Energiehandel: Atomstrom-Importe aus Frankreich erreichen Rekordhoch

Energiehandel: Atomstrom-Importe aus Frankreich erreichen Rekordhoch

von Benjamin Reuter

Deutschland ist seit Jahren einer der Hauptabnehmer für französischen Atomstrom – auch 2014.

2014 waren die erneuerbare Energien erstmals die wichtigste Stromquelle in Deutschland, noch vor der Braunkohle. Dennoch ist die deutsche Stromversorgung in den vergangenen Jahren nicht klimafreundlicher geworden, auch der Atomstrom fließt weiter in großen Mengen durch die deutschen Netze.

Für diese zwei Phänome ist auch der Handel mit Strom verantwortlich. Denn der deutsche Strommarkt ist keine abgeschlossene Blase. Vielmehr exportiert Deutschland beträchtliche Mengen Strom in die Nachbarländer, gleichzeitig kommen Kilowattstunden aber auch durch die Stromnetze aus dem Ausland zu uns.

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Stromexport als EinnahmequelleFür das Jahr 2014 hat der Energieexperte und Blogger Thorsten Zoerner jetzt eine erste Bilanz des Stromhandels gezogen. Etwas abweichende Zahlen liefert das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. Für Atomkraft- und Kohlegegner fallen beide Statistiken ernüchternd aus.

Die erste wichtige Zahl: Im Jahr 2014 importierte Deutschland knapp 14 Terawattstunden mehr Strom aus Frankreich, als es über den Rhein exportierte (das ISE kommt auf einen Wert von 12,2 TWh, es fehlen allerdings Daten vom November und Dezember). Der Anteil der Kernenergie am Strommix beträgt in Frankreich mehr als 70 Prozent. Im Jahr 2013 hatte Frankreich lediglich einen Exportüberschuss von rund zehn Terawattstunden in Richtung Deutschland zu verzeichnen. 2012 waren es rund 11,5 Terawattstunden.

Die vorläufige Import- und Exportbilanz Deutschlands beim Strom im Jahr 2014 zeigt die folgende Grafik:

Die deutsche Handelsbilanz ist beim Strom aber insgesamt positiv. Das heißt: Deutschland exportiert sehr viel mehr Strom ins Ausland, als es importiert. Hauptabnehmer sind die Schweiz, Österreich und die Niederlande.

Der Exportüberschuss zeigt sich auch in der ökonomischen Bilanz. 2013 verdiente Deutschland am Export von Strom rund 3,8 Milliarden Euro, für Einfuhren wurden nur 1,9 Milliarden ausgegeben. Deutschland exportiert seinen Strom zudem etwas teurer, als es ihn importiert. Auch 2014 dürfte also mit einem Plus enden.

Deutschland erzeugt zu viel StromDer Stromexport ist also unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten durchaus sinnvoll. Für die Klimabilanz der deutschen Stromerzeugung ist er das allerdings nicht. Denn Deutschlands Strommarkt ist von drastischen Überkapazitäten geprägt. Ohne die Stromversorgung zu gefährden, könnten die Betreiber bis zu elf kleinere und besonders alte Kohlekraftwerke vom Netz nehmen. Die CO2-Bilanz des deutschen Kraftwerksparks würde sich damit verbessern, die verfügbare Menge für den Export würde allerdings sinken.

Einschränkend muss man hier allerdings sagen, dass sich die gesamteuropäische Klimabilanz dadurch nicht verändern würde. Denn Kraftwerke sind in den Handel mit Emissionszertifikaten eingebunden. Das heißt: Erzeugen Kohlekraftwerke in Deutschland weniger Treibhausgase, können sie zum Beispiel in Polen mehr ausstoßen. Abhilfe würde hier eine Reform des Emissionshandels schaffen.

Insgesamt hat die aus Deutschland in die Nachbarstaaten exportierte Strommenge mit rund 58 Terawattstunden (Zahlen bis Oktober) aber 2014 wahrscheinlich leicht abgenommen. Der gesamte deutsche Stromverbrauch belief sich 2014 voraussichtlich auf 534 TWh.

2013 wurden 77 Terawattstunden exportiert bei einem Exportüberschuss von rund 34 TWh. 2012 exportierte Deutschland 66 Terawattstunden bei einem Exportüberschuss von rund 22 TWh.

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