Energiewende: Der große Flop mit den Stromspeichern

Energiewende: Der große Flop mit den Stromspeichern

von Wolfgang Kempkens

Die Bundesregierung hat ein ambitioniertes Förderprogramm für Stromspeicher gestartet - gebracht hat es der Energiewende bisher wenig.

Seit Jahren fordern Experten die Bundesregierung auf, dass mehr für die Förderung von Energiespeichern getan werden müsse. Das ist auch sinnvoll. Denn nur, wenn sich grüner Strom aus Wind- und Solaranlagen in Zukunft auch lagern lässt, kann die Energiewende gelingen.

Lange passierte aber nur wenig im Bereich der Speicher. Dann brachten in den vergangenen Monaten die ersten Unternehmen tatsächlich Akkus auf den Markt, mit denen Besitzer von Solaranlagen ihre Energie speichern können. Die Idee: Mittags, wenn die Sonne scheint, wird der Strom für Abends eingelagert. Die meiste Zeit des Jahres können Eigenheimbesitzer damit ihren eigenen Strom verbrauchen.

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Um diese Speicher schneller in den Markt zu integrieren, setzte die Bundesregierung ein Förderprogramm für die Solarbürger auf. Das Problem: Bisher ist es ein ziemlicher Flop.

Vier Monate alt ist das Förderprogramm für Solarbatterien jetzt. 30 Prozent der Investitionskosten für den Speicher trägt der Staat, den Rest finanziert die KfW-Bankengruppe über einen Kredit. Klingt traumhaft. Doch nur wenig mehr als 1000 Batterien wurden bisher installiert. Das liegt an den Haken, die das Programm hat.

Falsch gerechnetIn den Genuss der Finanzhilfe kommen nur die, deren Solaranlagen in diesem Jahr erbaut worden sind beziehungsweise noch errichtet werden. Die Einspeisevergütung für Solarstrom liegt derzeit bei 17 Cent pro Kilowattstunden für Januar- und knapp 15 Cent für Augustanlagen. Jeden Monat sinkt die Vergütung für Neuanlagen um 1,8 Prozent.

Altanlagenbetreiber, die bis heute mehr als 40 Cent kassieren, würden das Angebot mit Kusshand nehmen. Ein Vier-Personen-Haushalt, der etwa 4000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht, kann allenfalls 30 Prozent des selbst erzeugten Stroms auch selbst verbrauchen.

Beim heutigen Preis von 25 Cent pro Kilowattstunde muss er also noch für 840 Euro Strom aus der Steckdose dazukaufen. Mit Batterie würde sich das Verhältnis umkehren. Er müsste nur noch 300 Euro für Fremdstrom ausgeben, kassierte aber immer noch gut 800 Euro als Einspeisevergütung. Da rentiert sich eine 10.000-Euro-Solarbatterie in überschaubarer Zeit.

Bei einer Anlage, die in diesem Jahr errichtet worden ist oder noch gebaut wird, sieht die Rechnung anders aus. Eine Fotovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von vier Kilowatt kostet rund 8000 Euro. Die zugehörige Batterie schlägt unter Berücksichtigung der Förderung mit rund 9400 Euro zu Buche. Das liegt daran, dass die Förderung von 30 Prozent, die das Programm verspricht, gedeckelt ist - nämlich auf niedrige 660 Euro. Attraktiver wird das Programm dadurch nicht.

Für Strom aus dem Netz fallen statt 1200 zwar nur noch 300 Euro pro Jahr an. Die Einspeisevergütung brächte aber kaum noch 200 Euro. Da rückt die Amortisation in weite Ferne.

Mittags müssen alle Hausgeräte laufenZudem gibt es noch einen besonderen Haken. Wenn der Staat schon zahlt, soll auch das Netz etwas davon haben - verständlich. An sonnigen Tagen ist eine Solarbatterie schon zur Mittagszeit prall gefüllt. Der Strom, der dann noch produziert wird, fließt ins Netz, dass genau dann schon überlastet ist, weil es aus Millionen Solaranlagen gefüttert wird.

Deshalb gibt es Förderung und günstige Finanzierung nur, wenn das Energiemanagementsystem so ausgelegt ist, dass in den Mittagsstunden die Batterie geladen oder der Strom direkt selbst verbraucht wird. Da hilft nur eins: Spül- und Waschmaschine an, möglichst auch noch der Wäschetrockner, der bei schönem Wetter eigentlich Pause haben müsste.

Vorteil für die Netzbetreiber: Die Einspeisespitze zur Mittagszeit wird gekappt, allerdings erst dann, wenn es hunderttausende Batterien gibt, die diese Auflage erfüllen.

Und noch ein anderes Ziel verfolgt das Förderprogramm: Mit steigender Verbreitung von Solarbatterien sollten auch die Marktpreise sinken, meint Axel Nawrath, Vorstandsmitglied der KfW-Bankengruppe.

Das glaubt auch die Batterieexpertin Margret Wohlfahrt-Mehrens vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg in Stuttgart. Sie erwartet eine Halbierung der Speicherkosten bis 2015. „Dann werden Lithium-Ionen-Speicher sich lohnen”, glaubt sie. Voraussetzung ist allerdings, dass das Förderprogramm der Bundesregierung dann auch wirklich zieht - wenn es nicht vorher wegen zu wenig Nachfrage eingestampft wird.

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