Energiewende: Bauen Engländer den billigsten Stromspeicher der Welt?

Energiewende: Bauen Engländer den billigsten Stromspeicher der Welt?

von Wolfgang Kempkens

Ein britisches Startup arbeitet an einem konkurrenzlos günstigen Stromspeicher. Das Material der Wahl: Schottersteine.

Noch hat die Energiewende ein riesiges Problem: Falls die Bundesregierung ihr Ausbauziel von 80 Prozent grünen Energieträgern im Jahr 2050 erreicht, müsste ein riesiger Kraftwerkspark für den Fall bereitgehalten werden, dass Wind und Sonne einmal länger keinen Strom liefern. Das wäre teuer. Eine andere Möglichkeit sind Stromspeicher - doch hier fehlt es bisher an der nötigen Technik, die im großen Stil ausbaubar wäre.

Doch eine Lösung könnte jetzt aus England kommen.

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Mit einer speziellen Wärmepumpe wollen britische Ingenieure Überschussstrom aus Wind- und Solarkraftwerken nun konkurrenzlos günstig speichern. Die Kosten sollen pro Kilowattstunde mit etwa drei Eurocent noch unter den Preisen an der deutschen Strombörse liegen. Und vor allem: Der Strom wäre damit genauso billig wie der aus den günstigsten deutschen Pumpspeicherkraftwerken - ohne deren massive Eingriffe in die Natur.

Einen Prototypen hat das Jungunternehmen Isentropic Energy aus dem englischen Cambridge bereits vorgestellt und damit überzeugt. Das von der britischen Regierung finanzierte Energy Technologies Institute (ETI) stellte dem Startup umgerechnet 17 Millionen Euro für die Weiterentwicklung zur Verfügung.

Strom per Wärme in Schotter speichern

Und so funktioniert die Technik: Der Speicher besteht aus zwei gut isolierten Behältern, die mit schlichtem Bahnschotte gefüllt sind. Einer davon hat eine Temperatur von minus 160 Grad Celsius, der andere von bis zu 500 Grad. Beladen wird der Speicher von einer Wärmepumpe, die mit Überschussstrom aus Wind- und Sonnenanlagen angetrieben wird. Sie komprimiert das Edelgas Argon, das sich extrem erhitzt. Es strömt in den heißen Speicher und gibt seine Energie über einen Wärmetauscher an die Schottersteine ab. Wenn Strommangel herrscht, kehrt sich der Prozess um. Das extreme Temperaturgefälle lässt die Pumpe jetzt rotieren. Der angeschlossene Generator erzeugt Strom.

Ganz neu ist die Idee der Engländer allerdings nicht. Aber während die 1860 erstmals laufende Maschine eines schwedischen Ingenieurs noch einen miserablen Wirkungsgrad hatte, erreichen die der Briten bis zu 80 Prozent. Dass gelang ihnen, indem sie jedes technische Detail so konstruierten, das möglichst wenig Energie verlorengeht. Dazu gehören beispielsweise effektivere Ventile und Wärmetauscher.

Nächstes Ziel ist der Bau eines 1,5-Megawatt-Speichers, aus dem sich 6000 Kilowattstunden abzapfen lassen. Er soll in das Netz des Stromversorgers Western Power Distribution integriert werden, der 7,8 Millionen Kunden in den Midlands und in Wales versorgt. Speicherstrom werde nur selten länger als drei Stunden benötigt, so Mark Wagner, Chairman von Isentropic. Dann seien Flauten meist überwunden.

Der Isentropic-Speicher ist wegen seiner Größe nicht für das Ein-Familien-Haus geeignet. Gedacht ist er zur Stabilisierung von Netzen, in die häufig schwankenden Grünstrom-Mengen eingespeist werden.

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