Energiewende-Index: Deutschland mit Problemen beim Klimaschutz

Energiewende-Index: Deutschland mit Problemen beim Klimaschutz

von Wolfgang Kempkens

McKinsey beobachtet mehrere Indikatoren der Energiewende. Die Emissionen machen dabei Probleme.

Die Bundesregierung hat zuletzt sehr konkrete Werte genannt, wenn es um den Klimaschutz ging: Auf 739 Millionen sogenannte Äquivalenttonnen Kohlendioxid (CO2e) wolle sie den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren, darunter also auch Gase mit einer vergleichbaren Wirkung wie das vielzitierte CO2.

Und das bis 2020. Völlig unrealistisch sei das Ziel, urteilt nun die Unternehmensberatung McKinsey. Dazu müsste der Ausstoß, den McKinsey auf derzeit 920 Millionen Tonnen ansetzt, in den nächsten vier Jahren je um 45 Millionen Tonnen reduziert werden. Zum Vergleich: Die fossilen Kraftwerke in Deutschland emittieren pro Jahr gut 300 Millionen Tonnen CO2.

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Das ist eins der Ergebnisse des Energiewende-Indexes, den McKinsey seit 2012 alle sechs Monate ermittelt. Die zweite Hiobsbotschaft betrifft den Strompreis, der bereits jetzt um gut 40 Prozent über dem Durchschnitt der Europäischen Union liegt. Die EEG-Umlage, mit der Verbraucher den Strom aus erneuerbaren Energien unterstützen, dürfte von heute 6,17 Cent pro Kilowattstunde auf sieben bis acht Cent steigen. Angepeilt sind 3,5 Cent.

Der Index berücksichtigt jeweils fünf Indikatoren aus den Bereichen Klima- und Umweltschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Sechs davon bereiten zumindest aktuell Sorgen, meinen die McKinsey-Mitarbeiter. Neben den Emissionen und dem Strompreisziel liegen die Kosten für Eingriffe ins Stromnetz, etwa das Zu- und Abschalten von Kraftwerken wegen der unregelmäßigen Einspeisung von Wind- und Solarstrom, um 40 Prozent über dem Soll.

Der Ausbau der Leistungsnetze hinkt ebenfalls hinter den Zielen her. Leicht negativ bewerten die Autoren auch die Anbindung von Offshore-Windparks. Das gehe einfach zu langsam.

Fortschritte im Ausbau der Erneuerbaren

Überschritten sind dagegen die Zwischenziele beim Ausbau der Fotovoltaik und der Offshore-Windparks. Von geplanten 52.000 Megawatt Solaranlagen sind rund 40.000 bereits realisiert. Beim Offshore-Programm sind es 2800 von 6500 Megawatt.

Beim Primärenergieverbrauch (der auch Heizen und Transport miteinschließt) besteht allerdings Nachholbedarf. 3,75 Milliarden Megawattstunden werden derzeit verbraucht, 550 Millionen Megawattstunden mehr als für 2020 angepeilt. Der Zielwert für den reinen Stromverbrauch, der bei 553 Milliarden Kilowattstunden liegt, könnte dagegen erreicht werden. Derzeit sind es nur 4,7 Prozent mehr.

Um die Ausfallsicherheit des Stromnetzes und Kraftwerksreserven müsse sich niemand Sorgen machen. Beides ist im tiefgrünen Bereich. Und noch einen positiven Aspekt streicht McKinsey heraus: Die Zahl der Arbeitsplätze im Energiebereich liegt deutlich über der Zielquote.



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