Energieeffizienz: Neues Modellhaus heizt für unter 200 Euro im Jahr

Energieeffizienz: Neues Modellhaus heizt für unter 200 Euro im Jahr

von Wolfgang Kempkens

Ein Effizienzhaus hat traditionell geringe Heizkosten. Ein neuer Modellbau bei Nürnberg zeigt, was möglich ist.

Auf eine gesonderte Dämmung der Außenwände haben die Erbauer eines Einfamilienhauses mit Einliegerwohnung nahe Nürnberg verzichtet. Warum auch, den den Energiesparstandard "KfW-Effizienzhaus 40 Plus" erfüllt es trotzdem.

Das ist der Standard, der vom 1. April 2016 an gilt. Und dass dieser ohne Dämmung auskommt liegt vor allem an den beispiellos dicken Wänden. Sie bestehen aus 42,5 Zentimeter dicken Porenbetonsteinen, die von sich aus ausreichend dämmen. Auch Kellerdecke und Dach lassen kaum Wärme durch und die Fenster haben eine Dreifachverglasung.

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Um weiter Energie zu sparen wird das Haus zwangsbe- und entlüftet. Die Wärme der abfließenden Abluft wird in einem Wärmetauscher an die einfließende Frischluft abgegeben. Praktisch, aber teuer: Die Baukosten steigen um etwa 15 Prozent auf 355.000 Euro.

Doch die Folgen sind frappierend. Der Wärmebedarf liegt bei 1,5 Liter Heizöl pro Jahr und Quadratmeter. Altbauten kommen schnell auf das Zehnfache. Deshalb lässt sich die Wärme auch mit Strom erzeugen, sagten sich die Planer und verzichteten auf einen teuren Heizkessel.

Solaranlage reduziert die Stromkosten für das EffizienzhausBei den heutigen Preisen lägen die Stromkosten fürs Heizen gerade mal bei knapp 200 Euro. In Wirklichkeit ist es weniger, weil das Haus mit einer üppig dimensionierten Solaranlage und einer großen Batterie ausgestattet ist. Den größten Teil der benötigten elektrischen Energie liefert das eigene Kraftwerk.

Es ist auch für den Antrieb der Luft-Wasser-Wärmepumpe zuständig, die warmes Dusch- und Rasierwasser erzeugt. Dank eines 1500 Liter fassenden Speichers kann die Wärmepumpe genau dann in Betrieb genommen werden, wenn besonders viel Solarstrom erzeugt wird.

Die Fotovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von fünf Kilowatt, die ins Dach integriert ist, soll pro Jahr rund 9000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Das entspricht dem gesamten Strombedarf. Trotz eines Energiemanagementsystems gehen die Planer davon aus, dass knapp die Hälfte des erzeugten Stromes ins Netz eingespeist wird. Umgekehrt muss Strom aus dem Netz bezogen werden. Die Bewohner können durch den geschickten Einsatz von Großverbrauchern wie Wasch- und Spülmaschine die Eigennutzung noch verbessern.

Das energetische Konzept entwickelten die BayWa AG in München in Kooperation mit ihrer Tochter BayWa r.e. (renewable energy) und den Rodgauer Baustoffwerken. BayWa war ursprünglich ein Handelsunternehmen für Agrarprodukte, engagiert sich aber schon länger im Energiesektor. Die Rodgauer Baustoffwerke steuerten den Porenbeton bei.

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