Entwicklungsländer: Motor der weltweiten Energiewende

Entwicklungsländer: Motor der weltweiten Energiewende

von Ralph Diermann

Investitionen in erneuerbaren Energien sind in Asien, Afrika und Lateinamerika 2014 um mehr als ein Drittel gestiegen.

Welches Land ist derzeit Erneuerbare-Energien-Weltmeister? Deutschland, Heimat der Energiewende? China mit seinen Milliarden-Investitionen in die Solar- und Windenergie? Die USA, wo Präsident Obama den Kohlekraftwerken den Kampf angesagt hat?

Falsch – Burundi! Nirgendwo auf der Welt ist 2014, bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt, so viel Geld in die erneuerbaren Energien investiert worden wie in dem ostafrikanischen Land. Dahinter folgen Kenia, Honduras, Jordanien und Uruguay.

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Das hat REN21 in seinem neuen „Renewables Global Status Report 2015“  herausgefunden. REN21 ist ein internationales Erneuerbare-Energien-Netzwerk, das von Parteien getragen wird, die eigentlich nicht viel gemeinsam haben: Greenpeace und WWF zählen genauso dazu wie die Weltbank, die Europäische Kommission oder die Regierungen von Deutschland, Indien und Brasilien.

Der Report zeigt: Schwellen- und Entwicklungsländer – inklusive China – sind derzeit Motor der globalen Energiewende. Dort stiegen die Investitionen im letzten Jahr um 36 Prozent auf 131 Milliarden US-Dollar. Damit liegen sie nur noch knapp hinter den Industrienationen, die mit 139 Milliarden US-Dollar drei Prozent mehr als im Vorjahr investierten.

Neben China setzen auch viele andere Staaten in Asien, Afrika und Lateinamerika massiv auf erneuerbare Energien. In Marokko zum Beispiel entsteht derzeit ein gigantisches Solarkraftwerk. Es hat eine Leistung von 350 Megawatt, so viel wie ein kleines Kohlekraftwerk. In Äthiopien ist geplant, ein 1.000-Megawatt-Geothermiekraftwerk zu bauen. Und vor der Küste Vietnams soll ein 300-Megawatt-Windpark errichtet werden.

Mehr erneuerbar als fossilDie Regenerativ-Branche hatte 2014 aber noch mehr Gründe, die Korken knallen zu lassen. Denn insgesamt 59 Prozent aller neu installierten Kraftwerkskapazitäten entfielen auf die erneuerbaren Energien. „Die Entwicklung der erneuerbaren Energien hat sämtliche Erwartungen übertroffen“, erklärte REN21-Geschäftsführerin Christine Lins bei der Präsentation des Reports.

Trotz niedriger Kohle-, Gas- und Ölpreise gingen weltweit Solar-, Windkraft-, Geothermie- und Bioenergieanlagen mit einer Leistung von 97 Gigawatt neu ans Netz. Die Gesamtkapazität stieg damit um 17 Prozent. Größter Gewinner war die Photovoltaik, deren installierte Leistung um 28 Prozent wuchs. Die Windenergie erzielte ein Plus von 16 Prozent.

Der Report nennt zwei Gründe für den Boom: die stark gesunkenen Anlagenkosten sowie die breite politische Unterstützung. In 108 Ländern gibt es mittlerweile eine Förderung nach Vorbild des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

Kaum Förderung für grüne WärmeAlso alle Ampeln auf grün? Nicht ganz: Bei der Wärmeerzeugung kommen die erneuerbaren Energien kaum voran. Ihr Anteil liegt hier bei gerade einmal acht Prozent. Anders als beim Strom fehlt es bei der Wärme an staatlichen Förderungen. „Das Wachstum ist langsam. Aber das Potenzial ist enorm“, so Lins.

Zudem zeigt der Report, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am globalen Energieverbrauch trotz aller Zuwächse immer noch ziemlich klein ist. Gerade einmal zehn Prozent werden durch Solar-, Windkraft-, Geothermie- und Bioenergieanlagen sowie Wasserkraftwerke gedeckt. Damit tragen sie kaum mehr bei als die „traditionellen“ Formen der Nutzung erneuerbarer Energien – etwa das Kochen mit Holz über offenem Feuer.

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