Energie: Japaner bauen riesigen Solarpark auf dem Meer

Energie: Japaner bauen riesigen Solarpark auf dem Meer

von Birk Grüling

Seit dem Desaster im AKW von Fukushima setzt Japan verstärkt auf erneuerbare Energien. Doch für große Solaranlagen fehlt der Platz - bisher.

Nach dem folgenschweren Reaktorunfall von Fukushima haben erneuerbare Energien in Japan Hochkonjunktur. Auf den ersten Blick sind die Voraussetzungen dafür ziemlich gut.

Nicht nur die staatlichen Subventionen sind üppig. Es scheint auch genug Sonne für große Solaranlagen. Der Wind und die Strömungen an der Küste sind kräftig und versprechen gute Erträge für Windräder und Turbinen. Selbst Geothermie-Projekte verlaufen vielversprechend. Der vulkanische Untergrund der Inseln lässt sich problemlos anzapfen.

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Einziger Haken an der Sache: Es gibt kaum genug Platz für alle Vorhaben. Japan besitzt einfach zu viele Berge.

Schuld daran ist die tektonische Lage zwischen zwei Erdplatten. Jedes neue Energieprojekt muss also mit Flächen für Städte und Industrie konkurrieren. Windräder oder Solaranlagen an die Steilhänge zu bauen, ist äußerst schwierig und vor der Küste gibt es kaum festen Untergrund für Offshore-Projekte.

Japan setzt deshalb auf Insellösungen. Ende November eröffnete der Technologie-Konzern Kyocera einen Solarpark vor der Küste von Kagoshima City, im äußersten Süden Japans. Die Anlage umfasst 290.000 Solarpanels und ist drei Mal so groß wie der Vatikan. Insgesamt 22.000 Haushalte soll das Prestigeprojekt mit seinen 70 Megawatt Leistung versorgen. Die Gesamtkosten der Anlage, die auf einem aufgeschütteten Teil einer Bucht gebaut ist, liegen bei rund 275 Millionen US-Dollar.

Herausforderungen auf dem Wasser hochDas ist an sich nichts besonderes könnte man meinen, da zum Beispiel auch Flughäfen oder ganze Stadtteile auf künstlichen Inseln oder Halbinseln ins Meer gebaut werden. Aber könnten große Solarkraftwerke vielleicht bald schwimmend auf dem Wasser gebaut werden?

„Die schwierige Geographie zwingt Japan dazu, seine Fläche so effektiv wie möglich zu nutzen. Natürlich ist eine schwimmende Solarinsel da eine mögliche Lösung“, sagt Timon Kampschulte von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Für ein globales Modell hält der Solarexperte solche Lösungen allerdings nicht. „Betrieb und Wartung sind an Land einfacher. Darum sind solche Inseln in unseren Gefilden nicht sinnvoll.“

Die Liste der Herausforderungen für einen schwimmenden Solarpark wäre lang: Der erzeugte Strom muss von der Insel zu den Haushalten in der Stadt gelangen. Dafür ist eine aufwendige Verkabelung nötig.

Auch die Anforderungen an die Panels sind höher. Herkömmliche Anlagen sind zwar gegen starken Regen und Sturm gewappnet. Seegang ist schon eine ganz andere Belastung, selbst in einer eher ruhigen Bucht wie der von Kagoshima City.

Um einen Kurzschluss zu vermeiden, müssen die Anlagen auch bei höheren Wellen standsicher und tauchdicht sein. Eine weitere Hürde ist die Erreichbarkeit bei einem technischen Defekt. An Land lässt man beim Bau größerer Anlage Durchfahrtsschneisen für die Wartungsteams. Auf See sind die Module wie Legosteine miteinander verbunden.

Stromausbeute steigtEs gäbe aber auch Vorteile. Beispielsweise lässt sich die Effizienz der Solaranlagen durch die natürliche Kühlung im Wasser leicht erhöhen. Außerdem sind die Preise für Grundstücke an Land derzeit sehr hoch, ganz im Gegensatz zum Wasser. Hier sind zwar die technischen Investitionen größer, aber die Preise für die Fläche deutlich geringer.

Diese Einschätzung bestätigt auch ein Beispiel aus den USA. Aus Platzmangel verlegte ein Winzer im sonnigen Kalifornien bereits 2011 seine komplette Solar-Anlage auf einen See (einer von vielen US-Weinbauern, die inzwischen auf Sonnenergie setzen). Der Betrieb versorgt sich jetzt komplett selbst mit Strom. Über die Baukosten schweigt der Landwirt. Bis 2020 soll sich die Investition aber amortisiert haben.

Ob seinem Beispiel in den USA oder Europa viele Landwirte folgen werden, ist aber mehr als fraglich. Ganz im Gegensatz zu Japan. Dort wird bereits an weiteren Insellösungen gearbeitet. Vor der Küste von Fukushima soll bis 2020 eines der größten Windkraftwerke der Welt entstehen; die Windmühlen sollen dabei tatsächlich auf dem Wasser schwimmen.

Nachtrag: Der Solarpark schwimmt nicht auf dem Wasser, wie in einer früheren Version des Textes beschrieben, sondern ist auf festem Land ins Meer hineingebaut.

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