Erneuerbaren-Rekord! Aber Deutschland war 2015 trotzdem nicht klimafreundlicher

Tech: Erneuerbaren-Rekord! Aber Deutschland war 2015 trotzdem nicht klimafreundlicher

von Peter Vollmer

Die Erneuerbaren stellen fast ein Drittel des deutschen Stroms - doch Kohlestrom wird weiter produziert.

Experten hatten es schon im November vermutet, nun bringen Zahlen des Think Tanks „Agora Energiewende“ Gewissheit: Ein Drittel des deutschen Stroms kam 2015 aus Erneuerbaren. 32,5 Prozent stammten aus Wind-, Solar, Wasser und Bioenergiekraftwerken. Fünf Prozent mehr als im Vorjahr – ein Rekordzuwachs.

Vor allem die Windenergie konnte zulegen und produzierte 50 Prozent mehr Strom als im Vorjahr. Das war allerdings auch nötig: Die Stromproduktion insgesamt erzielte ebenfalls mit 647 Terawattstunden einen Rekord. Dieser Anstieg um etwa drei Prozent heißt aber auch: Kohle ist kaum zurückgefahren worden.

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Dass sich an der umfangreichen Kohleverstromung kaum etwas ändert, ist kurz nach den vollmundigen Ankündigungen der Klimakonferenz von Paris natürlich ein Tritt vor das Schienbein der deutschen Klimapolitik. Und es lässt sich auch nur Teilweise mit dem Ausstieg aus der Kernkraft erklären - denn der Verbrauch ist kaum angestiegen, der zusätzliche Strom wurde stattdessen ins Ausland verkauft.

Der Export stieg im vergangenen Jahr um rund 50 Prozent an - und erreichte mit 60,9 Terawattstunden ebenfalls einen Rekord. „Das zeigt, dass Deutschland Strom im Überfluss hat – trotz der Stilllegung der Atomkraftwerke“, sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. „Die Klimabilanz des deutschen Stromsystems hat sich deshalb im vergangenen Jahr kaum verbessert.“

Netz hält auch Sonnenfinsternis stand

In einem veröffentlichten Rückblick analysiert der Think Tank das Energiejahr 2015 und erinnert auch an die partielle Sonnenfinsternis: „Die Flexibilität des Systems wird immer besser und die Teilnehmer am Strommarkt stellen sich zunehmend auf die schwankende Verfügbarkeit von Strom aus Wind und Sonnenenergie ein“, sagt Graichen.

Auch für 2016 rechnet der Think Tank mit einem weiteren Ausbau der Erneuerbaren und parallel sinkenden Börsenpreisen. Die würden allerdings erneut nicht bei den Verbrauchern ankommen, da auch der Netzausbau weitergehen werde. Bis die deutschen Verbraucher nicht nur die ökologischen, sondern auch die ökonomischen Vorteile der Erneuerbaren spüren, wird also noch einige Zeit ins Land ziehen.

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