Deutschland verfehlt EU-Ziel für erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien: Deutschland verfehlt wohl EU-Ziel

Ökostrom stärker fördern, den Ausbau deckeln oder dem Markt überlassen? Darüber streiten Experten und Parteien. Eine Studie kommt zu dem Ergebnis: So, wie es jetzt läuft, schafft Deutschland die EU-Vorgaben nicht.

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Studie: Deutschland verfehlt EU-Ziel für erneuerbaren Energien

Deutschland könnte einer Studie zufolge das EU-Ziel für den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch deutlich verfehlen. 2020 soll der Anteil laut EU-Richtlinie bei 18 Prozent liegen - unter derzeitigen Bedingungen dürfte er in den kommenden drei Jahren aber nur auf 16 Prozent klettern, wie der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) errechnet hat. Die aktualisierte Trendanalyse lag der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch vor. Dabei geht es nicht nur um den Ökostrom-Anteil beim Stromverbrauch, sondern auch um den Wärme- und Verkehrssektor.

Im April hatte der BEE noch einen Anteil von 16,7 Prozent für 2020 vorhergesagt. Als Grund für die Änderung gibt der Verband einen Anstieg des Energieverbrauchs im Wärme- und Verkehrsbereich an. Die aktuelle Prognose geht unter anderem davon aus, dass sich der Trend zu steigendem Kraftstoff-Verbrauch im Verkehr bis 2020 rund halb so hoch fortsetzt wie im ersten Halbjahr 2017. Der Verband bezeichnet diese Rechnung als „konservativ“. Das 18-Prozent-Ziel werde in „noch weitere Ferne rücken, wenn sich der Verbrauchsanstieg im Wärme-, Verkehrs- und Stromsektor ungemindert fortsetzt“, heißt es beim BEE.

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Einer EU-Richtlinie zufolge soll der „Anteil von Energie aus erneuerbaren Quellen am Bruttoendenergieverbrauch im Jahr 2020“ bei 18 Prozent liegen. Für andere Länder gibt es andere Vorgaben, im EU-Schnitt sind 20 Prozent das Ziel. Dem BEE zufolge drohen nur fünf der 28 EU-Mitgliedsstaaten ihre Vorgaben zu verfehlen, neben Deutschland seien das Irland, Großbritannien, die Niederlande und Luxemburg. „Die nächste Bundesregierung muss die Regelungen der Energiewirtschaft grundlegend modernisieren“, forderte BEE-Geschäftsführer Peter Röttgen. So könne das Innovationspotenzial der Energiewende wirtschaftlich genutzt werden.

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Beim Stromverbrauch lag der Anteil der erneuerbaren Energien laut BEE bei 31,7 Prozent, im Bereich Wärme allerdings nur bei gut 13 Prozent und im Verkehr nur bei gut 5 Prozent. Unter aktuellen Bedingungen dürfte der Anteil der Ökoenergie demnach bis 2020 beim Stromverbrauch auf knapp 40 Prozent steigen, bei der Wärme bei gut 13 Prozent stagnieren und im Verkehr nur leicht ansteigen auf 6,1 Prozent.

Im Bundestagswahlkampf sind derzeit vor allem der Verkehrsbereich und die Umstellung auf elektrische Antriebe Themen, aber auch für den Ausbau von Ökostrom und den Abschied von der Braunkohle als Energieträger haben die Parteien unterschiedliche Pläne. „Den Ausbau der erneuerbaren Energien treiben wir voran und die Investitionen in erneuerbare Energien wie die Photovoltaik und in den Ausbau des Stromnetzes werden wir drastisch erhöhen“, sagte Grünen-Chef Cem Özdemir der dpa. Die 20 „schmutzigsten Kohlekraftwerke“ will seine Partei „sofort“ abschalten.

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Vor rund zwei Wochen hatte eine Berechnung der Denkfabrik Agora Energiewende ergeben, dass Deutschland das für 2020 selbst gesteckte Klimaschutz-Ziel deutlicher verpassen wird als bisher angenommen, wenn die kommende Bundesregierung nicht schnell nachsteuert.

„Das Land der Energiewende ist damit seinen Namen derzeit nicht wert“, kritisierte Michael Schäfer vom WWF angesichts der BEE-Rechnung. „Die neue Bundesregierung muss zwingend ein Sofortprogramm Klimaschutz 2020 auflegen, mit dem es sicherstellt, dass Deutschland seinen Verpflichtungen gemäß Paris-Abkommen sowie EU-Recht nachkommt.“ Der Klimaschutz-Experte schlug eine „Sonderausschreibung Klimaschutz 2020“ für zusätzliche Windkraft- und Solaranlagen vor.

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