Energie: Bedroht der Bürgerkrieg im Irak Europas Ölversorgung?

Energie: Bedroht der Bürgerkrieg im Irak Europas Ölversorgung?

von Benjamin Reuter

Die Irak-Krise treibt den Ölpreis hoch. Stürzt das Land in einen langen Bürgerkrieg, könnten Lieferengpässe drohen.

Stündlich laufen neue Nachrichten über die Newsseiten im Netz, die Kämpfe der radikal-islamistischen Isis-Miliz (Sunniten) mit Regierungstruppen und Freiwilligenverbänden (Schiiten) im Irak vermelden. Bis kurz vor die Hauptstadt Bagdad soll Isis in den vergangenen Tagen vorgerückt sein und dabei auch Unterstützung von früheren Generälen des gestürzten Diktators Sadam Hussein bekommen haben.

Neben den Fragen, die das erneute Aufflammen der Gewalt im Irak für die internationale Sicherheit aufwirft, lohnt es sich auch, die möglichen Folgen für die globale Ölversorgung einen Moment lang zu betrachten.

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Erst Dienstag Mittag (17.6.) gingen Meldungen um die Welt, dass Iraks größte Rafinerie in Baidschi 200 Kilometer nördlich von Bagdad geschlossen wurde, weil sie Rebellen umstellten.

Schon Anfang der Woche schoss der Ölpreis auf ein Hoch von 113 Dollar für ein Barrel, wegen der Krise im Irak. Beruhigt haben sich die Märkte erst, als US-Präsident Barack Obama ein Eingreifen in den Konflikt nicht mehr ausgeschlossen hatte.

Bisher ist die Ölproduktion im Irak durch den Gewaltausbruch nicht beeinträchtigt. Ein Großteil der Produktion findet sich im bisher friedlichen Süden und im kurdischen Norden des Landes. Und dennoch: Als zweitgrößter Ölproduzent der OPEC-Staaten kommt dem Irak mit derzeit mehr als 3,3 Millionen Barrel pro Tag eine zentrale Bedeutung in der Ölversorgung der Welt zu.

Auch für Europa wichtiger LieferantIm Jahr 2013 hatte das Land einen Anteil von rund vier Prozent an der weltweiten Ölproduktion. Rund 400.000 Barrel pro Tag exportiert es nach Europa (alle Zahlen zum Irak gibt es in diesem Factsheet der Internationalen Energieagentur IEA als PDF). Zum Vergleich: Der Verbrauch Deutschlands lag 2012 bei rund 2,3 Millionen Barrel.

Schon einmal, während und in Folge des ersten Irakkrieges 1991, war die Ölproduktion des Landes eingebrochen:

Allerdings: Damals war die Situation eine andere. Das Öl sprudelte noch reichlicher als heute, die weltweite Nachfrage war geringer, China und Indien begannen gerade erst ihren kometenhaften Aufstieg. Ein ähnlicher Rückgang der Produktion wie nach 1990 wäre eine Katastrophe.

Schon jetzt hat Saudi Arabien Probleme, seine Produktion kurzfristig nennenswert auszuweiten, um Schwankungen auf dem Weltmarkt auszugleichen.

Und auch die USA, die mit ihrem Schieferölboom in den vergangenen Jahren alle Produktionsunterbrechungen durch internationale Krisen erfolgreich ausgeglichen hat, könnte kaum zu Hilfe eilen. Schon jetzt kommen die Unternehmen in den USA nicht mit dem Bohren neuer Ölbrunnen hinterher.

Irak sollte Wachstumsmotor der Opec werdenProblematischer wird die Situation noch, wenn man einen Blick in die Zukunft wirft. Genau das haben die Experten der IEA gerade in ihrem Medium-Term Oil Market Report getan. Das Problem: Viele Opec-Staaten im Nahen Osten haben wenig Möglichkeiten, ihre Produktion bis 2019 nennenswert zu erhöhen, in manchen Ländern wie Kuwait und Algerien sinkt die Produktion sogar.

Das größte Potenzial für einen Förderschub schreibt die IEA noch dem Irak zu. Rund 60 Prozent des Produktionswachstums der Opec-Länder bis 2019 sollen von dort kommen, an zweiter Stelle folgen die Vereinigten Arabischen Emirate und dann Angola und Venezuala. All diese Länder sind nicht gerade für ihre vorbildliche demokratische Entwicklung und politische Stabilität bekannt.

Gleichzeitig sieht die IEA die weltweite Nachfrage nach Erdöl immer weiter steigen: Von heute rund 93 Millionen Barrel pro Tag auf 99 Barrel.

Geht die Krise im Irak weiter und folgt ein langer und blutiger Bürgerkrieg wie in Syrien, dann stünde die Welt womöglich vor einem Problem. Der Ölpreis könnte weiter steigen, nachdem er sich in den vergangenen Monaten erst stabilisiert hatte. Ein Ausfall des Iraks als Ölförderland könnte Verbraucher also teuer zu stehen kommen.

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