Energiewende: Ölstaaten setzen auf Solarstrom

Energiewende: Ölstaaten setzen auf Solarstrom

von Jan Willmroth

Sonne statt schwarzes Gold. Saudi Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate setzen in Zukunft auf milliardenschwere Sonnenstrom-Projekte.

Die Klimakonferenz in Katar hatte noch nicht einmal begonnen, da hagelte es schon Kritik für den Stadtstaat am persischen Golf: Das Emirat, halb so  groß wie Hessen, hat den weltweit höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf, ist größter Flüssiggas-Exporteur der Welt und betreibt seine Klimaanlagen mit Strom aus Erdgas. Ausgerechnet im klimafeindlichsten Staat der Erde sollten die Regierungen der Welt das Klima retten? Entsprechend daneben ging die Rettung dann auch.

Doch Katar und seine Nachbarstaaten tüfteln an einem ganz eigenen Rettungsplan, mit dem sie den Schritt in die Zeit nach dem Öl schaffen wollen. Denn außer Öl und Gas haben sie vor allem einen Rohstoff, der so schnell nicht versiegt: Sonnenenergie. Mit ihr wollen sie einen Wandel ermöglichen, der gemessen am Investitionsvolumen alle bisherigen Bekenntnisse zu erneuerbaren Energien in den Schatten stellt. Und der Sonnenwärmekraftwerke weltweit endlich bezahlbar machen könnte. Zwei dieser Kraftwerke hat das Unternehmen Abengeo Solar schon in Spanien und Algerien in Betrieb (siehe Aufmacherbild).

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„Wir müssen unseren Energiemix diversifizieren“, sagte der Cheforganisator der Klimakonferenz, Fahad Bin Mohammed al-Attiya, vergangene Woche in Doha. Allein Katar will bis 2020 eine Kapazität von 1,8 Gigawatt (GW) Solarkraft installieren. Bis 2030 sollen 30 Prozent der Energie des Ölstaats aus erneuerbaren Quellen stammen. Saudi-Arabien plant, 110 Milliarden Dollar in einen Kraftwerkspark mit einer Leistung von 41 GW in den kommenden zwei Jahrzehnten zu investieren. Rund ein Drittel des saudi-arabischen Strombedarfs könnte so bis 2032 die Sonne decken.

Die beiden Länder stehen nicht allein: Auch der Staatsfonds von Abu Dhabi macht 15 Milliarden für Investitionen in Solarstrom locker. Das Land ist auch Sitz der Internationalen Erneuerbare-Energien-Agentur IRENA. Dubai baut gerade an einem 1-GW-Solarpark. Und Kuwait peilt einen Anteil von 15 Prozent erneuerbaren Energien bis 2030 an. Mit diesen Zielen übertreffen die bisher von fossiler Energie abhängigen Wüstenländer die meisten westlichen Industriestaaten.

Petrodollars könnten Preise für Solarkraft weiter drückenDie hohen Investitionen sind aber nicht nur für die Golfstaaten wichtig, um schrittweise in eine grüne Zukunft zu steuern. Wenn so viel Öldollars in Solarkraft fließen, werden mit ziemlicher Sicherheit die Preise für Solarwärmekraftwerke fallen – und eine Technologie, die heute noch ein Nischendasein führt, wird schneller wettbewerbsfähig. Großen Solarkraftwerken in den vielen sonnenreichen Regionen der Welt stünde dann bald nichts mehr im Weg.

Schon heute, so hat die IRENA kürzlich ausgerechnet, kann die Solarthermie dort vom Preis her mithalten, wo viel Sonne scheint. Also beispielsweise in Katar mit seinen 350 Sonnentagen im Jahr. Es gibt sogar schon Startups, die verprechen, bald Sonnenstrom für 60 Dollar pro Megawattstunde anbieten zu können. Aber bei Katar und seinen Nachbarn ist der Preis erst einmal nicht so wichtig: Dort muss niemand darüber streiten, wer für die Energiewende bezahlen soll, um wie viel die Strompreise steigen, eine EEG-Umlage braucht es nicht. Das Geld ist einfach da - dank Gas und Öl.

Und die Staaten machen kein Geheminis daraus, von den hohen Investitionen auch kurzfristig zu profitieren. Wenn die Energieversorgung weniger vom eigenen Öl und Gas abhängt, können sie mehr davon exportieren, anstatt sie hoch subventioniert selbst zu verfeuern.

Katar hat zudem klar gemacht, die Technologien nicht einfach nur einzukaufen, sondern selbst produzieren zu wollen. Laut dem Staatsplan „Katar National Vision 2030“ will das Land führend im Bereich der Solartechnologie werden. Der heimische Konzern QSTec beispielsweise baut derzeit eine Polysiliziumfabrik für rund 1 Milliarde Dollar. Weitere Unternehmen stehen bereit.

Dennoch geben selbst die Anführer der katarischen Energiewende zu, ihr Land werde so schnell nicht zum Vorzeige-Sauberling. Als Anfang Dezember ein Solar- Testfeld eröffnet wurde, sagte der Chef des dabei führenden Unternehmen Green Gulf, Omar al Kuwari: „Die Sonne kann es nur ergänzen.“ Er meint das Erdgas, das vorerst die wichtigste Energiequelle in der Wüste bleiben wird.

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