Energie-Experiment: Mexikanische Stadt setzt auf 100 Prozent Solarstrom

Energie-Experiment: Mexikanische Stadt setzt auf 100 Prozent Solarstrom

von Benjamin Reuter

Zwei Solarfelder sollen künftig die mehr als 200.000 Einwohner von La Paz in Mexiko mit Strom versorgen.

In Deutschland gibt es sie schon, die energieautarken Gemeinden und Dörfer. Eines davon ist Feldheim in Brandenburg, das sich dank eines großen Windparks vor den Toren und reichlich Energie aus Biomasse vom öffentlichen Stromnetz erfolgreich abgekoppelt hat. In Mexiko, genauer auf der Halbinsel Baja California, ist derzeit aber noch ein ambitionierteres Projekt im Gange.

In der Nähe der Stadt La Paz mit mehr als 200.000 Einwohnern soll demnächst ein Solarpark mit einer Leistung von 30 Megawatt entstehen. Geleitet wird das Projekt vom spanischen Unternehmen Grupotec. Zu dem Solarpark soll ein Speicher mit elf Megawatt Leistung hinzukommen (wie viel Kapazität die Batterie hat, hat das Unternehmen noch nicht bekanntgegeben). Die Kosten des Projekts sollen bei 80 Millionen Dollar liegen.

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Teurer Strom im InselnetzSchon jetzt liefert ein erster Solarpark mit 30 Megawatt Leistung, laut dem Projektierer Aura Solar der bisher größte in Lateinamerika, Strom für die Stadt. Die Anlage deckt mit mehr als 82 Gigawattstunden erzeugtem Strom pro Jahr bereits mehr als 60 Prozent des Strombedarfs von La Paz. Die Anlage kostete rund 100 Millionen Dollar und wurde von der Weltbank und der mexikanischen Entwicklungsbank Nacional Financiera finanziert. Sie ging Ende 2013 ans Netz. Mit der neuen Anlage von Grupotec kann die Stadt rechnerisch ihren gesamten Stromverbrauch mit Solarenergie decken.

Die Großbatterie mit ihren elf Megawatt Leistung wird dabei helfen, Solarstrom auch nachts zu liefern. Zum Vergleich: Die derzeit größte Batterie in Deutschland hat eine Leistung von fünf Megawatt; die größte Europas steht derzeit in England und hat 6 Megawatt Leistung und eine Speicherkapazität von zehn Megawattstunden.

Bleibt die Frage: Warum sollten die Projektierer in La Paz so viel Geld in die Hand nehmen und zwei große Solarparks bauen? Antwort 1 lautet: Die Gegend um La Paz hat eine der stärksten Sonneneinstrahlungen im Land und ist deshalb ideal geeignet, um Sonnenstrom zu erzeugen.

Zugezogene treiben Stromverbrauch in die HöheAntwort 2 lautet: Der Distrikt, in dem La Paz liegt, ist nicht an das mexikanische Stromnetz angeschlossen, sondern bezieht seinen Strom aus einem Inselnetz. Das wurde bisher von zwei Kraftwerken gespeist, die teuren Diesel, Heizöl und Erdgas verbrennen. Der lokale Energieversorger CFE zahlt den Betreibern der Solarfarmen über 20 Jahre den Betrag abzüglich zwei Prozent für ihren Solarstrom, den auch die Elektrizität aus den Diesel- oder Erdgaskraftwerken gekostet hätte. Dafür ist die Energie künftig auch sauber.

Vor allem in den Sommermonaten hat der Stromverbrauch in La Paz in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen, weil immer mehr wohlhabende Nordamerikaner in die Gegend ziehen und die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen.

Wie lange die zwei Solarparks den Bedarf bei einem anhaltenden Zuzug aus dem Norden decken können, ist deshalb fraglich. Am Ende müssen vielleicht doch wieder die Dieselgeneratoren anspringen – oder mehr Solarkraftwerke gebaut werden.

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