Energie: Warum 100 Prozent Grünstrom 2030 billiger ist

Energie: Warum 100 Prozent Grünstrom 2030 billiger ist

von Benjamin Reuter

Die aktuelle Kostendiskussion um die Energiewende ist kurzsichtig. Künftig sind 100 Prozent Wind und Sonne billiger als ein Strommix aus Kohle und Gas.

Während in Deutschland die Experten und Politiker über die aktuellen Kosten der Energiewende streiten, geht der Blick in die Zukunft völlig unter. Denn klar ist: grüne Energieträger sind zwar heute noch teurer als Kohle- und Gaskraftwerke. Aber in Zukunft werden sie wegen Skaleneffekten bei der Produktion mit den Fossilen mithalten können. So nähern sich zum Beispiel heute schon die Kosten für Windstrom dem für Kohle an – vorausgesetzt der Standort ist windreich.

Die Frage war bisher aber immer: Kann die gesamte Stromversorgung – also nicht nur einzelne Energieträger – mit Erneuerbaren billiger sein als die herkömmliche Stromversorgung?

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Die Antwort auf diese Frage ist alles andere als simpel. Denn für ein 100-Prozent-Grün-Szenario müssen zum Beispiel die Kosten für Speicher mitberechnet werden. Denn weder scheint immer die Sonne, noch pustet dauernd der Wind. Strom wird aber 24/7 benötigt.

Dass das 100-Prozent-Szenario schon 2030 möglich ist und sogar günstiger sein kann als unser heutiges System, zeigt jetzt eine sehr lesenswerte Studie zweier Universitäten – zumindest für die USA. Wissenschaftler der Universität von Delaware und des Delaware Technical College an der US-Ostküste haben nach einem grünen Kraftwerkspark gefahndet, der beide Kriterien erfüllt: sicher und bezahlbar. Die Lösung: Er besteht aus einem Mix aus Sonne, Wind, Brennstoffzellen und Stromspeichern auf Wasserstoffbasis.

Speicher? Die meiste Zeit unnötigUm den perfekten Mix der verschiedenen Technologien zu finden, entwickelten die Wissenschaftler ein Computermodell, das 28 Milliarden (!) verschiedene Kombinationen der einzelnen Energieträger berücksichtigte. In das Modell flossen außerdem historische Wetterdaten der USA ein. Ausgangspunkt war die Stromnachfrage von einem Fünftel der US-Bevölkerung.

Eines der Ergebnisse: Mit der derzeit verfügbaren und teuren Speichertechnologie ist es billiger, einen sehr großen Kraftwerkspark an Solar- und Windanlagen zu unterhalten, um auch hohe Nachfragen zu decken. Große Mengen Strom für Nachfrage-Spitzen zu speichern, lohnt sich dagegen nicht.

Und das ist laut dem Delaware-Computermodell der Kraftwerkspark der Zukunft für die Wetterverhältnisse in den USA: Um durchgehend 72 Gigawatt Leistung zu garantieren, müsste ein Mix aus 17 GW Solar, 68 GW Offshore-Wind und 115 GW Onshore-Wind entstehen. Außerdem wird ein Teil des Überschussstroms in Wasserstoff umgewandelt und gespeichert.

Für die ganz wenigen Stunden, in denen der Verbrauch auch die Stromspeicher leert, springen dann Gaskraftwerke an. Je nach Ausbau würde das System 90 bis 99,9 Prozent der Zeit voll auf Grünstrom laufen.

Entscheidend ist: Die Kosten für Strom aus einem solchen grünen Kraftwerkspark würden nicht höher liegen als die heutigen Stromkosten. Grundlage für die Berechnung der Forscher ist, dass Solar- und Windlagen bis 2030 um die Hälfte billiger werden – was mehr als realistisch ist.

Für Deutschland befasste sich im Juli 2011 ein Sondergutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen mit der 100 Prozent erneuerbaren Energieversorgung. Von 2010 stammt diese Studie zum selben Thema im Auftrag des Umweltbundesamtes. Sie kommen zu ähnlichen Ergebnissen wie die US-Studie, allerdings erst für die Jahre nach 2030.

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