Energie: Solaranlagen lernen schwimmen

Energie: Solaranlagen lernen schwimmen

von Benjamin Reuter

Aus Platzmangel entstehen in Japan Solarparks zunehmend auf dem Wasser. Mehr als 30 Projekte sind in den nächsten Jahren geplant.

Japan ist derzeit ein Paradies für Solaranlagenbauer. Die Subventionen sind üppig, weil die Regierung das Land unabhängiger von teueren Energieimporten machen will und zudem seit der Reaktorkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 auf die allermeisten Kernkraftwerke verzichten muss. Sie wurden aus Sicherheitsgründen vom Netz genommen und fahren erst nach und nach wieder hoch. Zusammen mit China und den USA ist Japan in diesem Jahr die Nummer drei beim globalen Photovoltaikzubau.

Ein Problem hat Japan allerdings: der Platz für große Solarkraftwerke ist begrenzt. Nicht ohne Grund wurde deshalb im vergangenen November das erste Solarkraftwerk gefeiert, das nicht auf dem Land, sondern auf dem Wasser entstand. Der Technologie-Konzern Kyocera eröffnete damals seinen Solarpark in der Bucht vor Kagoshima City, im äußersten Süden Japans.

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Die Anlage umfasst 290.000 Solarpanels und ist drei Mal so groß wie der Vatikan. Insgesamt 22.000 Haushalte soll das Projekt mit seinen 70 Megawatt Leistung versorgen. Die Gesamtkosten der Anlage liegen bei rund 275 Millionen US-Dollar (wir berichteten).

Das Bespiel scheint nun Schule zu machen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Kyocera plant nämlich den Bau zwei weiterer Solaranlagen auf dem Wasser – diesmal aber auf zwei Seen im Inland nahe der Stadt Kato, unweit von Osaka.

Zwar ist die erste davon mit 1,7 Megawatt Leistung vergleichsweise klein. Laut Kyocera soll sie dennoch die größte schwimmende Solaranlage der Welt sein und im kommenden April ans Netz gehen. In Kagoshima City war der Untergrund in der Bucht noch aufgeschüttet worden. Bisher ist erst eine schwimmende Solaranlage mit 1,2 Megawatt in Japan am Netz.

Die zweite von Kyocera geplante Anlage wird eine Leistung von 1,2 Megawatt haben. In den nächsten Jahren plant Kyocera nach eigener Aussage weitere 30 der schwimmenden Anlagen.

Der Vorteil ist neben dem verfügbaren Platz, dass das Wasser die Anlagen kühl hält und damit Wirkungsgradverlusten durch Überhitzung vorbeugt. Die schwimmenden Aufbauten für die Panele liefert das französische Unternehmen Ciel & Terre, das vor drei Jahren eine erste schwimmende Anlage auf einem kleinen See installierte (siehe Foto).

Allerdings ist der Stromtransport von schwimmenden Anlagen an Land aufwendig. Außerdem müssen die Bauteile gegen Wasser (im Meer gegen Salzwasser) und Wellengang geschützt werden. Ob schwimmende Solaranlagen deshalb außerhalb der dicht besiedelten asiatischen Länder Schule machen, bleibt wegen des technischen Aufwandes abzuwarten. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass Japan eine technische Vorreiterrolle übernimmt.

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