Energiespeicher: Steag entwickelt größte deutsche Batterie-Anlage

Energiespeicher: Steag entwickelt größte deutsche Batterie-Anlage

von Wolfgang Kempkens

Steag baut einen Energiespeicher, der mehr Batterieleistung haben soll als alle bisherigen Installationen zusammen.

Mit dem Abschalten eines jeden Kohle- und Kernkraftwerks wird der Bedarf an Speicherbatterien größer. Denn diese sind in der Lage, ohne Zutun des Menschen Schwankungen im Netz auszugleichen.

Der Essener Energiekonzern Steag, groß geworden mit Steinkohlekraftwerken, steigt jetzt in großem Stil in den Regelenergiemarkt ein. Das Unternehmen investiert rund 100 Millionen Euro in sechs Großbatterien mit insgesamt 90 Megawatt. Das übersteigt die gesamte bisher in Deutschland installierte Batterieleistung. Jede der 15-Megawatt-Anlagen ist größer als alle anderen, die in Deutschland in Betrieb sind. Bisheriger Rekordhalter ist ein Großspeicher im brandenburgischen Feldheim mit zehn Megawatt.

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Fürstliche Entlohnung, ganz ohne öffentliche ZuschüsseDie Großbatterien von Steag reagieren sekundenschnell und vollautomatisch auf Schwankungen im Netz, sodass es nicht zusammenbricht, sondern stabilisiert wird. „Speicher und die Schaffung von Flexibilität sind wesentliche Elemente für die Realisierung der Energiewende in Deutschland“, sagt Joachim Rumstadt, Vorsitzender der Geschäftsführung. Deshalb habe sich das Unternehmen zu dieser Investition entschlossen.

Das sei leicht gefallen, weil Regelenergie fürstlich entlohnt wird, ganz gleich, ob Strom abgenommen oder abgegeben wird. Aus diesem Grund wird sich die Investition rentieren, glaubt Rumstadt. Und das ohne öffentliche Zuschüsse. Dafür müssen die Batterien so gefahren werden, dass sie bei Bedarf innerhalb von wenigen Minuten Strom abgeben oder abnehmen können.

Steag muss mit den 100 Millionen Euro zudem eine relativ niedrige Summe investieren. Weil an den künftigen Standorten die komplette Infrastruktur für die Einspeisung von Strom beziehungsweise die Entnahme aus dem Netz bei Überschussproduktion der Wind- und Solaranlagen vorhanden ist, spart Steag einige Bauschritte.

Steag hat schon Erfahrungen gesammeltDie Steag-Großbatterien werden an Kraftwerksstandorten in den Ruhrgebietsstädten Lünen, Herne und Duisburg sowie in den saarländischen Städten Bexbach, Fenne und Weiher errichtet. 2017 sollen sie in Betrieb genommen werden.

Steag betreibt bereits seit 2014 am Kraftwerk Fenne eine Batterie für Regelzwecke. Mit einem Megawatt nimmt sie sich neben den neuen Anlagen wie ein Energie-Zwerg aus. Diesen Speicher hat Steag mit Partnern und finanzieller Unterstützung des Wirtschaftsministeriums selbst entwickelt. Wie die jetzt geplanten Anlagen ist es eine Lithium-Ionen-Batterie.

Die Turbogeneratoren solcher Anlagen sind deshalb als Ausgleich zu den Netzschwankungen geeignet, weil sie mal ein bisschen schneller, mal ein bisschen langsamer laufen. Aufgrund ihrer großen Masse ändert sich die Drehzahl nur langsam. Nur wenn der Stromüberschuss beziehungsweise -mangel im Netz zu groß zu werden droht, müssen die Netzbetreiber zu anderen Mitteln greifen, etwa die Leistung von Steinkohle- und Erdgaskraftwerken verändern, Pumpspeicherkraftwerke einsetzen oder Strom im- oder exportieren.

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