England baut Kernkraftwerk: Auftakt für eine Atom-Renaissance?

England baut Kernkraftwerk: Auftakt für eine Atom-Renaissance?

von Thiemo Bräutigam

Bis 2018 gehen etwa 70 Atommeiler ans Netz. Renaissance der Atomkraft oder Aufbegehren unzeitgemäßer Technik?

Die britische Regierung zeigt sich mit dem Bau des Kernkraftkraftwerks Hinkley Point eigensinnig. Denn es ist der weltweit erste AKW-Neubau nach der Katastrophe im japanischen Fukushima. Stehen wir jetzt vor einer Renaissance der Atomenergie in Europa, könnte man fragen? Eher nicht.

Der einfache Grund: Ohne die Investition der Franzosen und Chinesen wäre der Bau undenkbar gewesen. Profitabel ist das Projekt nur, weil die englische Regierung weitreichende Garantien für das Kraftwerk gibt. So hat er über die gesamte Laufzeit von 35 Jahren eine feste Vergütung von 11 Cent pro Kilowattstunde zugesagt. Zusätzlich ist der Staat auch Bürge für die Investitionskosten, die sich vor allem das französische Unternehmen EDF und einige chinesische Geldgeber teilen.

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Den Inflationsausgleich eingerechnet, den die Regierung zugesagt hat, ist Atomstrom aus Hinkley Point damit teurer als Solarenergie aus Deutschland.

Aber wie verhält sich eigentlich der Rest der Welt gegenüber der Atomkraft? Magere sechs Prozent Anteil am weltweiten Strombedarf werden derzeit mit Atomenergie gedeckt. Das könnte sich in den nächsten Jahren allerdings teilweise ändern. Vor allem China setzt massiv auf den Bau neuer Atomkraftwerke. Aber auch Russland, die USA, Indien und zahlreiche andere Länder bauen weiter Atommeiler.

Zwischen 2013 und 2018 kommen nach Angaben des britischen Guardian weltweit insgesamt 74,39 Gigawatt Atomkraft-Leistung hinzu. China hat daran immerhin einen Anteil von 24,04 Gigawatt. Auch in Europa wollen einige Länder neue AKWs bauen. Neben England sind dies vor allem Frankreich, die Ukraine, Rumänien und die Slowakei.

Dabei muss allerdings auch festgestellt werden, dass der Ausbau der Kernkraft teilweise sehr zögerlich geschieht oder gleich in der Planungsphase hängen geblieben ist. Seit dem Unglück von Fukushima sind die weltweiten Sicherheitsstandards gestiegen, was die Installation verteuert hat. Laut dem Welt-Atomindustrie-Report 2013 haben sich die Kosten je installierter Kilowattstunde bei Atomkraftwerken von 1000 auf 7000 US Dollar erhöht - innerhalb von nur zehn Jahren.

Von den 28 in China geplanten Atomkraftwerken ist in den letzten zwei Jahren kein einziges in den Bau gegangen. Dafür treibt die chinesische Regierung den Ausbau der Solarenergie voran: Von derzeit 8 auf 35 Gigawatt Leistung bis 2015. Statt von einer Renaissance der Atomkraft, muss man derzeit wohl eher von einer Koexistenz von Erneuerbaren und der Atomenergie sprechen.

Hier die Zubaupläne für einzelne Länder für die Jahre 2013 bis 2018.

 

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