Energiewende 2014: Schluss mit dem Strompreis-Fetischismus!

Energiewende 2014: Schluss mit dem Strompreis-Fetischismus!

von Eike Wenzel

Der Streit um die Kosten der Energiewende führt in eine Sackgasse. Die Regierung muss endlich auf die Erneuerbaren setzen.

Eike Wenzel gilt als einer der renommiertesten deutschen Trend- und Zukunftsforscher und hat sich als erster deutscher Wissenschaftler mit den LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) beschäftigt. An dieser Stelle schreibt er über die Zukunft der Energiewende.

Ökologie ist Ökonomie. Und wirtschaftliche Vernunft – soll es denn zu nachhaltigen Entwicklungsprozessen kommen – muss sich mit dem ökologisch Notwendigen verbünden. In einem ihrer ersten Interviews 2014 hat uns das ausgerechnet noch einmal die Kanzlerin übermittelt. Sie hat das Gelingen der Energiewende zum obersten Ziel ihrer Administration bis 2017 erklärt. Wunderbar!

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Und ausgerechnet das Schlüsselressort, das diese Mammutaufgabe stemmen soll – wird von den Sozialdemokraten (hoffentlich nicht nur) verwaltet. Wir sprechen jetzt von der Energiewende 2.0, wir brauchen eine Wende der Wende (wie hier an dieser Stelle auch schon des Öfteren gefordert). Doch auch die neue Begriffshülse („...2.0“ sind immer Platzhalter für Ratlosigkeit bei gleichzeitigem Innovationsdruck) wird uns nicht weiter bringen, wenn wir uns nicht endlich vom Strompreis-Fetischismus verabschieden.

Hoffnung macht, dass fähige Leute wie beispielsweise Heiner Flasbart, Gert Billen und besonders Rainer Baake für das Umweltministerium ins Boot geholt wurden. Doch bekanntlich kann man auch kritische Geister mundtot machen, indem man sie in Regierungshandeln integriert. Was nutzt der beste Staatssekretär, wenn er sich der Generallinie unterordnen muss, die mit der Devise auftritt: Bremsen, Ausschüsse gründen, Lobbyinteressen bedienen und auf Zeit spielen, bis sich RWE und die anderen Energieriesen endlich auf die neue Situation eingestellt haben.

Auf dem Koalitionsvertrag steht „Deutschlands Zukunft gestalten“. Das ist an sich nichts Aufregendes. Die Floskel begegnet einem ja mittlerweile auf jeder Konferenz. Und was bei den Konferenzen der Fall ist, könnte auch beim Regierungsprogramm schnell zur bitteren Realität werden: Alle hantieren mit der Verheißungsvokabel Zukunft - weil es mittlerweile zum guten Ton gehört. Bei genauerem Hinsehen drehen wir einer Modernisierung des Landes aber gerade den Hahn ab.

Siemens feiert im Ausland die Erfolge

Ein aktuelles Beispiel für die „Energiewende paradox“: Siemens hat kürzlich vom US-Energieversorger MidAmerican einen Auftrag über die Lieferung von 448 Windkraftanlagen erhalten. Diese haben eine Gesamtleistung von 1.050 Megawatt, was der Kapazität eines mittleren Atomkraftwerks entspricht. Der Auftragswert samt des dazugehörigen Service- und Wartungsvertrags liegt bei 1,1 Milliarden Dollar (800 Millionen Euro).

Es ist der weltweit größte Auftrag, der bislang für die Windkraft an Land erteilt wurde. 660.000 US-Haushalte (entspricht einer Stadt wie Köln) werden über diese Windfarm ihren Strom beziehen. Gleichzeitig bremst die GroKo die Weiterentwicklung der Onshore-Windenergie auf dem Heimatmarkt.

Bleibt es dabei, dass nur noch inländische Windkraftanlagen mit einem Ertragswert von 75 bis 80 % zugelassen werden, wird nahezu das gesamte innovationsaffine Süddeutschland von der Zukunftstechnologie abgeschnitten. Die Diskussion um den Strompreis ist ein schaurig-schönes Lehrstück, wie eine Gesellschaft ihre Zukunftsfähigkeit drangibt, wenn der ätzende Populismus des „Verbraucherpreises“ und der „Versorgungssicherheit“ zuschlägt.

Beides sind polemische Vokabeln, die aus dem 20. Jahrhundert stammen. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hat den Menschen in Europa Massenwohlstand gebracht. Das war gut so, geschah aber auf Kosten der Umwelt, der öffentlichen Haushalte und einer nachhaltigeren Ressourcennutzung. Mit den bösen Erneuerbaren werden von interessegeleiteter Industrie- und Politikerseite jetzt archaische Ängste eines Blackouts und von kalten Wohnstuben und Kinderzimmern geschürt.

Heizöl und Benzin ausgeblendet

Dabei lassen sich viele Argumente, die über den Strompreis hergeleitet werden, schnell entkräften. Die entsprechenden Passagen im Koalitionsvertrag (“Die Energiewende ist nicht zum Nulltarif zu haben.”, S.53) erwecken nach wie vor den Eindruck, dass es vor allem die anarchischen, unzuverlässigen, schlechterdings unplanbaren und viel zu teuren Erneuerbaren Energien seien, die einer besseren Lösung im Weg stehen.

Auch hier müssen sich Gabriel und Freunde schnellstens ehrlich machen. Genauso gut lässt sich nämlich anführen, dass es weitere Energiekostentreiber wie Heizöl (Mehrkosten von fast 1.000 Euro jährlich für Altbauhaushalte gegenüber 2003 - Preis für Heizöl doppelt so hoch wie vor zehn Jahren) und Autokraftstoff (Superbenzin im Jahr 2000: 101,8 Cent; 2012: 164,5 Cent) gibt, die im GroKo-Vertrag nicht mit einer Zeile erwähnt werden.

Wer die Energiewende zuallererst über den Preis definiert, der sollte auch dies zur Kenntnis nehmen: Im verarbeitenden Gewerbe (insgesamt 22,4 Prozent des BIP) in Deutschland werden 43 Prozent der Kosten für Energie und Ressourcen aufgewendet, jedoch nur 22 Prozent für Löhne. Ökoeffizienz kann durch einfache Maßnahme die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Ökoeffizienz, konsequent angewendet, kann den Standort Deutschland ganz entscheidend stärken.

Regierung betreibt energiepolitischen Catenaccio

Gabriels Energiewende wird sich erst einmal durch Zeitspiel auszeichnen, energiepolitischer Catenaccio (phantasielose Mauertaktik beim Fußball), Innovationen werden gebremst. Es wird zunächst darum gehen, das ein arg strauchelnder Energieriese wie RWE am Leben bleibt und Arbeitsplätze in den antiquierten Strukturen des Versorgungs-Dinosauriers gerettet werden. In der Rhetorik des Superministers wird das in den kommenden Wochen alles barock mit Verantwortungsrhetorik ausgeschmückt.

Tatsächlich gingen die Sozialdemokraten ja mit der Marke von 75 % Ökostrom bis 2030 in die Koalitionsverhandlungen. Übriggeblieben ist eine deutliche Drosselung auf 40 bzw. 45 % bis 2025. Laut LobbyControl verdankt sich das auch der Brachialintervention von Wolfgang Dirschauer, einem Lobbyisten in Diensten von Vattenfall, der sich per Mail in die Koalitionsverhandlungen einschaltete.

Zukunft macht man anders. Auch in der endgültigen Fassung des Koalitionsvertrags lässt sich der Eindruck nicht wegwischen, dass mit der GroKo die Genossen der Bosse am Werk sind („Beim weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien ist der Kosteneffizienz und Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems einschließlich des Netzausbaus und der notwendigen Reservekapazitäten eine höhere Bedeutung zuzumessen.“, S.50). Und zwar der Bosse aus dem kriselnden Energie-Oligopol.

Es grenzt schon an Paranoia (erfüllt aber seinen Zweck) wenn ein Vattenfall-Sprecher jammert: „Alle heute absehbaren 'Alternativen' sind teurer, verstärken die Importabhängigkeit und exportieren Investitionen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze.“ Der geneigte Leser hat richtig verstanden – ein entschlossenes Vorantreiben der Energiewende, mit dieser Lageeinschätzung geht der Schwedische Konzern zumindest in die bundesdeutsche Öffentlichkeit, sei nicht bezahlbar, mache uns auf mittlere Sicht zu Energiesklaven des Auslands und vernichte massenweise Arbeitsplätze vor der eigenen Haustür.

Wer soll an der Kohle-Renaissance verdienen, außer den Kraftwerksbauern, die mit den neuen Anlagen noch einmal eine Bestandsgarantie über mehr als zehn Jahre erhalten? Aber wer kauft darüber hinaus die CO2-Schleudern – China, Russland?

Energie-Dinos können Zukunft einfach nicht

Wie mit den Energiedinosauriern umgehen? Energiewende 2.0 in der laufenden Legislaturperiode heißt auch: Chancen zum Strategiewandel aufzeigen. Sigmar Gabriels Bekenntnis zur Stützung von RWE hat den Vorzug der Deutlichkeit: die großen Energieversorger müssen jedoch mit Kompetenz und sanfter Gewalt zu ihrem Glück gezwungen werden. Entweder sie mendeln sich in den kommenden Jahren zu Unternehmen, die die Energiewende vorantreiben (und ihre Geschäftsmodelle entsprechend anpassen) – oder sie haben ihre Existenzberechtigung verloren.

Ein Konzern wie RWE befindet sich aktuell in ziemlicher Schieflage, was darauf zurückzuführen ist, dass Strukturwandel und die Erarbeitung eines neuen Strategiedesigns nicht ernstgenommen wurden. Anders gesagt: An neuen Geschäftsmodellen und einem neuen Energiemix wurde halbherzig herumgeschraubt, ohne zu nennenswerten Ergebnissen vorzustoßen. Das Ende vom Lied: Auf dem viel versprechenden Markt der dezentralen Energieversorgung macht RWE zwar 600 Millionen Euro Umsatz, ohne jedoch nennenswerte Gewinne zu erwirtschaften. Dass die Umsatzeinbrüche bei den Kohle- und Gaskraftwerken durch die Konkurrenz der Erneuerbaren zwangsläufig kommen würden, war lange absehbar.

Was an dem Gezerre um das Kohle-Retro wirklich lächerlich ist: Wir ringen um die Zukunft eines modernen Energiesystems, kommen aber zu keinen vernunftgeleiteten Entscheidungen mehr. In dieser Hinsicht liegt Gabriel absolut richtig: Die Diskussion der vergangenen zwei, drei Jahre trägt anarchische Züge. Bislang hat der Energieminister jedoch nicht viel dafür getan, dass „Energie-Anarchie in Germany“ gestoppt worden wäre.

Fünf Argumente für einen besseren Diskurs

Als weltbeste Kohleverbrenner irritieren wir die Weltöffentlichkeit. Gerichte beziehungsweise spitzfindige Klagen von Verbänden und Privatpersonen schaffen vielleicht demnächst die Fakten. Vorläufig hat das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe den Stopp von Garzweiler II abgelehnt. Eine Privatperson hatte auf sein „Recht auf Heimat“ geklagt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erhielt jedoch Recht: Der Verlust einer Obstbaumwiese wurde den Umweltschützern von den Karlsruher Richtern als Verletzung von Eigentumsrecht bescheinigt, was jedoch keine weiteren Konsequenzen hat.

Zukunft machen geht anders: Wir brauchen künftig klare politische Entscheidungen und transparente Willensbildungsprozesse beim Schlüsselthema Energiewende. Weder die Karlsruher Verfassungsrichter, noch die klimavergessenen Strompreis-Fetischisten, noch heimatverbundene Privatpersonen sollten über die Energiewende entscheiden, sondern der politische Diskurs in der bundesdeutschen (und europäischen) Öffentlichkeit.

Fünf Argumente sollten nach unserer Bewertung in den energiestrategischen Debatten der kommenden Monate besonders in den Vordergrund gestellt werden:

1. Wir brauchen endlich europäisches Handeln bei der Zukunftsfrage der Energiewende

Da ist bislang herzlich wenig geschehen. Die Chancen eines europäischen Energie-Internets könnten uns tatsächlich zur Umsetzung der Energiewende 2.0 führen. Denn der flüchtige Charakter von Wind und Solar lässt sich innerhalb der europäischen Geografie und Industrieinfrastruktur ungleich besser ausgleichen.

Was der Superminister hinbekommen muss, wenn er es wirklich ernst meint mit der Energiewende, ist die Europäisierung dieses Vorhabens. Die naheliegenden Gründe dafür – na klar: der Preis. Die Energiewende würde durch ihre Europäisierung (das haben übrigens die Berater aus Rainer Baakes Energie-Thinktank Agora schon 2012 ausgerechnet) günstiger und auch weniger komplex werden.

Wenn wir Europa über den Euro schon versemmelt haben – im Energiesektor könnte ein wahres Einigungsprojekt entstehen, das die weltweite Vormachtstellung der „alten Welt“ bei ökoeffizienten Hochtechnologien unter Beweis stellen und ein epochemachendes Zukunftsprojekt darstellen würde. Die Vorteile von Euro-Energie liegen auf der Hand. Zwei Argumente sind hier besonders wichtig:

- Die Sicherheit der Stromkapazitäten ließen sich dadurch einfacher, ohne Reibungsverluste und absurde Stromexporte garantieren.

- Ein vollständig integrierter europäischer Strommarkt würde darüber hinaus (und auch hier sind wir wieder bei den Preisen) die Börsenpreise stabilisieren und das Preis-Argument stärker in den Hintergrund schieben.

Würde unser Kontinent dergestalt zu einem Energie-Europa zusammenwachsen, ließe sich mit weiteren zähen Energie-Mythen aufräumen. Denn dass Atomkraft tatsächlich keine Zukunft haben sollte, ist eigentlich recht einfach zu begründen: Sie ist schon heute viel teurer als die Erneuerbaren, wie ein Vergleich mit Großbritannien zeigt. Dort will der Energieriese EDF nur dann investieren, wenn für die Kilowattstunde Atomstrom elf Cent plus Inflationsausgleich auf 35 Jahre gezahlt werden. Das aber ist nach Experteneinschätzung um ein Vielfaches teurer als Strom aus Wind und Sonne.

2. Das Energie-Internet ist machbar und längst kein Futurismus mehr

Europa ist eine solche ideelle Kuppelstelle, es birgt die Chance für das Gelingen einer weltweit einzigartigen Energiewende, die von Deutschland ihren Ausgang nahm, aber nicht in einem nationalen Rahmen umgesetzt werden kann

Neben der großen politischen Idee von Euro-Energie sind wir natürlich weiterhin darauf angewiesen, dass diese Energiewende 2.0 in der europäischen Industrierealität tatsächlich schon passiert. Das heißt, dass wir in den nächsten Monaten nicht nur auf die nöhlenden Energieriesen hören sollten, deren Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert. Längst hat der letzte ökofundamentalistische Bedenkenträger kapiert, dass die deutsche Industrie dabei ist, wenn es um die wachstumsfördernde Umsetzung der Energiewende geht.

Das ist keinesfalls selbstverständlich, und wir sollten das als ein starkes Asset in unserem Zukunftshandeln wertschätzen. Wir sollten deshalb Leuchtturmprojekte feiern (und von ihnen lernen), die mit der Europäisierung der Energiewende bereits begonnen haben. Ermutigende Beispiele gibt es bereits: Das Unternehmen „50 Hertz“ hat kürzlich einen sogenannten „Offshore Interkonnenktor“ an den Start gebracht.

Diese kühne Netzwerk-Idee stellt, kurz gesagt, eine flexible Versorgungspipeline über Unterseekabel zur Verfügung, wodurch der stark fluktuierende Strom aus den Offshore-Windparks nach Skandinavien oder nach Deutschland abgeleitet wird, ohne die Erzeugungsmenge des Ökostroms zu reduzieren. Ja, und auch hier liebe Preisfetischisten, tun sich Einsparpotenziale auf. Gehen die Berechnungen von 50 Hertz auf, führt die Interkonnektor-Idee zu deutlich größerer Durchlässigkeit auf dem europäischen Strommarkt und wird sich zwangsläufig in niedrigere Preise auswirken.

Von 2018 an werden zwei 15 Kilometer von einander entfernt liegende Windparks, ein geplanter dänischer Windpark mit 600 Megawatt und der bereits im Bau befindliche deutsche Windpark von EnBW „Baltic Two“ (288 Megawatt Leistung), miteinander gekoppelt. Die Drosselung von Stromerzeugung bei Starkwind könnte dank des Interkonnektors schon bald der Vergangenheit angehören.

Leitungen nach Polen und Tschechien sind ebenfalls in Planung, die Verträge seien laut 50 Hertz unterschriftsreif. Die EU beteiligt sich an diesem Projekt mit einer 150 Millionen Euro Förderung an dem Pilotprojekt. Diesem Projekt müssen noch viele weitere Projekte folgen, denn im Netzwerk, in Zusammenhängen gibt es immer einen Ausweg, steckt immer das Potenzial für bislang nicht für möglich gehaltene Verknüpfungen und Allianzen.

3. Wir alle müssen mit Strom intelligenter und vorausschauender umgehen

Und noch ein Argument in die Richtung der Preisfetischisten: Wenn es uns gelingt, jede Kilowattstunde produktiver zu machen, dann leisten wir einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende. Wie könnte das funktionieren? Ganz einfach: Indem wir weniger Strom verbrauchen, in unserem Lebensstil, beim Bauen unserer Häuser und bei der Nutzung von Mobilität.

4. In der neuen Legislaturperiode brauchen wir unbedingt eine holistische Betrachtung des Energie- und Rohstoffsektors

Das heißt in einem ersten Schritt ganz einfach einmal, dass die Energiewende 2.0 vor dem Hintergrund einer systemischen Integration von Energie-, Wärme-, Transport- und Mobilitätsnutzung vorangetrieben werden muss.

Hier sollten endlich auch einmal Standards kommuniziert werden, die von den bekannten Henne-Ei-Diskussionen wegführen: „Verhalte ich mich energieeffizient, wenn ich auf Elektromobilität umsteigen und dabei den Stromverbraucherhöhe“...etc. 130.000 Mitglieder engagieren sich in Deutschland in Energiegenossenschaften, 1,2 Milliarden Euro wurden bereits in Bürgerkraftwerke investiert, die immerhin 160.000 Haushalte versorgen. Die Zeiten des einseitigen Versorgungskonsums sind vorbei, neue Geschäftsmodelle unausweichlich. Das muss gerade nicht nur ein Handelskonzern wie Karstadt lernen, das werden auch die Energiemonopolisten E.on, EnBW, RWE und Vattenfall lernen müssen.

5. Der Zuwachs bei den Eneuerbaren ist keineswegs gestoppt, ihre globale Ausbreitung steht erst noch bevor

Die verschlafene und satte Geschäftspolitik der PV-Branche anzuprangern, ist dabei das eine – den Zukunftsmarkt Solar 2.0 zu verpassen, wäre für Deutschland indes eine industriepolitische Katastrophe.

Vor einigen Monaten habe ich an dieser Stelle vor einer Beerdigung der deutschen Solarindustrie gewarnt. Denn deutlich zeichnete sich ab, dass die Innovationsdynamik in der Technologie nach wie vor hoch ist und ein Ende der Optimierung des Wirkungsgrades der Solarpaneele nicht absehbar. Aktuell ruft die Deutsche Bank das Jahr 2014 als Jahr des weltweiten Solarbooms aus. Wie in anderen Branchen auch, wäre es fährlässig, von einem innovativen Hochgeschwindigkeitszug abzuspringen, der uns definitive in die Zukunft bringen wird.

Jetzt nehmen wir mit Erstaunen den Solarboom in den USA zur Kenntnis. Solarenergie erzeugt dort erst 0,2 Prozent des gesamten Stromangebots. Doch zwischen 2010 und 2012 hat sich die installierte Kapazität der Solaranlagen verdoppelt, zwischen 2012 und 2013 gab es noch einmal einen Zuwachs um 70 Prozent. WalMart, das größte Einzelhandelsunternehmen der Welt, hat bereits fünf Prozent seiner riesigen Läden mit Solarpaneelen ausgestattet. Der Plan ist, die insgesamt 4.500 Stores in den USA bis 2020 mit 100 Prozent erneuerbarer Energie zu betreiben. Schon jetzt, so vermuten Insider, spart WalMart bares Geld durch sein Renewables-Programm.

Selbstquälerisch, verzagt und unentschlossen verbauen wir uns dagegen immer mehr die Chancen einer ökologisch-ökonomischen Erneuerung unserer Wirtschaftsordnung. Es bleibt höchst fragwürdig, ob in der GroKo die Energiewende aufs richtige Gleis gesetzt wird.

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