Energie: Dieser Brite erzeugt Bio-Sprit aus altem Kaffeesatz

Energie: Dieser Brite erzeugt Bio-Sprit aus altem Kaffeesatz

von Sabrina Keßler

Aus Kaffeesatz lässt sich nicht nur die Zukunft vorhersagen, sondern auch Kraftstoff herstellen. Ein Londoner Unternehmen zeigt wie.

Coffee to go ist in aller Munde: Auf dem Weg zur Arbeit, in der Mittagspause oder nach einem stressigen Arbeitstag hetzen viele an die Theken von Starbucks, Coffee Fellows & Co. Experten schätzen, dass jedes Jahr rund 23 Milliarden Einwegbecher weltweit verkauft werden – ineinandergeschoben umrunden sie 57 Mal die Erde.

Aber die Becher sind nicht das einzige Überbleibsel: In jeder Maschine bleibt auch Kaffeesatz zurück. Den kann man zwar für DIY-Ideen benutzen, aber der Großteil wandert gleich in den Müll. Wenn es nach Arthur Kay geht, ist damit in Zukunft Schluss: Kay verwertet Londoner Kaffeepulverreste wieder. Und erzeugt damit Biokraftstoff.

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Neuer Kraftstoff dank Chemie„Da steckt unglaublich viel Energie drin“, sagt der 23-jährige Brite in einem Interview mit Bloomberg. „Gleichzeitig spart es eine Menge Treibhausgase.“ Würde man den gesamten Kaffeesatz, den die Londoner Kaffeetrinker jährlich produzieren – immerhin rund 200.000 Tonnen – in Energie umwandeln, würde man mehr als 729.000 Tonnen CO2 sparen. Und man könnte einen Bus nach Angaben des London Evening Standard mehr als 7.600 Mal um die Erde fahren.

Aus diesem Grund hat Kay "Bio-Bean" gegründet, ein Unternehmen, das sich ein einfaches Verfahren zu Nutze macht: Das im Kaffeesatz vorhandene Öl wird zuerst von den anderen Bestandteilen getrennt und dann in Diesel verwandelt. Ein chemisches Verfahren namens „Transesterification“, zu deutsch „Umesterung“. Erst letztes Jahr hat die englische Universtität Bath belegt, dass sich Kaffeereste hervorragend für die Produktion von Kraftstoffen eigenen.

Rund zwei Prozent des jährlich anfallenden Kaffeesatzes der Londonder Cafés verwandelt er so in Energie-Träger. Schon bald, so Kay, sollen es 40 Prozent sein. „Die Leute denken immer, wir würden mit unseren Fahrrädern oder kleinen Autos durch die Gegend fahren, um hier und da zehn Kilo Kaffeesatz abzuholen“, sagt Kay in einem Artikel des Guardian. „Dabei haben wir Großes vor.“

Verantwortliche zeigen sich begeistertKays Ziel ist ehrgeizig: Schon in den nächsten Jahren will er expandieren, nach Deutschland, Brasilien und in die USA. Irgendwann, so sein Plan, folge dann die ganze Welt. Mehr als drei Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 2,35 Millionen Euro, hat er bereits im letzten Jahr von Investoren bekommen. Selbst Bürgermeister Boris Johnson ist ein Fan: „Es ist toll, ein so hohes Maß an grüner Innovation zu sehen“, sagt Johnson. „Wir stehen 100 Prozent hinter der Idee.“

Auch die Betreiber des Londoner Schienennetzes sind fasziniert von der Idee, die Kaffeereste ihrer Bahnhofs-Cafés zu Biokraftstoffen und Pellets zu verarbeiten. Nach Testphasen an den Stationen Waterloo und Victoria soll nun auch der anfallende Kaffeesatz der Reisenden an den Stationen Euston, King’s Cross, Liverpool Street und Paddington gesammelt werden. Allein mit den hier anfallenden Kaffeeresten, rund 700 Tonnen, könnte Energie für 1.000 Häuser erzeugt werden.

Kaffee-Firmen sparen EntsorgungskostenBio Bean hilft jedoch nicht nur der Umwelt, sondern vor allem auch den Kaffeeketten selbst. Für die Entsorgung der Kaffeereste müssen die Unternehmen in Großbritannien teuer bezahlen: Anders als in Deutschland landet der Kaffeesatz nicht etwa im Bio-Müll, sondern auf der Deponie. Pro Tonne sind dafür im Schnitt rund 200 Euro fällig.

Die Londoner Kaffeeketten sind also nicht ohne Grund dankbare Spender. Für weiteres Wachstum aber braucht Kay die Großfabriken im Umland, schließlich produziert ein Starbucks-Laden seinen Berechnungen zufolge gerade mal 30 Kilogramm Kaffeesatz an Tag. Zu wenig, um damit als Unternehmen langfristig wachsen und Energie produzieren zu können.

Hätte er Erfolg, könnten schon bald die ersten Londoner Busse mit dem Bohnen-Kraftstoff über die Straßen rollen. Bürgermeister Johnson jedenfalls überlegt bereits, ob er einen Teil der rund 8700 städtischen Busse mit dem Kaffee-Diesel betankt. Auch Autos, Heizungen und Öfen könnten den Kraftstoff nutzen und die Umwelt entlasten - und dem Kaffeetrinker so ganz nebenbei ein gutes Gewissen bescheren.

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