Energie: Erdwärme soll Kohlestrom für L.A. ersetzen

Energie: Erdwärme soll Kohlestrom für L.A. ersetzen

von Wolfgang Kempkens

Los Angeles will bis 2025 ohne Kohlestrom auskommen - und viele fragen sich, wie die Stadt das schaffen will. Jetzt deutet es sich an: Mit Erdwärme aus der Wüste.

Die kalifornische 20-Millionen-Metropole Los Angeles wird noch in diesem Jahr einen Teil ihres Stroms aus einem Erdwärmekraftwerk beziehen. Das ist ein kleiner Schritt auf dem Weg zum Null-Kohlestrom-Ziel, das der örtliche Energie- und Wasserversorger LADWP für 2025 versprochen hat. Das geothemische Kraftwerk mit einer Leistung von 16 Megawatt wird gerade in Mineral County fertiggestellt.

Die Technik stammt von dem in Reno ansässigen Unternehmen Ormat Technologies, das vor allem in seinem Heimatstaat Nevada bereits eine Reihe solcher Anlagen gebaut hat. Insgesamt sind dort 20 Geothermiekraftwerke in Betrieb, die eine Gesamtleistung von rund 450 Megawatt erreichen.

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Das Besondere an der neuen Geothermieanlage mit dem lyrischen Namen Wild Rose: Sie produziert Strom zu einem beinahe konkurrenzfähigen Preis: LADWP zahlt pro Kilowattstunde umgerechnet rund 7,5 Eurocent - das ist beinahe so günstig wie Kohlestrom. Der Vertrag läuft über 20 Jahre. Los Angeles verbraucht pro Jahr mehr als 20 Milliarden Kilowattstunden. Die Hälfte davon liefern veraltete Kohlekraftwerke in Nevada, Utah und Arizona. Wild Rose ist da noch eine kleine Nummer: Die Anlage kann jährlich maximal 120 Millionen Kilowattstunden liefern.

Emissionsfreie Energie aus der TiefeDie Ormat-Kraftwerke basieren auf dem Organic-Rankine-Cycle-Prozess (ORC), der schon bei moderaten Temperaturen eine Stromerzeugung ermöglicht. Statt mit Wasser, das zum Verdampfen auf eine Temperatur von mindestens 100 Grad erhitzt werden muss, funktioniert der ORC-Prozess mit einer organischen Flüssigkeit, die bereits bei Temperaturen weit unter 100 Grad verdampft.

In beiden Fällen treibt der Dampf einen Turbogenerator zur Stromerzeugung an. Um die Wärmevorräte der Erde anzuzapfen, sind Bohrungen von einigen 100 bis mehr als 1000 Meter Tiefe nötig. Der Klima-Bonus: Emissionen gibt es bei diesen Kraftwerken nicht.

Derzeit baut Nevada eine neue Nord-Süd-Hochspannungsleitung, die nicht nur den Kohlestrom einiger neuer Kraftwerksblöcke mit besonders hohem Wirkungsgrad im Energiezentrum Ely in Richtung Las Vegas und Kalifornien transportieren soll. Die 500.000-Volt-Leitung wird in einer zweiten Baustufe nach Norden auf eine Länge von insgesamt 800 Kilometer kommen und erst im nördlichen Nachbarstaat Idaho enden. Idaho und der westlich davon gelegene Bundesstaat Wyoming intensivieren vor allem die Produktion von Windstrom. Die Übertragungskapazität der Leitung beträgt insgesamt 2000 Megawatt, das entspricht in etwa zwei Kernkraftwerken.

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