Energiewende: Kanaren-Insel setzt auf 100 Prozent Grünstrom

Energiewende: Kanaren-Insel setzt auf 100 Prozent Grünstrom

von Benjamin Reuter

Ein Windpark und ein Speicherkraftwerk versorgen die 10.000 Einwohner von El Hierro bald vollständig mit Energie. Ein Vorbild für andere Inseln?

Von El Hierro haben Ausländer bisher wenig gehört. Bekannter sind die Schwesterinseln Las Palmas, Teneriffa, oder Fuerteventura, die alljährlich Millionen Touristen besuchen. Aber die westlichste der Kanarischen Inseln könnte bald eine größere Rolle spielen – zumindest bei Experten, die sich mit Energieversorgung beschäftigen.

Denn El Hierro will sich demnächst vollständig mit grüner Energie versorgen, und plant damit eine radikale Energiewende im Kleinen. Schon Ende Juni sollen fünf Windräder auf der Insel ans Netz gehen, die insgesamt eine Leistung von 11,5 Megawatt haben, wie die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet. Auf der Insel weht der Wind mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von mehr als acht Metern pro Sekunde, die Bedingungen für die Mühlen sind also ideal.

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Ersparnis von vier Millionen Euro pro JahrDie Anlage mit dem Namen Gorona del Viento, die von der Lokalregierung zusammen mit dem spanischen Energieversorger Endesa betrieben wird, soll sogar genug Strom liefern, um neben den Haushalten auch die Wasserentsalzungsanlagen der Insel zu betreiben.

Und auch für Flauten ist vorgesorgt. In Zeiten, in denen es zu viel Strom gibt, lagert ein Pumpspeicherkraftwerk die Energie. Das drückt mit überschüssigem Windstrom Wasser in ein auf 700 Metern Höhe gelegenes Becken eines erloschenen Vulkans. Fehlt Strom, rauscht es durch Turbinen den Berg hinab.

Und auch finanziell soll sich das Projekt lohnen. Bisher nämlich liefern vor allem Dieselgeneratoren und ein Ölkraftwerk auf El Hierro den Strom. Mehr als vier Millionen Liter Öl wurden dort pro Jahr verbrannt, was jährliche Kosten von rund vier Millionen Euro verursachte.

Die Umstellung auf eine umweltfreundliche Energieversorgung kostet die Betreiber rund 65 Millionen Euro (die Angaben schwanken allerdings zwischen 50 und 80 Millionen). In rund 15 Jahren hat sich das Projekt also rentiert.

Aber damit noch nicht genug: Bis 2020 sollen auch alle der rund 6000 Fahrzeuge auf der Insel mit Elektroantrieb fahren. Sind die Windanlagen einmal abbezahlt, würden die Einwohner El Hierros dann fast gratis tanken, denn die reinen Betriebs- und Wartungskosten eines Windparks sind gering.

Kein Wunder, dass Gorona del Viento Aufsehen erregt und Regierungsvertreter und Experten aus dem Ausland sich über das Projekt informiert haben. Mehr als 600 Millionen Menschen leben weltweit auf 175.000 Inseln, die oftmals mit Öl ihre Energie gewinnen. Für sie ist eine lokale Stromversorgung, die nicht auf importierte Brennstoffe angewiesen ist, attraktiv.

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