Energiespeicher: Mannheim baut Speicher für die Energiewende

Energiespeicher: Mannheim baut Speicher für die Energiewende

von Wolfgang Kempkens

Bisher fehlen Möglichkeiten, Strom aus Solaranlagen und Windparks zu speichern. Ein Mannheimer Energieversorger zeigt eine Alternative.

Eines der größten Probleme der Energiewende ist bisher, dass kaum geeignete Energiespeicher existieren, um grünen Strom aus Sonne und Wind zu lagern. Ohne solche Technologien gehen bei Wolkenwetter und bei Flaute im schlimmsten Fall die Lichter aus. Um Deutschland künftig mit grüner Energie zu versorgen, sind Speicher also unverzichtbar. Ein solcher entsteht gerade in Mannheim, Spatenstich ist der 26. November.

Dafür baut der örtliche Stromversorger MVV Energie einen riesigen Tank, der für mehrere Stunden Fernwärme speichert. MVV Energie will den Speicher als Ausgleich für das schwankende Angebot an Wind- und Sonnenstrom nutzen. Wenn das Angebot an Grünstrom groß ist, wird das mit Steinkohle betriebene Großkraftwerk Mannheim heruntergefahren. Der Speicher versorgt die Kunden dann weiterhin mit Fernwärme.

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Und so funktioniert es: Der 36 Meter hohe Stahlbehälter fasst 45 Millionen Liter Wasser mit einer Temperatur von maximal 98 Grad Celsius. Der Energieinhalt beträgt 1500 Megawattstunden. Der Speicher, der im Frühherbst nächsten Jahres in Betrieb geht, kann die Versorgung aller Kunden über mehrere Stunden sicherstellen. Die Kosten der Anlage liegen bei rund 27 Millionen Euro. An das Fernwärmenetz sind rund 100000 Haushalte angeschlossen.

Ab 2015, so der Plan, wird der Betrieb noch effektiver. Dann geht mit Block 9 ein 911-Megawatt-Steinkohlekraftwerk in Betrieb, das einen Wirkungsgrad von fast 47 Prozent haben wird. Im Durchschnitt liegen die Steinkohlekraftwerke in Deutschland bei  38 Prozent. Weltweit sind es ganze 30 Prozent. Die neue Anlage, die rund 1,2 Milliarden Euro kostet, emittiert also fast 25 Prozent weniger CO2 als ältere Anlagen. Im Winter, wenn alle Haushalte Fernwärme benötigen, steigt der Gesamtwirkungsgrad auf bis zu 70 Prozent. Zwei Blöcke mit 440 Megawatt und schlechtem Wirkungsgrad werden dann stillgelegt.

Dem Klima hilft das durchaus: Zwar steigen die CO2-Emissionen am Standort Mannheim, weil sich die Gesamtleistung von 1675 auf 2150 Megawatt erhöht. Wegen des besseren Wirkungsgrades reduzieren sich die Emissionen jedoch um jährlich 1,3 Millionen Tonnen CO2, weil anderenorts weniger Kohle benötigt wird, um die gleiche Menge an Strom und Wärme zu produzieren. Naturschützern wie dem BUND reicht das allerdings nicht. Sie lehnen den Neubau von Kohlekraftwerken grundsätzlich ab.

Auch wenn Wind und Sonne sehr viel Strom liefern, kann Block 9 nicht ganz heruntergefahren werden. Die Deutsche Bahn nimmt gut zehn Prozent der Energie ab, die dort produziert wird. Und den Strom  braucht sie immer, damit die Züge im Raum Mannheim nicht stehen bleiben. Aber auch das könnte sich in Zukunft ändern: Wie auch die Deutsche Bahn künftig ganz auf braunen Strom aus Kohle verzichten könnte, ermittelte Greenpeace vergangenes Jahr in einer Studie.

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