Energiewende: Berliner Startup plant Großbatterien in Deutschland

Energiewende: Berliner Startup plant Großbatterien in Deutschland

von Benjamin Reuter

Das Berliner Startup Younicos will mit Akkus von Samsung riesige Speicherparks errichten.

Wie lange haben die Experten sich die Köpfe zerbrochen, wie viele Pilotprojekte sind schon ins Land gegangen? Das Thema Energiespeicher gehört zweifellos zu den spannendsten und wichtigsten im Bereich der Energiewende – bisher bewegte sich die Diskussion über die verschiedenen Technologien und Anwendungsgebiete aber hauptsächlich im Theoretischen.

Das ändert sich nun. Einmal wegen der Förderung durch die Bundesregierung von Kellerakkus (Details hier). Zum Zweiten aber wegen eines Projekts, das in vielerlei Hinsicht überrascht.

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Und darum geht es: Gerade gab das winzige Berliner Startup Younicos bekannt, dass es mit der Speichersparte des koreanischen Technikriesen Samsung mehrere große Batterieprojekte in Europa startet. Darunter wohl auch mindestens zwei in Deutschland.

Younicos testet mit seinen 60 Mitarbeitern seit rund sechs Jahren, wie sich verschiedene Batterietechnologien künftig am besten in ein Energiesystem einbinden lassen, das hauptsächlich auf Erneuerbare setzt. Bekannt ist ja, dass Sonne und Wind Pausen machen – auch in denen brauchen die Menschen Strom. Bisher war nur nicht klar, mit welcher Technologie er am sinnvollsten zu lagern ist.

Erste Anwendung: Den Puls im Netz stabil haltenClemens Triebel, einer der Younicos-Gründer und Technikchef bei dem Unternehmen, setzte von Anfang an auf Batterien, um den Grünstrom zu speichern.

Er schätzt, dass bis zu einem Sonne-und-Wind-Anteil von sechzig Prozent im Stromnetz Batterien als Speicher genügen – denn sie schaffen es, einige Stunden Flaute zu überbrücken. Erst bei größeren Anteilen von Erneuerbaren sollten auch Verfahren wie die Umwandlung von Strom in Gas (Stichwort Power-to-Gas) zum Einsatz kommen, sagt er.

Schön und gut. Das Problem von Batterien und eigentlich alle anderen Speichern (außer Pumpspeichern) ist aber derzeit noch, dass sie sich schlicht nicht rentieren. Doch Younicos hat nun zusammen mit Samsung eine Anwendung für große Lithium-Ionen-Akkus gefunden (die stecken auch in Handys und Elektroautos), bei der sie schon jetzt einigermaßen wirtschaftlich sind: Nämlich, um die Stromnetze stabil zu halten.

Bisher ist es so, dass Kohle- und Gaskraftwerke die Frequenz im Netz beruhigen. Vereinfacht gesagt, haben die Stromnetze einen stetigen Puls – eine Frequenz von 50 Hertz – der möglichst nicht zu stark schwanken sollte. Sonst droht im übertragenen Sinne Herzrasen und ein Infarkt des Stromnetzes. Und dann: Blackout.

Wenn nun im Zuge der Energiewende immer mehr fossile Kraftwerke vom Netz gehen, wer hält dann den Puls stabil? Younicos will eben das mit Batterieparks schaffen, die nur für Sekunden und Minuten Strom speichern und ihn wieder abgeben (in der Fachsprache nennt sich das Primärregelleistung). Ein erster kleiner Batteriepark von einem Megawatt Leistung ist in Berlin schon in Betrieb. Er wird vom Energieversorger Vattenfall zur Netzstabilisierung genutzt.

Nun will Younicos aber mit den Akkus von Samsung Speicher mit der zehnfachen Größe und einer Kapazität von 10 Megawattstunden bauen. Ein sehr konkretes Projekt scheint es schon in einer Stadt in Norddeutschland zu geben - über Details schweigt Younicos noch. Es wäre in Deutschland aktuell das größte Projekt seiner Art. Ein solcher Batteriepark hätte ungefähr die Dimensionen einer Turnhalle.

Und diese Großbatterien sollen sich spätestens 2015 auch rentieren: Denn dann, so rechnet es jedenfalls Samsung vor, seien die Preise für die Akkus so weit gesunken, dass sie sich im Regelenergiemarkt behaupten können. Noch müssten bei den aktuellen Projekten aber ungefähr ein Fünftel der Kosten mit Fördergeldern gedeckt werden. Bisher kostet ein großer Batteriepark, wie ihn Samsung und Younicos planen, 15 Millionen Euro.

Bis 2020 sollen sich die Preise dann auf ein Drittel der heutigen Kosten verringern, sagt Samsung.

Das Konzept von Younicos und Samsung über den Regelenergiemarkt die Akkus zu etablieren, ist also durchaus originell – denn es ist die erste Anwendung, bei der sich Großbatterien zumindest heute schon einigermaßen behaupten können.

Stimmen die Rechnungen von Samsung, dann könnten Lithium-Ionen-Akkus in einigen Jahren auch ohne Subventionen im großen Stil die Keller und Elektroautos erobern – und wären damit endgültig raus aus der Nische und Teil der Energiewende.

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