Energierückgewinnung bei LKW: Wärme aus Auspuff treibt den Motor an

Energierückgewinnung bei LKW: Wärme aus Auspuff treibt den Motor an

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LKW stauen sich - eine Menge Potenzial zum Energiesparen.

von Robyn Schmidt

Ein neues System will aus der Abgaswärme von LKW so viel Energie zurückgewinnen, dass damit ein Mittelklassewagen angetrieben werden könnte.

Spätestens wenn die rechte Autobahnspur wegen der stauenden LKW unbenutzbar wird fällt einem wieder auf, wie viele von ihnen eigentlich unterwegs sind. Fast drei Millionen LKW sind 2016 alleine in Deutschland gemeldet. Hindurch fahren noch deutlich mehr.

Sie alle brauchen nicht nur eine Menge Energie, sondern befördern neben Gütern auch Abgase und CO2 in die Atmosphäre. Ein hoher Energiebedarf bedeutet aber auch ein hohes Einsparpotenzial. Und das will sich ein Team um den Wissenschaftler Arash Risseh von der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm zunutze machen.

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Die Forscher wollen den sogenannten Seebeck-Effekt nutzen, um die LKW etwas grüner zu machen. Der besagt, dass bei einem Stromkreis mit durch Temperaturunterschiede Strom entsteht. Bei dem thermoelektrischen Effekt muss also eine Seite des Stromkreises heiß sein, die andere kalt.

Gesparte Energie würde für einen Passagierwagen reichen

Die Wärme der Abgase bleibt bislang ungenutzt. "Bei einem Truck, der 440 Kilowatt erzeugt, würden rund 132 Kilowatt als Wärme aus dem Auspuff entweichen", erklärt Risseh. "Das ist genug Energie, um einen gewöhnlichen Passagierwagen anzutreiben" - oder über 100 Pedelecs und Elektroroller.

Risseh führt diese Energie wieder dem Motor zu, um diesen zu unterstützen. Um die andere Hälfte des Kreislaufes auf eine niedrigere Temperatur zu kühlen nutzt der Wissenschaftler Wasser. Durch das System kann ein einzelner Truck im Jahr 750 Liter Treibstoff sparen und zwei bis drei Tonnen weniger CO2 ausstoßen.

Seit 2011 forscht das Team an dem System, 2015 gab es erste Ergebnisse. "Das einzigartige an dieser Studie im Vergleich zu anderen ist, dass wir ein komplettes System zur thermoelektrischen Energieerzeugung in einen fahrbaren Truck eingebaut haben", sagt Risseh. Dafür hat das Team mit der Volkswagen-Tochter Scania zusammengearbeitet. Jetzt ist es an der Automobilindustrie, die Technik auch in ihre Fahrzeuge zu übernehmen.

Wirkt auch in der Schifffahrt oder in Rechenzentren

In Zukunft könne das System aber nicht nur bei LKW wirkungsvoll sein, glaubt Risseh. Das Kühlungssystem für Autos zu entwerfen sei recht kompliziert gewesen. Erst müsse man den Stromkreis mit dem Wasser kühlen, anschließend das Wasser durch die äußere Luft. Bei der Schifffahrt könnte das um einiges einfacher sein. Dort hat man natürliche Kühlsysteme: "Man kann die Wärme direkt durch das Meerwasser kühlen, das eine geringere Temperatur als Luft hat."

Alternativ könnte das System auch in Rechenzentren in kalten Regionen für Energieeinsparungen sorgen. Im Norden Schwedens könnte ein Zentrum, das eine Terawattstunde pro Jahr verbraucht, davon rund ein Gigawatt wiedergewinnen. Das entspreche Einsparungen von rund 100.000 Euro.

Einen Blick über die Schulter von Risseh bietet dieses Video der Hochschule:

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