Energie: Schwarmbatterie speichert Windstrom nahe Sylt

Energie: Schwarmbatterie speichert Windstrom nahe Sylt

von Wolfgang Kempkens

Ein neuer Stromspeicher soll beweisen, dass sich Akkus zum Bunkern von Windstrom eignen. Die Technik könnte die Energiewende voranbringen.

Im norddeutschen Örtchen Braderup, unweit von Sylt, jedoch auf dem schleswig-holsteinischen Festland, wird es bald eine Premiere geben: Dort entsteht die größte Batterie Deutschlands. Hunderte Stromspeicher werden zu einem Giganten zusammengeschaltet, der es auf eine Leistung von vier Megawatt bringt.

Die Riesenbatterie soll 400 Ein-Familien-Häuser einen Tag lang mit Strom versorgen können. Sie wird allerdings nicht für einen Dauerbetrieb ausgelegt. Ihre Aufgabe ist eine andere: Sie dienst als Puffer, der überschüssigen Windstrom speichert und bei Flaute wieder ins Netz einspeist.

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Gebaut wird der Stromspeicher, der eine kleine Turnhalle ausfüllen würde, von dem Unternehmen Gesellschaft Energiespeicher Nord, das der Mischkonzern Bosch und der Bürgerwindpark Braderup-Tinningstedt gerade gegründet haben. Wie teuer das Ganze wird, hängt vor allem davon ab, wer die Batterien liefern darf. Auch wenn Bosch noch schweigt: Es wird wohl auf Lithium-Ionen-Akkus hinauslaufen. Bleiakkus sind technisch schon lange überholt.

Anfang 1997 gab es in Deutschland bereits einen Batterieblock, der ähnliche Aufgaben zu erfüllen hatte. Die Anlage entstand am Heizkraftwerk Steglitz im damaligen Westberlin. Sie kostete 25 Millionen Mark. Die Gesamtleistung der 1416 Bleiakkus, die ein Gesamtgewicht von 545 Tonnen hatten, betrug 17 Megawatt. Die Großbatterie speicherte in verbrauchsschwachen Zeiten Strom aus den Westberliner Kohlekraftwerken, um sie bei Strommangel wieder abzugeben. Die Stadt war damals eine Strominsel, die auf Pufferspeicher vor Ort angewiesen war.

Druckluftspeicher in KavernenDer Speicher in Berlin existiert nicht mehr. Trotzdem: Dezentral angelegte Stromspeicher wie der in Braderup haben künftig eine große Bedeutung für das Gelingen der Energiewende, also für den schrittweisen Verzicht auf Kohle- und Kernkraftwerke. Denn der in ihnen gespeicherte Strom wird ortsnah verbraucht, belastet also nicht die Hochspannungsleitungen, die aufgrund der hohen Windstrommengen an den Küsten ohnehin schon oft an der Kapazitätsgrenze angelangt sind.

Bosch betrachtet das Projekt in Braderup als Großversuch. Er soll zeigen, ob sich elektrochemische Speicher dafür eignen, Windstrom regional zu bunkern. Eine andere Möglichkeit sind Druckluftspeicher: In ihnen pressen Kompressoren Luft in spezielle Kavernen - immer dann, wenn ein Stromüberangebot besteht. Besteht später Bedarf an Strom, dann strömt die unterirdisch gespeicherte Druckluft durch eine Turbine, die einen Generator zur Stromerzeugung antreibt.

Ein Weg, der ebenfalls intensiv getestet wird, ist die Power-to-Gas-Technologie. Mit Überschussstrom wird Wasser in Wasser- und Sauerstoff aufgespalten. Der Wasserstoff wird ins Erdgasnetz eingespeist oder in das erdgasgleiche Methan umgewandelt. In Gaskraftwerken lässt sich dieser Energieträger dann bei Bedarf wieder in Strom umwandeln.

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