Elektroräder: Startups streiten um Fahrrad-Innovation

Elektroräder: Startups streiten um Fahrrad-Innovation

von Felix Ehrenfried

Vor einigen Wochen präsentierte ein US-Startup ein Hinterrad, das jedes Fahrrad in ein E-Bike verwandelt. Ist die Idee geklaut?

Als sich im Jahr 2009 Forscher, Staatsvertreter und andere Experten zur EU-Klimakonferenz in Kopenhagen trafen, stellte ein kleines Forscherteam aus den USA ein Nachrüstkit vor, mit dem aus jedem Fahrrad binnen kurzer Zeit ein waschechtes E-Bike werden soll. Copenhagen Wheel, so der Name des Produkts, das aus jedem Fahrrad binnen Minuten ein E-Bike machen soll.

Von der Technik ähnelt das Kit dabei dem Produkt des Startups FlyKy: Ein Hinterrad, das in der Mitte mit einem Motor ausgestattet ist, wird gegen das alte Hinterrad ausgetauscht. Neben dem Motor befinden sich in dem neuen Hinterrad die Steuerung des Antriebs, verschiedene Sensoren und ein Akku. Daneben weichen auch die weiteren Spezifikationen nicht weit von der Konkurrenz bei Flykly ab:

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Mithilfe des neuen Hinterrads sollen Strecken von bis zu 50 Kilometer möglich sein, bei denen der Fahrer bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern beim Treten unterstützt wird. Laden lässt sich der Akku zum einen konventionell über die Steckdose. Außerdem soll das Copenhagen Wheel beim Bremsen Energie zurückgewinnen, die den Akku lädt.

Muss das E-Bike zum Nachrüsten doch einmal an den konventionellen Strom, dauert einmal voll laden rund vier Stunden. Bis zu 1000 Ladezyklen soll der integrierte Akku aushalten.

Daneben kann der Radler den Antrieb per Smartphone steuern, Bluetooth macht es möglich. So lässt sich Grad der Trittunterstützung wählen und die passende App motiviert zum Fahrradfahren - Wer will kann die gefahrenen Kilometer automatisch in sozialen Netzwerken teilen.

Soweit die technischen Komponenten. Nach  Angaben von Superpedestrian, dem Unternehmen hinter dem Copenhagen Wheel stammt die Entwicklung des Rückrads aus dem Senselab City lab, eine Forschungseinrichtung des Massachusetts Institute of Technology (MIT), die sich mit dem Nutzen von Handys und anderen mobilen Geräten in den Städten der Zukunft befasst. Aktuell ist Assaf Biderman, Direktor des Senselab City lab, auch gleichzeitig CEO von Superpedestrian.

Spezifikationen ähnlich, Preise verschiedenOb bei FlyKly exakt zur gleichen Zeit mit der Entwicklung gestartet wurde, lässt sich schwer sagen. Ebenso ist unklar, ob eines der beiden Unternehmen vom anderen abgeschaut haben könnte. In  Internetforen wird allerdings bereits über möglichen Streit um die Patentrechte diskutiert. Die beiden Unternehmen halten sich bislang bedeckt.

Jedoch erklärte Bidermann, CEO von Superpedestrian gegenüber dem Boston Globe: Niko Klansek, Gründer von FlyKly, habe das MIT-Labor besucht und sich mit dem Team des Copenhagen Wheel unterhalten. "Anschließend verschwand er, erst später haben wir von seiner Kickstarterkampagne (Anm. der Red.: Die Kampagne zur Finanzierung des FlyKly) erfahren."

Bidermann sagte weiter: "Ich kann Ihnen mit Sicherheit sagen, dass diese Person zu uns kam und von unserem Rad inspiriert war." FlyKly-Gründer Klansek verneint jedoch, dass er im MIT "herumgeschnüffelt" oder sogar die Idee geklaut habe.

Ob es zu einem Streit vor Gericht um die "Neuerfindung des Rads" kommt, ist damit ungewiss. Jedoch hält Dave Hurst, Analyst des Marktforschungsinstitut Navigant Research eine gerichtliche Auseinandersetzung für unwahrscheinlich. "Ich bezweifel dass es hier zum Prozess kommen wird, einfach weil kein Geld dafür vorhanden ist", erklärt er gegenüber dem Boston Globe.

Mit dem Konzept eines intelligenten Rückrads mit Motor gehen dieses Jahr damit gleich zwei Unternehmen an den Markt. FlyKly und Superpedestrian werben mit ihren Nachrüstekits um die Gunst des Fahrradfahrers, der ohne viel Aufwand seinem Fahrrad einen Hilfsmotor spendieren will. Dabei variieren die zwei Unternehmen in den Spezifikation nicht stark, jedoch liegt der Preis von FlyKly rund 150 Euro unter dem des Copenhagen Wheel mit einem Preis von 799 US-Dollar (rund 589 Euro).

Kommt es nicht zu einer Auseinandersetzung vor Gericht, dürfte das Unternehmen einen Vorteil haben, das die Kunden zuerst beliefern kann. Ob das Nachrüstekit, egal ob FlyKly oder Copenhagen Wheel, allerdings für deutsche Radler überhaupt interessant werden könnte, ist fraglich. Zum einen ist bisher unklar, ob die Sets hierzulande für den Straßenverkehr überhaupt zugelassen sein werden.

Zum anderen raten viele Fahrradexperten: Nicht jedes Fahrrad lässt sich so einfach in ein E-Bike umwandeln. Die Belastungen für das Material könnten bei manch gewöhnlichem Rad zu stark sein. Deswegen raten sie einhellig den Gang zum Fahrradhändler, anstatt einfach selbst das Rückrad auszutauschen.

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