Energiewende: Darum wird die EEG-Umlage weiter ansteigen

Energiewende: Darum wird die EEG-Umlage weiter ansteigen

Zwar sinkt die EEG-Umlage 2015 leicht ab. In den nächsten Jahren kommen jedoch weitere Kostenwellen auf die Stromkunden zu. Ein Gastbeitrag.

Thorsten Grenz ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität Kiel und Geschäftsführender Gesellschafter der KIMBRIA Gesellschaft für Beteiligung- und Beratung GmbH, die unter anderem im Bereich der Erneuerbaren Energien tätig ist.

„Die EEG-Umlage sinkt erstmals!“ – dieser positive Tenor begleitet die Bekanntgabe der EEG-Umlage für das Jahr 2015. Doch die Feststellung gleicht der Freude eines Übergewichtigen, dessen Waage die ersten „Erfolge“ der grade begonnenen Diät anzeigt – allerdings hat der Übergewichtige dieses Mal vor dem Wiegen den Bademantel abgelegt. Eigentlich müsste gelten: Entspricht der Gewichtsverlust dem Gewicht des Bademantels, so ist überhaupt kein Erfolg zu verzeichnen.

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Ähnlich trügerisch entwickelt sich die EEG-Umlage. Ihr Rückgang bleibt mit grade einmal 0,07 Cent deutlich hinter dem zurück, was bei stabilen Kosten zu erwarten gewesen wäre. Das Jahr 2015 profitiert nämlich von gleich zwei positiven Einmaleffekten: periodenfremde und außerordentliche Posten, die die Jahre 2013 und 2014 belastet haben, fallen 2015 absehbar nicht an.

EEG-Umlage wächst um einen weiteren CentWorum handelt es sich dabei? Zum einen wurden in den Jahren 2013 und 2014 Zusatzbeträge fällig, weil die EEG-Umlage für das Jahr 2012 deutlich zu gering angesetzt wurde, was zu einer Unterdeckung in Höhe von etwa drei Milliarden Euro führte. Diese Lücke musste aufgefüllt werden und ist nun geschlossen. Zum anderen wurde im Jahr 2014 eine Liquiditätsreserve aufgebaut, die jetzt in der angestrebten Höhe vorhanden ist und keiner weiteren Zuführungen mehr bedarf.

Diese beiden Posten wiegen schwer und machen zusammen gut einen Cent aus: um diesen Betrag hätte die EEG-Umlage mindestens fallen müssen, wollte man tatsächlich von einem Rückgang sprechen. Oder anders: Bereinigt um die einmaligen Entlastungseffekte erhöht sich die EEG-Umlage für 2015 um etwa einen weiteren Cent.

Neue Kostenwellen rollen heranDoch dabei bleibt es nicht, denn weitere Kostenwellen rollen heran. Die ersten stecken im Netzausbau. Diese werden in den aktuellen Netz-Entwicklungsplänen auf mindestens 38 Milliarden Euro taxiert. Investitionen plus Betriebskosten werden zukünftig auf die Stromkunden umgelegt und deren Belastung erhöhen. Schon kalkulieren Gutachter der vier Übertragungsnetzbetreiber für 2016 bei der EEG-Umlage mit einem Maximalwert von 7,27 Cent pro Kilowattstunde.

Die zweite Kostenwelle verursachen die neu erdachten sogenannten „Kapazitätsmärkte“. Die Wortschöpfung meint eine Prämie für Versorgungssicherheit. Diese werden zukünftig wohl die Betreiber konventioneller Kraftwerke dafür erhalten, dass sie mit ihrer verlässlich verfügbaren Leistung einspringen können, wenn nicht genug Strom aus Erneuerbaren anfällt. Diese Leistung wird heute nicht angemessen vergütet – wie auch immer diese Kapazitätsmärkte konkret ausgestaltet werden, auch sie werden den Stromkunden zusätzlich belasten.

Und schließlich: Der weiter steigende Anteil von Erneuerbarer Energie am Strommix lässt erwarten, dass die Preise an der Strombörse weiter sinken, da immer mehr Erneuerbare mit sehr niedrigen Grenzkosten preisbestimmend werden. Ein Rückgang des Börsenpreises führt im heutigen System dann automatisch zu einer Erhöhung der Umlage, da die Vergütung an die Produzenten des Stroms durch das EEG festgeschrieben ist.

Die ersten beiden Kostenwellen sind schon klar zu sehen, die dritte ist zumindest wahrscheinlich. Das unterstreicht, wie wichtig und dringlich die mit den ersten Reformschritten des novellierten EEG gezogene Kostenbremse bei der Stromerzeugung war; zugleich wird ebenso deutlich, dass die bisherigen Reformschritte nicht ausreichen, um die sich weiter auftürmende Stromkostenwelle zu brechen.

Reformen bei den Erneuerbaren dringend nötigDafür braucht es grundlegende Reformschritte, die eine strukturelle Schwäche des Systems der Erneuerbaren Energien überwinden: Bei den Erneuerbaren hat sich der Preis nie durch Angebot und Nachfrage auf funktionierenden Märkten gebildet – es gelten administrativ festgelegte Kostensätze und Subventionen.

Diese haben schon eine Fülle von Widersprüche und Ineffizienzen heraufbeschworen, wie Netzkosten, die nicht dem Verursacher zugeordnet sind und Verbraucher in bestimmten Landesteilen unangemessen belasten; Fördersätze für die verschiedenen Erneuerbaren Energien, die ihre unterschiedlichen Beiträge zur Versorgungsqualität nicht berücksichtigen; Eigenstrom aus Industriekraftwerken, dem die Belastung mit EEG-Umlage droht, obwohl er die Netze nicht nutzt; das Nebeneinander von risikolosen Gewinnen und abrupt zerstörten Geschäftsmodellen, z.B. auch die von modernen Gaskraftwerken – und natürlich die umfangreichen Preiserleichterungen für Großabnehmer.

Fehlende oder verzerrte Preise führen regelmäßig zu Ineffizienz und Verschwendung von Ressourcen. Gerade bei einem Projekt wie der Energiewende, das Nachhaltigkeit zum Ziel hat, sollten wir uns diese Fehlsteuerung nicht weiter leisten: Marktkräften muss wieder Geltung verschafft werden, um ein Gleichgewicht aus Erneuerbaren Energien, Versorgungssicherheit und Preisstabilität zu finden. Ein geeigneter Startpunkt ist die marktorientierte Ermittlung der „Prämie für Versorgungssicherheit“ an den Kapazitätsmärkten.

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