Energieerzeugung: Segway-Erfinder baut Minikraftwerk für Wohnhäuser

Energieerzeugung: Segway-Erfinder baut Minikraftwerk für Wohnhäuser

von Wolfgang Kempkens

Dean Kamen ist mit einer Neuentwicklung auf dem Markt – und einem ungewöhnlichen Verkaufsargument.

Vor ziemlich genau 198 Jahren erfand der Schotte Robert Stirling den nach ihm benannten Motor. Jetzt hat Dean Kamen, der Entwickler des bekannten Segway, eines Fahrzeugs mit zwei parallel laufenden Rädern, ihn wiederentdeckt.

Ursprünglich wollte Kamen mit dem Motor seinem bisher batteriegespeisten Fahrzeug eine größere Reichweite verschaffen. Aber der Erfinder glaubt inzwischen, dass der Stirling-Motor als kleines Blockheizkraftwerk (BHKW) im Eigenheim sehr viel besser zum Einsatz kommt.

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Wärme für den PoolSo stellte er jetzt ein entsprechendes Minikraftwerk vor, das die Ausmaße eines amerikanischen Kühlschranks hat (also die eines europäischen Kleinwagens). Es hat eine elektrische Leistung von zehn Kilowatt, hinzu kommen vermutlich rund 20 Kilowatt Wärme – Einzelheiten verrät Kamen noch nicht.

Angetrieben wird der Motor mit Erdgas, das in den USA dank des Schiefergas-Booms konkurrenzlos günstig ist. Gedacht ist das Aggregat, das mit einer Speicherbatterie für Überschussstrom ausgestattet ist, für Mehrfamilienhäuser, kleine Unternehmen und den Handel.

Nutzer müssen allerdings Verwendung für die großen Wärmemengen haben, die ein solcher Motor produziert. Als Möglichkeit nennt Kamen das Beheizen von Pools im Garten.

Während der Sprit von Benzin- und Dieselmotoren im Inneren verbrannt wird, nämlich in den Zylindern, wird der Stirling-Motor von außen beheizt. Das funktioniert mit öl- oder gasbetriebenen Brennern oder mit konzentrierter solarer Wärme.

Stirling-BHKW aus DeutschlandLaut Kamen soll sein Stirling-Kraftwerk effizienter und sehr viel leiser arbeiten als herkömmliche BHKWs. Allerdings lassen sich Stirling-Motoren schlecht regeln. Am effektivsten arbeiten sie im Dauerlauf. Doch selbst in Mehrfamilienhäusern ist die Abnahme von zehn Kilowatt nicht rund um die Uhr gesichert. Deshalb muss ein solches Aggregat mit großen Pufferbatterien ausgestattet werden oder Überschussstrom ins Netz leiten.

Kamen glaubt, dass er seinen Beacon 10, wie er die Entwicklung nennt, für 10.000 US-Dollar (rund 7350 Euro) produzieren kann. Einen Kaufpreis für Kunden nennt er nicht, er dürfte allerdings weit darüber liegen.

In Deutschland sind dem Beacon ähnliche Mini-Blockheizkraftwerke noch nicht weit verbreitet. Der Heizungshersteller Viessmann zum Beispiel hat ein Stirling-BHKW in zwei Ausführungen im Angebot, das den Endkunden rund 29.000 Euro kostet. Mit 15 Kilowatt ist es allerdings sehr viel leistungsstärker als die US-Entwicklung. Zudem ist eine Warmwasserbereitung einschließlich Pufferspeicher integriert.

Marodes Stromnetz als VerkaufsargumentDas Hamburger Unternehmen Lichtblick hat deutschlandweit außerdem knapp 1000 herkömmliche BHKWs vermittelt. Insgesamt dürften in deutschen Haushalten weniger als 10.000 Stück der kleinen Kraftwerke im Einsatz sein; was angesichts der Preise kein Wunder ist. Unter 15.000 Euro geht gar nichts. Dann liegt die elektrische Leistung allerdings bei 1,5 Kilowatt.

Das BHKW von Dean Kamen soll NRG Energy vermarkten, ein Stromversorger aus Houston in Texas. CEO David Crane denkt daran, den Beacon 10 zu verleasen, statt ihn zu verkaufen. Sein Verkaufsargument: Immer mehr Verbraucher wollen ihre Energieversorgung auf eine gesicherte Grundlage stellen – denn in den USA kommt es wegen maroder Infrastruktur immer häufiger zu Stromausfällen. Das Land hat laut einer aktuellen Erhebung das schlechteste Stromnetz unter den neun führenden Industriestaaten.

Bald schon will Kamen außerdem ein kleineres Modell für Einfamilienhäuser ohne Pool vorstellen, wie er dem Forbes-Magazin sagte. Eines davon tut in Kamens Keller schon seit vier Jahren seinen Dienst.

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