Subvention des Kaufs von E-Autos der falsche Weg sei. Dass interessierte Käufer mit einer staatlichen Prämie für die Elektromobilität gewonnen werden, ist in vielen Ländern wie den USA und Norwegen längst üblich.

Jedoch sei die Innovationskraft zahlreicher Unternehmen, die in der E-Mobilität eine Zukunft sehen, Triebfeder für den automobilen Wandel, glauben die Kienbaum-Analysten. Und gerade die hinge "nicht von einer kurzfristigen staatlichen Schröpfung der Steuerzahler und gleichzeitigen Subventionierung von Autokäufern und Automobilindustrie ab".

Bleibt also die Hoffnung auf das Gesetz. Ob es wirkt, entscheiden aber die Politiker vor Ort. Denn nutzen die Kommunen die Sonderrechte nicht, bleibt das Elektromobilitätsgesetz tatsächlich ein Papiertiger.

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