Erneuerbare Energien: Investitionen brechen ein

Erneuerbare Energien: Investitionen brechen ein

von Jürgen Klöckner

Im ersten Quartal 2013 sind die weltweiten Investitionen in Wind, Solar und Biogas deutlich eingebrochen. Stockt jetzt also der Ausbau? Im Gegenteil.

Hat sich die Euphorie um die erneuerbaren Energien gelegt? Auf den ersten Blick sieht es so aus: Die Investitionen in Windparks, Solarkraftwerke und Biogasanlagen sind im ersten Quartal 2013 drastisch eingebrochen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg und beruft sich auf Ergebnisse einer Studie des hauseigenen Instituts Bloomberg New Energy Finance. Im Vergleich zum Vorjahresquartal floss 22 Prozent weniger frisches Kapital. Insgesamt waren es weltweit knapp 41 Milliarden Dollar.

Das ist vor allem deswegen ein Problem, weil die Investitionen eher steigen als fallen müssten: Nur mit neuen Kapazitäten könnten weltweit steigende CO2-Emissionen auf ein Niveau gebremst werden, das mit internationalen Klimazielen vereinbar wäre. Derzeit machen die Erneuerbaren noch einen geringen Anteil an der weltweiten Energieproduktion aus, das Gros wird in dreckigen Öl- und Kohlekraftwerken gewonnen.

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Weltweit werden diese Kapazitäten allerdings eher noch weiter ausgebaut als zurückgefahren, da sie billigen Storm liefern, der vor allem von aufstrebenden Nationen für ihr enormes Wachstum gebraucht wird. Einen großen Anteil daran hat China: Hier gingen die Investitionen in Erneuerbare um 15 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar zurück.

Doch auch in den Industrienationen zögerten Geldgeber bei Erneuerbaren: In den USA etwa brachen die Investitionen um knapp die Hälfte auf 4,5 Milliarden Dollar ein, in Europa um knapp ein Viertel auf 13,4 Milliarden Dollar. In Spanien fror der Markt quasi ein: Dort reduzierten sich die Investitionen um unglaubliche 96 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. In Italien und Frankreich sieht es ähnlich aus.

Weniger InvestitionssicherheitEinen der Hauptgründe machen die Autoren daran fest, dass die Investitionssicherheit deutlich abgenommen habe. In den USA herrsche seit Ende 2012 Unsicherheit über die Förderung von Windkraftanlagen, auch in Deutschland wurde kurzzeitig über rückwirkende Kürzungen der EEG-Subventionen diskutiert. Am stärksten gingen deswegen insgesamt die Mittel für große Solar- und Windanlagen zurück, um 34 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar.

Allerdings gibt es auch Lichtblicke. In Deutschland etwa nahmen gegen den Trend die Investitionen auf knapp vier Milliarden Dollar zu und verzeichneten ein leichtes Plus von acht Prozent. Einen großen Anteil hieran hat der Offshore-Windpark Butendiek, der insgesamt knapp zwei Milliarden Dollar kostet. Er ist gleichzeitig das größte Projekt weltweit, das in diesem Quartal finanziert wurde.

Die größten Zuwachs allerdings gab es Asien (ohne China und Indien) - hier erleben Erneuerbare Energien geradezu einen Boom. Die Investitionen verdoppelten sich auf 10,1 Milliarden Dollar. Großen Anteil hieran hatte Japan.

Ramschpreise für SolarpanelsObwohl die Zahlen weltweit rückläufig waren: Sie bedeuten noch lange nicht das Ende des Ausbaus. Denn die gute Nachricht ist: Einen Teil des Rückgangs erklären die Autoren auch mit den Ramschpreisen für Solarpanels.

Im Schnitt kostete ein Modul nur noch 81 US-Cents pro Watt auf dem Weltmarkt, im Jahr zuvor waren es noch knapp ein Dollar. Dies mache sich vor allem für Haushalte bemerkbar: Sie gaben im ersten Quartal 2013 8 Prozent weniger (nur noch 18,5 Milliarden Dollar) für Solarpanels aus als noch im Quartal zuvor. Das bedeutet auch: Allein 2013 sollen die Solarkapazitäten laut Bloomberg nochmals um zwanzig Prozent steigen.

Zudem befinden wir uns nach wie vor auf einem recht hohen Investitionsniveau. Insgesamt wurden 2012 knapp 269 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien gesteckt. Das ist zwar weniger als im Rekordjahr 2011 (302 Milliarden Dollar), aber immer noch das fünffache der Investitionen aus dem Jahr 2004. Der Trend zeigt also trotz der aktuellen Delle insgesamt nach oben.

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