Energie-Revolution: Niederländer bauen Fahrradweg aus Solarmodulen

Energie-Revolution: Niederländer bauen Fahrradweg aus Solarmodulen

von Andreas Menn

In Nordholland entsteht der erste Strom erzeugende Radweg der Welt – Straßen aus Solarpanelen sollen folgen.

Es ist schon merkwürdig: Wir baggern nach Kohle, pumpen Öl aus dem Boden – dabei schickt uns die Sonne Tag für Tag zehntausendmal mehr Energie, als die Menschheit verbraucht. Viele Energieprobleme wären gelöst, würden wir unsere Städte mit Solarzellen pflastern.

Genau das passiert nun in Holland: Das Konsortium SolaRoad baut gerade die erste Solarstraße der Welt. In der Gemeinde Krommenie, nördlich von Amsterdam gelegen, entsteht in diesen Tagen ein 70 Meter langer Fahrradweg aus Solarmodulen. Er soll bis 2016 auf 100 Meter wachsen – und dann genug Strom produzieren, um immerhin bis zu drei Haushalte zu versorgen. "Straßen könnten künftig so auch den Strom produzieren, den Elektroautos, die darauf fahren, verbrauchen", sagt Sten de Wit, einer der Projektleiter von SolaRoad.

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Seit 2009 haben die Niederländer im Stillen an ihrer Idee gearbeitet. Sie haben rechteckige Module aus Beton entwickelt, zweieinhalb mal dreieinhalb Meter groß. Darin sind Solarmodule aus Silizium eingelassen. Bedeckt werden sie von einer ein Zentimeter starken Schicht aus Glas. In der Fabrik vorgefertigt, sollen sie künftig von Bauarbeitern Stück für Stück zu Strom erzeugenden Straßen zusammengebaut werden.

Hinter dem ehrgeizigen Projekt stecken Partner, die sich mit Straßenbau auskennen: Die niederländische Industrieforschungsorganisation TNO, die Provinz Nord-Holland, der niederländische Straßenbau-Spezialist Ooms Civiel und das Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen Imtech. Insgesamt drei Millionen Euro investieren die Projektpartner in ihr Forschungsvorhaben.

Mit ihrem Fotovoltaik-Fahrradweg kommen sie dem US-Projekt Solarroadways zuvor, das im Frühjahr per Crowdfunding mehr als zwei Millionen Dollar für den Bau der weltweit ersten Solarstraße eingesammelt hatte (wir berichteten). Die Grundidee beider Projekte: Straßen, die bisher nur als Transportweg dienen, sollen künftig auch als Kraftwerke fungieren. Sie könnten so der Solarenergie neue Flächen erschließen, ohne dazu Wiesen und Felder zu opfern.

Die Fläche von Hausdächern, auf denen bisher die meisten Solarzellen installiert sind, reichen nicht aus, um mit Solarstrom ganze Länder zu versorgen. In Holland etwa könnten sie laut SolaRoad nur ein Viertel des Stromverbrauchs decken. Straßen dagegen bieten ein Vielfaches an Platz. Laut Solarroadways könnten sie in den USA dreimal so viel Strom erzeugen, wie das gesamte Land verbraucht.

Aber rentiert sich das Ganze auch im Vergleich zu herkömmlichem Asphalt? Schließlich müssen Solarmodule im rechten Winkel zur Sonne installiert werden, um die beste Leistung zu bringen. Auf der Straße liegen sie dagegen flach. Zudem fangen die Glasabdeckung und Staub zusätzlich Sonnenlicht ab, bevor es auf die Solarzellen trifft. "Wir rechnen damit, dass unsere Module auf der Straße 30 Prozent weniger Strom erzeugen als auf dem Dach", sagt de Wit.

Auf der anderen Seite sparen sich die Holländer Kosten für Montagesysteme, mit denen Solarpaneele aufwändig auf Dächern befestigt werden. "Außerdem bauen wir Solarmodule und Straßen in einem", sagt de Wit. Laut einer Machbarkeitsstudie rechnen die Holländer damit, dass die begehbaren Solarpanele darum nach spätestens 20 Jahren so viel Strom erzeugt haben, dass sie ihre Herstellungskosten wieder einspielen. Sobald die Module in Massenproduktion gefertigt werden, sollen es sogar weniger als 15 Jahre sein. Es wären die ersten Straßen, die nicht Milliarden an Steuergeldern verschlingen – sondern ihre Baukosten selbst wieder erwirtschaften.

Mit ihrem Solar-Fahrradweg wollen die Holländer nun beweisen, dass das Konzept auch technisch aufgeht. Schließlich warten auf offener Straße zahlreiche Belastungen auf die Solarmodule: Von oben drücken Fahrzeuge auf das Glas, von unten Baumwurzeln in den Beton. Die Module müssen Regenwasser, Eis und Schnee standhalten. Und sie dürfen Fahrradfahrer und Fußgänger nicht mit Lichtreflektionen irritieren oder bei Nässe zum Schliddern bringen.

All diese Probleme glauben die Holländer in den Griff zu bekommen. Dazu haben sie für die Fahrbahndecke spezielles Sicherheitsglas entwickelt und getestet. Es soll sogar unter dem Gewicht schwerer Lastwagen standhalten. Und sollte es doch zerbrechen, bildet es keine gefährlichen Scherben, sondern zerfällt wie Autoscheiben in viele kleine Stücke. Herausfinden will de Wit mit dem Pilotprojekt auch, wie sich die Schatten von Autos und Fußgängern auf die Stromproduktion auswirken.

Im nächsten Schritt wollen die Niederländer eine Straße aus Solarmodulen bauen, auf der auch Autos fahren. 140.000 Kilometer Straßen gibt es in den Niederlanden – erhielten zehn bis 20 Prozent davon eine Solarschicht, könnte ihre Stromproduktion ein Drittel aller Autos im Land elektrisch antreiben. Und mit neuartigen Solarzellen, die auch bei schrägem Lichteinfall viel Strom produzieren, vielleicht sogar viel mehr.// !function(d,s,id){var js,fjs=d.getElementsByTagName(s)[0];if(!d.getElementById(id)){js=d.createElement(s);js.id=id;js.src="//platform.twitter.com/widgets.js";fjs.parentNode.insertBefore(js,fjs);}}(document,"script","twitter-wjs");//

Und hier noch ein aktuelles Foto des Radwegs - auf der rechten Seite sind die Solarzellen eingebaut:Dit zijn ze dan, de eerste meters van het fietspad dat energie opwekt: @SolaRoadNL #Krommenie http://t.co/PdLQW2ba6t pic.twitter.com/qCdlY87TNC

— RTV NH (@RTVNH) 16. Oktober 2014 

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