Energieeffizienz in Gebäuden: Das war der erste Green Dialogue in Berlin

Energieeffizienz in Gebäuden: Das war der erste Green Dialogue in Berlin

von Marius Hasenheit

Auf dem ersten Green Dialogue diskutierten Experten über die Energiewende im Gebäudesektor.

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel 2004 gefragt wurde, welche Empfindungen Deutschland bei ihr wecke, antwortete sie: „Ich denke an dichte Fenster! Kein anderes Land kann so dichte und so schöne Fenster bauen." Ob die Kanzlerin ihren Ausspruch ironisch meinte, ist nicht überliefert. Aber er verweist auf eine ganz besondere Lust der Deutschen: Die Gebäudedämmung.

Was einst als Beitrag zum Klima- und Umweltschutz gefeiert wurde, ist mittlerweile unter Experten aber höchst umstritten. Denn Häuser in eine dicke Schicht Isoliermaterial zu packen oder neue Fenster einzubauen, sei ineffektiv kritisieren sie – zudem teuer und deshalb unsozial.

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Den Sinn und Unsinn der Gebäudedämmung hatte auch der erste Green Dialogue in Berlin zum Thema. Die Veranstaltungsreihe wird gemeinsam von WirtschaftsWoche und den GreenTec Awards organisiert, einem der größten Umweltpreise Europas. Die Idee des Green Dialogue: Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft diskutieren zu einem aktuellen Nachhaltigkeitsthema. Partner der Auftaktveranstaltung in Berlin mit dem Titel "Energiewende heute: Risiko oder Chance für Mieter?" war das Energieeffizienzunternehmen Techem.

Dass aber nicht nur die Frage nach der Gebäudedämmung umstritten ist, sondern auch, wie Energieefiizienz im Immobiliensektor überhaupt erreicht werden kann, zeigte die knapp einstündige Diskussion an diesem Abend.

Auf dem Panel waren: Hans Erhorn, Leiter der Abteilung Wärmetechnik des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in Stuttgart; Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund; Florian Pronold, parlamentarischer Staatssekretär im  Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit; Reinhard Hüttl, Leiter des Geoforschungszentrums Potsdam und Co-Präsident von Acatech; Axel Gedaschko, Präsident Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen und Hans-Lothar Schäfer, CEO von Techem.

Die wichtigste Erkenntnis der Experten war, dass es kein Patentrezept für eine energetische Sanierung gibt. Zwar sei das Wissen um die nötigen Technologien und Energieeffizienzmaßnahmen da, sagte Fraunhofer-Forscher Hans Erhorn. Doch oftmals scheiterten die Maßnahmen schon an der Finanzierung.

Um die Kosten für mehr Energieeffizienz im Gebäudesektor gerecht zu verteilen, schlug Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund das soganannte "Drittelmodell" vor. In diesem Modell trägt der Hauseigentümer ein Drittel der Kosten. Die würden ohnehin früher oder später bei Modernisierungsarbeiten anfallen. Ein weiteres Drittel der Kosten wird warmmietneutral und damit sozialverträglich von den Mietern übernommen. Die teurere Miete gleichen die sinkenden Heizkosten aus. Das restliche Drittel übernehmen staatliche Förderprogramme für den Klimaschutz, wie zum Beispiel die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Diese staatlichen Ausgaben werden durch Steuereinnahmen refinanziert.

Um die Mieter nicht übermäßig mit der Energiesanierung zu belasten, schlug der parlamentarische Staatssekretär Florian Pronold eine andere Maßnahme vor. Die elfprozentige Modernisierungsumlage, die Vermieter auf die Miete schlagen können, solle nur so lange laufen, bis die Sanierung gegenfinanziert sei. Nachdem die energetische Sanierung abgeschrieben ist, spart der Mieter mit ihr also tatsächlich Geld.

Einen ganz anderen Blickwinkel branchte Reinhard Hüttl in die Debatte ein. Er erinnerte die Diskussionsrunde an das ursprüngliche Ziel von mehr Energieeffizienz. „Wir müssen uns fragen: was wollen wir eigentlich? CO2 einsparen? Dann müssten wir keine Energie kostenintensiv einsparen, wenn sie regenerativ erzeugt wurde.“

Erfahrungen aus der Praxis steuerte Hans-Lothar Schäfer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Techem, bei. „Wir werten seit 20 Jahren Energieeffizienzdaten aus", sagte er, "und stellen dabei fest, dass seit 2007 die Energieeinsparungen trotz vieler Investitionen stagnieren.“ Gründe dafür gebe es viele.

Ein dreifach isoliertes Fenster sei wirkungslos, wenn es offen stehe, sagte Schäfer. So erkläre das Nutzerverhalten auch, dass energiesanierte Gebäude beim Energieverbrauch teilweise schlechter abschneiden als unsanierte. Schäfer plädierte deshalb für Maßnahmen, die keiner großen Investition bedürften, jedoch ein großes Energieeinsparpotential besäßen.

Hoch effiziente Wärmepumpen und intelligente Heizungsregelung könnten beispielsweise zu großen Energieeinsparungen führen. Die vergleichsweise kostengünstigen Maßnahmen sind auch für Wohnungsgenossenschaften attraktiv.

Der Teufel der Energiesanierung, das zeigte die Diskussion an diesem Abend, steckt im Detail. Außerdem war auffällig, dass während der gesamten Debatte der Fokus auf der Sanierung der technischen Anlagen lag. Von Dämmmaterialien und Gebäudeisolierung war kaum die Rede.

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