Energiewende 2033: Zu viel Solar wird richtig teuer

Energiewende 2033: Zu viel Solar wird richtig teuer

von Benjamin Reuter

Energiewende-Studie: Der Netzausbau ist vorerst egal, zu viel Sonnenergie treibt die Kosten und dezentral funktioniert es auch. Politiker, bitte lesen!

Schon vor einigen Monaten haben wir bei WiWo Green erste Ergebnisse einer Studie des Berliner Think-Tanks Agora Energiewende zum Ausbau der Erneuerbaren vorgestellt. Drei der wichtigsten Erkenntnisse damals:

1. Wird bis 2023 auf den Ausbau der Offshore Windkraft weitgehend verzichtet und stattdessen in Wind- und Solaranlagen an Land investiert, lassen sich pro Jahr rund zwei Milliarden Euro sparen. Das sind rund zehn Prozent der aktuellen jährlichen Gesamtkosten der Energiewende.

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2. Investitionen in die besten Standorte an Land – Wind in Norddeutschland und Sonne im Süden – sind etwas günstiger, als der Ausbau von Windanlagen an verbrauchernahen Standorten. Es ist also billiger Stromleitungen von Norddeutschland in den Süden zu legen, als die Windräder im Süden nahe den Industriezentren zu bauen. Für Solaranlagen gilt das umgekehrt. Erneuerbare an den besten Standorten zu installieren, spart rund 100 Millionen Euro jährlich.

3. Die Modelle der Studie zeigen, dass ein verzögerter Netzausbau bei gleichzeitigem starken Ausbau der Windkraft an Land pro Jahr ganze 14 Terawattstunden Strom verschwenden würde. Die Anlagen müssten wegen Überlastung der Netze abgeregelt werden.

Ziele der Bundesregierung gut gewählt?Nun hat Agora Energiewende mit 72 Seiten die endgültige Fassung des Reports vorgelegt (als Download hier verfügbar). Neben den Ergebnissen, die schon im März präsentiert wurden, gibt es jetzt eine Reihe weiterer interessanter Fakten, die die Experten auf Grundlage von umfangreichen Energiesystemdaten ermittelt haben. Darunter sind:

1. Während der Ausbau der Netze langfristig wichtig ist, ist ein verzögerter Netzausbau bei alleiniger Betrachtung der Kosten bis 2023 nicht kritisch. Dazu heißt es in der Studie: Zwar müsste bei fehlenden Netzen mehr Windstrom im Norden Deutschlands abgeregelt werden, aber die Kosten dafür sind ungefähr so hoch wie der Ausbau der Netze.

2. Äußerst interessant sind auch die Ergebnisse zum Thema Photovoltaik. Die Experten haben sich nämlich angesehen, wie ein kostenoptimaler Ausbau der Erneuerbaren Energien bis 2033 aussehen könnte. Das Resultat sind drei Szenarien, in denen jeweils der Stromverbrauch zu mehr als 60 Prozent durch Erneuerbare (Wind On- und Offshore plus Solar) gedeckt wird. 

Im ersten Szenario wird PV nur an den sonnenreichsten Standorten in Deutschland gebaut. Der Vorteil: Der Strom hat es nicht weit in die Industriezentren im Süden und er ist vergleichsweise günstig. Für dieses Ausbauszenario genügen 2033 52 Gigawatt installierte Leistung. Das ist genau das Ziel, das sich auch die Bundesregierung mit ihrem Förderstopp gesetzt hat. Derzeit sind schon mehr als 30 Gigawatt am Netz - der Ausbau der Solarenergie könnte in den kommenden Jahren also gedrosselt werden.

Im zweiten Szenario wird auf die verbrauchernahe Erzeugung von PV gesetzt - sprich, auch in NRW und im dunklen Norden Deutschland werden die Dächer mit Modulen besetzt. In diesem Szenario könnte man mehr als 70 Gigawatt PV-Leistung installieren und zum Teil auf den Bau von Windkraftanlagen auf dem Meer verzichten. Die Kosten für die Energieerzeugung würden im Vergleich zum ersten Szenario aber insgesamt um bis zu 800 Millionen Euro pro Jahr steigen.

Und es gibt noch ein drittes Szenario: Nämlich eine Versorgung vor allem mit Solarnergie. In diesem Fall würde bis 2033 eine Leistung von 150 Gigawatt Solar installiert und Batteriespeicher mit einer Kapazität von 40 GW. Spannend hierbei, wie die Autoren schreiben: "Die Simulation hat gezeigt, dass ein solches Stromsystem unter rein technischen Gesichtspunkten möglich ist und kein grundsätzliches Risiko für die Sicherheit der Stromversorgung in Deutschland darstellt." Aber: Um konkurrenzfähig zu den anderen Szenarien zu sein, müssten die Kosten für PV und Speicher bis dahin um 80 Prozent sinken!

Das Fazit der Agora-Studie lautet also:Erstens: Ob man Netze ausbaut oder die regionale Stromerzeugung fördert, ändert an den Gesamtkosten nicht viel. Zweitens: Der Ausbau der Offshore-Windkraft sollte zwar nicht eingestellt, aber doch stark eingeschränkt werden, um Geld zu sparen. Drittens: Wenn sich der Ausbau der Netze verzögert, ist das für die Energiewende kein Beinbruch. Und viertens: Zu viel Sonnenenergie könnte richtig teuer werden. Politikern sei diese Studie ans Herz gelegt!

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