Energiewende: Erneuerbare decken 75 Prozent des Strombedarfs

Energiewende: Erneuerbare decken 75 Prozent des Strombedarfs

von Benjamin Reuter

Deutschland versorgt sich zunehmend mit Grünstrom. Am Sonntag erreichte die Produktion einen neuen Rekord.

Die Erneuerbaren Energien eilen von einem Rekord zum nächsten. Nachdem sie im Mai schon einmal 73 Prozent Anteil an der Stromerzeugung hatten, haben sie am Sonntag nun die 75 Prozent Marke durchbrochen.

Am frühen Nachmittag lieferten Windräder, Solarpanele, Wasserkraftwerke und Biomasseanlagen rund 40 Gigawatt Leistung in das Stromnetz. Die Stromnachfrage lag in der Zeit bei rund 53 Gigawatt. Die konventionellen Kraftwerke (Atom, Kohle und Erdgas) waren mit knapp 23 Gigawatt am Netz.

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Trend geht zu mehr ErneuerbarenBisher sind solche Werte allerdings die Ausnahme, denn der Sonntag war sowohl sehr sonnig und windig, außerdem verbrauchten die Deutschen nur wenig Strom. An Werktagen bewegt sich die Nachfrage eher im Bereich von 70 Gigawatt.

Der Sonntag zeigt dennoch beispielhaft, in welche Richtung die Entwicklung im deutschen Strommarkt geht. Von Januar bis Ende Juli 2014 haben Wind, Sonne, Wasserkraft und Biomasse rund 93 Terawattstunden Strom produziert. Konventionelle Kraftwerke lieferten knapp 208 Terawattstunden. Der Anteil der Erneuerbaren an der Gesamtstromproduktion lag also bei rund 30 Prozent. 2013 hatte er noch 25 Prozent betragen (die Daten veröffentlicht das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg).

Immer häufiger decken die Erneuerbaren also immer größere Teile der Nachfrage. Den Erzeugern von konventionellem Strom bleibt nichts anderes übrig, als ihre Kraftwerke abzuschalten (weil Grünstrom im Netz Vorfahrt hat) oder Energie in Deutschlands Nachbarstaaten zu exportieren, wie es am Sonntag wieder im großen Stil geschah.

Flexible Strompreise nötigSo erfreulich die Entwicklung für alle Verfechter der Energiewende ist, sie zeigt aber auch die Dringlichkeit von Reformen im Strommarkt. Alte Kohlekraftwerke, die nicht flexibel auf die schwankende Einspeisung von Wind- und Solarstrom reagieren können, müssen vom Netz genommen werden. Das würde Platz machen für moderne, effiziente Kohle- und Gaskraftwerke (die Strom allerdings teurer produzieren als die Methusalemmeiler).

Zudem müssen die Unternehmen auch das Stromnetz weiter technologisieren. Großverbraucher aus der Industrie müssen in die Lage versetzt werden, bei einer Unterproduktion von Strom ihre Energiefresser vom Netz zu nehmen (Stichwort Demand-Side-Management). Dafür könnten sie von den Netzbetreibern auch entlohnt werden, die Unternehmen – zum Beispiel Betreiber von Kühlhäusern – würden also profitieren.

Hinzu muss eine europaweite Vereinheitlichung des Strommarkts kommen, sodass die Stromproduktion in Europa koordiniert wird und Kapazitäten besser genutzt werden. So bietet sich Norwegen und Mitteleuropa wegen der bergigen Topographie als "Batterie Europas" an. Die Betreiber von Wasserkraftwerken könnten Überschussstrom für eine spätere Verwendung zwischenlagern.

Als eine weitere Möglichkeit, die Nachfrage mit der schwankenden Einspeisung abzugleichen, könnten die Energieunternehmen flexible Strompreise für Haushalte einführen: Produzieren Kraftwerke viel Strom, sinkt der Preis pro Kilowattstunde – ist wenig im Netz, steigt er. Dass Verbraucher darauf reagieren, zeigte erst kürzlich ein vom Bundesministerium für Wirtschaft koordiniertes Modellprojekt (PDF).

Korrektur: In einer früheren Version war der Anteil der Erneuerbaren mit 44 Prozent für die ersten sieben Monaten 2014 angeben. Es sind aber nur rund 30 Prozent.

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