EU-Bericht: Windkraft ist günstigste Form der Stromerzeugung

EU-Bericht: Windkraft ist günstigste Form der Stromerzeugung

von Benjamin Reuter

Die EU legt Zahlen zu Kosten und Subventionen der einzelnen Energieformen vor. Die Ergebnisse überraschen.

Günther Oettinger, bisher Energiekommissar in Brüssel, wird künftig für die EU-Internetpolitik zuständig sein. Er wird sich auch in seinem neuen Job auf Kritik gefasst machen müssen, aber so hart wie als Energiekommissar wird es ihn wohl nicht treffen. Denn in seiner alten Rolle verging kaum ein Tag, an dem ihm Umweltschutzverbände und Grünstrom-Lobbyisten nicht vorwarfen, zu sehr auf die alten Energieträger wie Kohle, Erdgas und Atom zu setzen.

Quasi als letzte Amtshandlung hat Oettinger nun einen Bericht (hier als PDF) über die Subventionen und Kosten für die einzelnen Energieträger in Europa vorgelegt. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es sei eine späte Rache an seinen Kritikern. Denn das Ergebnis des Berichtes ist eindeutig: Zwischen 2008 und 2012 erhielten Grünstromanlagen mehr staatliche Unterstützung in der EU als Kohle- und Atomkraft.

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Aber die Wahrheit (und die Studie) ist wie immer komplizierter und lohnt einen genauen Blick. Erstellt hat das 70 Seiten starke Papier das Beratungsunternehmen Ecofys, das Büros in mehreren europäischen Ländern hat und das bisher nicht durch große Nähe zur alten Energiewirtschaft aufgefallen ist – umso ernster sollte man also die Zahlen in dem Report nehmen.

Und das sind die interessantesten Ergebnisse des Reports:

- Erneuerbare Energien profitierten im Jahr 2012 mit 41 Milliarden Euro am meisten von staatlicher Unterstützung in der EU. Konkret brechneten die Ecofys-Experten zum Beispiel wie viel die Produktion einer Kilowattstunde Strom mit einer Solaranlage kostet und wie viel der Strom am Markt tatsächlich wert war. Der Differenzbetrag, den Verbraucher in Deutschland zum Beispiel über die EEG-Umlage zahlen, gilt dann als staatliche Unterstützung – in diesem Fall für die Solarenergie.

- Schaut man auf die gewährte Unterstützung bei den einzelnen Energieträgern liegt die Solarenergie vorne, dann folgen Wind und Kohle. Dieses Ergebnis wird vielen Umweltverbänden nicht schmecken, da sie immer wieder auf die große Unterstützung verweisen, die den fossilen Energieträgern und der Atomkraft zuteil wird und wurde.

Der Vergleichbarkeit halber rechnete Ecofys auch die Daten aus der Vergangenheit in die aktuellen Zahlen ein. Die staatlichen Hilfen, die seit 1970 allein für den Bau von Kohlekraftwerken, Atommeilern und Wasserkraftwerken gewährt wurden, belaufen sich demnach auf rund 500 Milliarden Euro.

Dieser Wert beinhaltet noch nicht einmal die Unterstützung, die europäische Staaten gewährten, um die lokale Kohleproduktion konkurrenzfähig zu halten. Diese Maßnahmen machten rund 380 Milliarden Euro seit 1970 aus. Den größten Anteil hier hatte wiederum der Kohlepfennig in Deutschland. Auf die einzelnen Jahre umgelegt, schlugen diese historischen Beihilfen allein im Jahr 2012 noch mit zwölf Milliarden Euro zu Buche.

Die staatlichen Beihilfen für das Jahr 2012 aufgeschlüsselt auf die einzelnen Energieträger zeigt die folgende Grafik:

- Die externen Kosten der Energieerzeugung in Europa lagen 2012 bei rund 200 Milliarden Euro. Eingerechnet sind dabei Gesundheitsschäden, zum Beispiel durch Schadstoffe aus Kohlekraftwerken, und Schäden, die der Klimawandel künftig anrichten könnte.

- Interessant: Bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung liegen fossile Energieträger und Erneuerbare für den Zeitraum zwischen 1974 und 2007 gleichauf. Die Atomkraft erhielt in diesem Zeitraum die meiste staatliche Forschungsförderung. Die folgende Grafik macht das Ungleichgewicht bei der Förderung deutlich:

- Gemessen an der Stromproduktion finden sich die meisten staatlichen Beihilfen im Energiesektor neben Österreich und Spanien in Deutschland. Kein Wunder, zahlen deutsche Stromverbraucher im Zuge der Energiewende pro Jahr rund 24 Milliarden Euro an die Netzbetreiber, die das Geld unter anderem an Besitzer von Grünstromanlagen weiterreichen oder Einnahmeausfälle durch Industrierabatte ausgleichen.

Was ist nun das Fazit, das sich aus den Zahlenreihen ziehen lässt? Sowohl fossile Energieträger als auch die Atomkraft haben in der Vergangenheit von gigantischen Beihilfen der Regierungen profitiert. Heute sind es die erneuerbaren Energien, wie die Zahlen für das Jahr 2012 zeigen.

Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie betrifft die zukünftige Entwicklung. Würden die Staaten auf alle Beihilfen verzichten und heute auf der grünen Wiese ein neues Energiesystem allein nach Gesichtspunkten der Kosteneffizienz aufbauen, würde es sehr viel anders aussehen, als das System, das wir jetzt in Europa haben. Denn Windkraftanlagen sind derzeit bei den Kosten beinahe gleichauf mit Kohle, wie Ecofys schreibt. Solaranlagen können mit Atomkraft und Gaskraftwerken mithalten. Diese Werte gelten allerdings für 2012, seitdem sind die Kosten für Wind- und Sonnenstrom nocheinmal gesunken.

Hinzu kommt, dass dabei die externen Kosten für Gesundheits- und Umweltschäden noch nicht mit eingerechnet sind (siehe Grafik unten). Bezieht man diese Kosten mit ein, gehören Wasserkraft, Sonne und Erdwärme zu den günstigsten Arten Energie zu erzeugen – Windkraft an Land schneidet dabei am allerbesten ab. Zwar ist der genaue Wert der externen Kosten schwer zu berechnen, wie auch die Ecofys-Experten zugeben, aber einen Anhaltspunkt vermitteln die Werte allemal.

Vielleicht lässt sich die Studie deshalb am Ende so zusammenfassen: Subventionen haben alle bekommen, am meisten daraus gemacht haben die Entwickler und Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen.

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