Energieaustausch: „Grünes“ Kabel verbindet Deutschland und Norwegen

Energieaustausch: „Grünes“ Kabel verbindet Deutschland und Norwegen

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Im Jahr 2020 soll das Mammutprojekt abgeschlossen werden. (TenneT)

von Angela Schmid

Das Seekabel-Projekt NordLink ist gestartet. Die rund zwei Milliarden Euro teure Stromleitung soll den Austausch erneuerbarer Energien zwischen Deutschland und Norwegen ermöglichen.

Der Spatenstich ist symbolisch. Das Projekt aber ist gigantisch. Ein 623 Kilometer langes Kabel mit einer Kapazität von 1.400 Megawatt (MW) soll die Strommärkte in Deutschland und Norwegen miteinander verbinden. Mehr als 3,6 Millionen deutsche Haushalte können darüber mit erneuerbarer Energie versorgt werden - was in etwa der Einspeiseleistung von 466 Windkraftanlagen zu je 3 MW entspricht.

Jahrelang planten die Projektpartner TenneT, Statnett und die KfW IPEX-Bank das zwei Milliarden Euro teure Vorhaben, das vor allem den Verbrauchern zugute kommen soll. Das verspricht auf jeden Fall TenneT. „Deutsche Verbraucher können vom positiven Effekt auf die Strompreise durch den Import von Energie aus preisgünstiger Wasserkraft profitieren“, erklärt Pressesprecher Mathias Fischer.

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Projekt soll Energiepreise stabilisieren

NordLink ist der erste Interkonnektor, der die Energiemärkte Norwegens und Deutschlands direkt miteinander verbindet und zur Stabilisierung der Energiepreise beitragen soll. Wenn die Preise in Deutschland höher als in Norwegen sind, weil Windkraftanlagen und Solarzellen nur wenig Strom produzieren, kann über NordLink Energie aus norwegischer Wasserkraft importiert werden.

Die Wasserreservoire in Norwegen fungieren dabei quasi als „Energiespeicher“, denn bei Stromimport aus Deutschland kann das Wasser in ihnen verbleiben. Umgekehrt können bei Verbrauchsspitzen und gleichzeitig geringer Wind- und Solarenergieerzeugung in Deutschland diese genutzt und Strom nach Deutschland transportiert werden.

Erhöhte Versorgungssicherheit

Unterm Strich profitieren beide Länder. Zudem erhöhe sich die Versorgungssicherheit, so Fischer. „Ein erheblicher Teil der sozioökonomischen Vorteile von NordLink entsteht durch die Erträge aus dem Handel mit Übertragungskapazität über diesen Interkonnektor“, erklärt der Pressesprecher. Diese Erträge würden zur Finanzierung anderer Netzprojekte und zur Senkung der Stromtarife verwendet.

Die Begeisterung für das Projekt ist groß. „Dies ist ein Meilenstein der deutsch-norwegischen Energiebeziehungen. NordLink bringt die Realisierung der Energiewende und die Integration der erneuerbaren Energie auf eine ganz neue Ebene“, schwärmt Norwegens Botschafterin Elisabeth Walaas.

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Die Verbindung von Schleswig-Holstein nach Norwegen besteht aus einem 516 Kilometer langen Seekabel, das in einer Meerestiefe von bis zu 410 Metern durch deutsche, dänische und norwegische Hoheitsgewässer verlegt wird. Dazu kommen auf deutscher Seite 54 Kilometer Landkabel sowie 53 Kilometer Freileitung auf norwegischer Seite.

Aufgrund der Streckenlänge und der großen Übertragungsleistung wird eine Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) verlegt, bei der weit weniger Verluste auftreten als bei Wechselstrom. Die beiden Kabel (Plus- und Minuspol) werden mit Konverterstationen an jedem Ende verbunden - in Wilster (Schleswig-Holstein) und Tonstad (Norwegen). An diesen Standorten wird der Strom von Gleich- in Drehstrom umgewandelt und in das deutsche oder norwegische Übertragungsnetz eingespeist, um Haushalte und Unternehmen mit Strom zu versorgen.

Probebetrieb soll Ende 2019 starten

Das Mega-Kabel, das Ende 2019 in den Probebetrieb gehen und 2020 fertig gestellt sein soll, wird auch durch den schleswig-holsteinischen Nationalpark gelegt. Ein empfindliches Gebiet und Schutzzone für Flora und Fauna. „Hier konnten wir aber Lösungen finden, die den Eingriff in das sensible Umfeld vertretbar machen. Die ökologischen Belange sind bei der Planung berücksichtigt", betont der norddeutsche Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne).

NordLink ist nicht das einzige Netzprojekt in Schleswig-Holstein. Geplant sind Höchstspannungsleitungen mit einer Gesamtlänge von 590 Kilometer. Sie sollen den Windstrom von der Küste in den energiehungrigen Süden transportieren. Habeck: „Schleswig-Holsteins Netze haben für die Energiewende im Land und in der Republik eine entscheidende Bedeutung."

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